Blog

  1. Sprachen lernen in der Pubertät


    Interview mit Prof. Dr. Michaela Sambanis, Freie Universität Berlin zu „Sprachen lernen in der Pubertät“

    Warum sind Jugendliche eine besondere Zielgruppe für Ihre Forschungen?

    Wer mit Jugendlichen zu tun hat, der weiß, dass diese Zielgruppe herausfordernd und manchmal auch anstrengend sein kann. Aber warum eigentlich?
    Die Jugendzeit ist die Phase, in der das Gehirn gezielt umgebaut wird, und zwar so, dass es bestmöglich an die Anforderungen angepasst ist, die es zu erbringen hat. Der Umbau beginnt im hinteren Bereich des Gehirns und läuft weiter bis nach vorne zu den präfrontalen Bereichen. Dort, hinter der Stirn, wird besonders intensiv und lange umgebaut. Die Umstrukturierung ist erst ca. mit 25 Jahren abgeschlossen. In den frontalen Regionen sind übergeordnete Steuer- und Kontrollfunktionen verortet. Sie werden aktiviert, wenn es gilt, etwas zu planen, vernünftige Entscheidungen zu treffen, überlegt zu handeln usw., Leistungen, die Jugendlichen während bzw. wegen des Umbaus der dafür zuständigen Bereiche mitunter schwer fallen. Ein maßgeschneidertes und gründliches Ausreifen dieser Regionen ist aber für das gesamte weitere Leben enorm wichtig, deswegen wird diesem „Umbauabschnitt“ in der Jugend besonders viel Zeit und damit zugleich die Möglichkeit gegeben, sehr vielen Lerngelegenheiten begegnen zu können.
    Verschiedene Verhaltensweisen in der Pubertät lassen sich vor dem Hintergrund solcher Erkenntnisse besser verstehen und es fällt leichter, sie einzuordnen. Die Pubertät ist eine enorm wichtige Entwicklungsphase, in der das Gehirn einen umfangreichen Entwicklungsschub macht. Aus diesem Grund ist die Zielgruppe der Jugendlichen eine besondere und eine besonders wichtige für meine Arbeit.

    Was können Lehrkräfte aus den Erkenntnissen zur Entwicklung des jugendlichen Gehirns lernen?

    Die Erkenntnisse der Hirnforschung können Lehrkräften dabei helfen, besser zu verstehen und eine gute Balance zwischen Gelassenheit und sinnvollen Regeln zu finden sowie entwicklungsgemäße Anreize zu schaffen. Das Gehirn braucht in dieser Phase neue Erfahrungen, um sich weiterentwickeln zu können. Deswegen suchen viele Jugendliche nach Freiraum und beginnen, Vorgaben infrage zu stellen. Besonders durch neue Herausforderungen gelingt es dem jugendlichen Gehirn letztendlich u.a., die schon erwähnten übergeordneten Funktionen, wie z.B. vorausschauendes Denken, weiterzuentwickeln.
    Befunde der Hirnforschung belegen außerdem, dass es Jugendlichen tatsächlich schwerer fällt, Versuchungen zu widerstehen. Gehirnbereiche, die auf Spaß reagieren, befinden sich in einer Phase des Wachstums und zeigen besondere Aktivität. Dadurch haben Situationen, die Spaß in Aussicht stellen, eine besondere Anziehungskraft auf Heranwachsende. Im Unterricht gibt es Situationen, in denen das Verlangen nach Spaß mit der Bereitschaft zu ernsthaftem Lernen konkurriert, und oftmals muss man als Lehrkraft konsequent sein. In anderen Fällen hingegen, ist es möglich, die Affinität der Jugendlichen für Spaß methodisch und didaktisch zu nutzen, z.B. indem man Abwechslung in den Unterricht bringt, altersgemäß-spielerische Aufgabenformate einsetzt, die Kreativität anspricht, mit Übungen aus dem Improtheater arbeitet etc. Sprachen lernen in der Pubertät enthält eine Sammlung mit erprobten Praxisimpulsen für den Fremdsprachenunterricht speziell bei Jugendlichen.

    Die Pubertät ist übrigens als eine Teilphase der Adoleszenz definiert. Sie setzt bei Mädchen etwa eineinhalb Jahre früher ein als bei Jungen, bei Mädchen ca. mit 10 Jahren, bei Jungen mit 11 bis 12. Das Faszinierende an dieser Entwicklungsphase sind ihre Potenziale: Die Pubertät ist vor allem eine Zeit besonderer Lernchancen und besitzt hohe Relevanz.

    Welche Chancen bietet diese Phase?

    Ein für das Sprachenlernen besonders wertvolles Potenzial, eröffnet die kognitive Entwicklung: Sie macht in der Jugendzeit beachtliche Fortschritte. Jugendliche können vernetzter denken als jüngere Kinder. Die Entwicklungen im jugendlichen Gehirn ermöglichen schnellere Reizweiterleitung, sodass Verbindungen nunmehr auch über längere Distanzen aufgebaut werden können, wodurch die Vernetzung ausdifferenziert und erweitert wird. Bei jüngeren Kindern laufen kognitive Prozesse eher in lokal begrenzten Hirnregionen ab. Durch die optimierte Vernetzung im Gehirn sind Heranwachsende in der Lage, abstrakter und komplexer zu denken. Das kann beim Sprachenlernen genutzt werden, z.B. durch Unterrichtsverfahren, die zur Reflexion anregen, eigene Strukturierungen anstoßen oder auf eine Metaebene führen.
    Eine weitere beachtenswerte Entwicklung betrifft die Kreativität: Hier zeigen sich Fortschritte im Laufe der Pubertät, ein Höchststand wird etwa im Alter von 16 erreicht. Jugendliche besitzen demzufolge großes kreatives Potenzial, auch wenn sie es aus Bequemlichkeit oder Scheu nicht immer von sich aus nutzen. Betrachtet man diesen Befund zusammen mit der ebenfalls nachgewiesenen Spaß-Affintät Heranwachsender, dann eröffnen sich weitere Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche, altersgemäße Unterrichtsgestaltung (Theaterimpulse, Musik etc., mit humorvollen Texten arbeiten, das Gemeinschaftsgefühl stärkende Aktivitäten einsetzen,…).

    Viele Lehrkräfte und Eltern erleben die Pubertät vor allem als anstrengende Zeit. Warum vertreten Sie hingegen einen Stärken-Ansatz, nicht einen Defizit-Ansatz?

    Die frühe Kindheit und die Pubertät sind zwei entscheidende Entwicklungsphasen, in denen ganz viel Potenzial aufspringt, das für das Sprachenlernen genutzt werden kann. Der frühen Kindheit wird ihr besonderes Potenzial selten abgesprochen, bei der Pubertät hingegen sind viele erstaunt, dass auch sie eine Phase voller Chancen ist. Die Herausforderungen, die diese Entwicklungsphase mit sich bringt – übrigens nicht nur für Bezugspersonen, sondern auch für die Heranwachsenden selbst – stelle ich nicht infrage, aber wir schenken m.E. Defiziten recht viel Beachtung. Das gilt nicht nur für den Kontext Pubertät, sondern ist auch in anderen Bereichen zu beobachten, auch in Lernkontexten. Dabei zeigt Entwicklungsförderung oft bessere Ergebnisse, wenn sie Stärken fokussiert, anstatt nur oder vorrangig Defizite. Individuelle Stärken bilden Ressourcen, an denen man ansetzen kann, um den Aufbau von Selbstvertrauen, Resilienz und Zuversicht zu unterstützen. Wenn man als Lernender erkennt, dass man Stärken besitzt, lässt es sich auf dieser Grundlage deutlich leichter, bereitwilliger und erfolgreicher weiterarbeiten, auch an Bereichen, in denen man noch nicht so gut aufgestellt ist.  

    Weiterlesen
  2. Erfolgsgeheimnis Influencer


    Gespräch über Influencer Marketing mit Autorin, Beraterin und Dozentin

    Ob Julien Bam, Pamela Reif oder Gronkh: Influencer sind schillernde Persönlichkeiten, die gerade auf Kinder und Jugendliche eine besondere Faszination ausüben. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Warum wollen immer mehr Unternehmen mit ihnen kooperieren? Und was können sich Lehrkräfte von ihnen „abschauen“? Darüber und über die Zukunft der Influencer-Branche haben wir mit Julia Kost gesprochen, Autorin des Buchs „Influencer Marketing“, Beraterin für digitales Marketing bei Mercedes-Benz Consulting und Dozentin an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM)

    Meinungsführer, Experte oder Unternehmer: Was macht einen Influencer aus?

    Influencer sind sehr vielseitig und viele sind alles ein bisschen – Unternehmer sind allerdings nicht alle. Den digitalen Influencer, der im engeren Sinne gemeint ist, macht einmal aus, dass er in den sozialen Medien präsent ist und dort eine gewisse Reichweite und Berühmtheit erlangt hat. Das bedeutet, dass sie oder er auch über eine Community [d.h. eine Gemeinschaft von Nutzerinnen und Nutzern, die gemeinsame Interessen und Werte teilt, Anm. d. Red.] verfügt, mit der sie oder er in regelmäßigem Austausch steht. Dies liegt daran, dass Influencer als Personen mit Autorität zu einem bestimmten Thema wahrgenommen werden – entweder durch veröffentlichte Inhalte oder Kompetenzen, manchmal auch nur durch Engagement oder Motivation.

    Worin liegt das Erfolgsgeheimnis von Influencern? Warum üben sie gerade auf Kinder und Jugendliche eine besondere Faszination aus?

    Als schillernde Persönlichkeiten, die Selbstvertrauen ausstrahlen, bieten Influencer für alle Altersklassen eine Identifikationsfläche. Dadurch, dass sie so viel von sich und ihrem Leben preisgeben, wirken sie glaubwürdig: Man hat das Gefühl, sie zu kennen. Meistens sind sie auch modern, probieren neue Sachen aus und inspirieren andere auf diese Weise. Gerade für Kinder und Jugendliche können sie so zu wichtigen Identifikationsfiguren werden, da sie aktiv auf der Suche nach Vorbildern sind. Influencer treten in der Regel dort in Erscheinung, wo junge Menschen sich ausprobieren, im sogenannten Poplife. Das können Momente, Menschen oder Orte sein, die ein bestimmtes Image, bestimmte Wünsche, Geschmäcker und Hobbys reflektieren. Mit ihrer Authentizität und Persönlichkeit schaffen Influencer es hier, andere mitzureißen.

    Entsteht für erfolgreiche Influencer irgendwann ein Spagat zwischen Professionalität und dem Ziel, für die Community noch authentisch zu wirken?

    Ja, total, ich würde aber sogar sagen, das ist der Spagat, den alle Influencer machen müssen. Gerade die sozialen Medien verleiten dazu, sich selbst besonders positiv darzustellen. Dazu gibt es aber auch Gegenbewegungen, die für mehr Natürlichkeit und Blicke hinter die Kulissen stehen. Trotzdem bleibt das Gezeigte ein Ausschnitt einer Person, die nur das von sich preisgibt, was sie preisgeben möchte. Einige Influencer tappen dabei in die Falle, zu viel zwischen verschiedenen Marken hin- und herzuwechseln und diese als ihre jeweilige Lieblingsmarke darzustellen.

    Als Sie an Ihrem Buch zu Influencer Marketing gearbeitet haben: Was war die für Sie überraschendste Erkenntnis zum Thema?

    Überraschend für mich war, dass viele Influencer, die nach gängiger Definition Influencer sind, sich selbst gar nicht so bezeichnen möchten. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass Influencer in den Massenmedien in letzter Zeit ein schlechtes Image bekommen haben: Ihnen wird vorgeworfen, ihr Schaffen sei unprofessionell, Fake und keine richtige Arbeit. Deswegen definieren die einen sich über das Format. Sie bezeichnen sich nicht als Influencer, sondern als Blogger/-in oder Podcaster/-in. Andere nennen Influencer nur als eines von mehreren Standbeinen, wie zum Beispiel Unternehmer/-in, Autor/-in oder Coach.

    „Influencer sind erfolgreich damit, sehr viel persönlich und auf Augenhöhe zu kommunizieren“

    Beim Stichwort Influencer denken die meisten an Beauty, Lifestyle und Fitness – zum Beispiel in Person von Pamela Reif. Doch die Bandbreite von Influencern ist hoch. Welche Typen von Influencern unterscheidet die Forschung?

    So richtig einig ist sich die Forschung nicht. Viele nehmen die Followerzahl als eine Achse zur Unterscheidung von Influencern, die ein mehrstelliges Millionenpublikum erreichen, von denen, die nur eine begrenzte Reichweite haben. Die meisten Wissenschaftler/-innen unterscheiden auch zwischen „Poplife“ und „Dailylife“ – also Influencern, die moderne Lifestylethemen aufgreifen und eher die soziale Seite von sich zeigen, und solchen, die sich als Experten alltäglichen oder Nischenthemen widmen. Die Word of Mouth Marketing Association kennt zudem noch die Kategorie der „Professionals“, die durch ihr berufliches Auftreten Einfluss auf eine große Zahl von Menschen haben. Darunter fiel in der Vergangenheit zum Beispiel der Unternehmer Steve Jobs.

    Was können sich Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen von Influencern „abschauen“, um Bildungsangebote zeitgemäß zu gestalten?

    Vorneweg: Nicht jede Lehrkraft muss können, was ein Influencer kann. Dafür ist es einfach zu komplex. Influencer sind erfolgreich damit, sehr viel persönlich und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Was immer gut funktioniert, sind außerdem Interaktionen und Challenges. Auf den Bildungskontext übertragen könnten das kreative Aktivitäten wie die eigene Gestaltung von Videos sein. Was man von Influencern dazu auf jeden Fall mitnehmen kann: Video müssen nicht perfekt sein. An sich ist es auch eine gute Idee, einfach mal Schüler/-innen danach zu fragen, welchen Influencern sie folgen und aus welchem Grund. Und wenn man Themen bearbeitet, könnte man auch einmal typische Influencer-Formate in den Unterricht aufnehmen, also eines ihrer Videos oder Podcasts anschauen und kritisch „auseinandernehmen“.

    Wie sieht das Geschäftsmodell von Influencern aus?

    So unterschiedlich Influencer sind, so unterschiedlich sind die Arten, wie sie ihr Geld verdienen – wenn sie überhaupt Geld verdienen. Manche verstehen sich auch als Blogger mit journalistischem Anspruch und schließen daher bezahlte Kooperationen aus. Stattdessen gehen sie Tauschgeschäfte ein, bei denen sie im Gegenzug für Berichterstattung Informationen erhalten. Das kann zum Beispiel eine Einladung zu einer Produktvorstellung sein. Viele Influencer verdienen ihr Geld jedoch über Werbung. Darunter fallen Werbeformate wie YouTube-Videos, Banner-Werbung auf Webseiten oder Affiliate Links. Das sind Links zu beworbenen Produkten. Sobald jemand auf diesen Link klickt und das Produkt kauft, erhält der Influencer dafür eine kleine Provision. Dazu kommen bezahlte Kooperationen mit Unternehmen. Die Entlohnung hierfür kann entweder ein Honorar für das Hochladen eines Videos oder das Posten eines Beitrags sein. Sie kann aber auch erfolgsbasiert nach Anzahl der Views oder Klicks erfolgen.

     
    „Transparenz gehört zu den größten Herausforderungen beim Influencer Marketing"
     
    Was versprechen sich Unternehmen von der Zusammenarbeit mit einem Influencer im Gegensatz zum Einsatz klassischer Werbemedien?

    Für Unternehmen ist sie auf jeden Fall eine Möglichkeit, andere Zielgruppen zu erreichen: neue oder jüngere Zielgruppen. Außer der Reichweite versprechen sie sich Imageeffekte und einen Storytelling-Ansatz – also Marketing, das nicht wie Marketing aussieht. Man spricht auch von Pull-Marketing: Ein Unternehmen lässt sich von potenziellen Kundinnen und Kunden finden. Es möchte, dass die Leute über das Unternehmen stolpern. Das Gegenteil davon ist Push-Marketing, zum Beispiel in Form von großflächiger Plakatwerbung. Um sich im Bereich des Pull-Marketing zu positionieren, eignen sich Influencer gut, da sie kreativer und greifbarer wirken als das Unternehmen selbst.

    Haben Sie ein Beispiel für eine gelungene oder auch eine misslungene Kooperation zwischen Unternehmen und Influencern?

    Ungeschickt ist es, wenn Unternehmen versuchen, Blogger oder YouTuber zu unterbinden. Es gibt zum Beispiel einen Influencer namens „Held der Steine“, der einen Spielwarenladen hat und viele Videos über Lego macht. Die Firma Lego wollte ihn abmahnen, weil er die Marke in seinen Videos nennt. Das ging natürlich nach hinten los, denn die Community des Influencers kann in solchen Fällen auch unangenehm werden. Positive Beispiele gibt es hingegen ganz viele. Ich folge zum Beispiel Isabel Kraus auf Instagram. Sie ist im Bereich Fitness unterwegs und entwickelt eigene Produkte, zuletzt eine Babytrage. Sie arbeitet mit verschiedenen Unternehmen zusammen und diese Kooperationen wirken nie aufdringlich, da sie sich für die beworbenen Themen selbst interessiert oder die Produkte im Alltag benutzt.

    Gerade für die Hauptzielgruppe Kinder und Jugendliche ist es häufig schwer zu beurteilen, ob ein Influencer Werbung für ein Produkt macht oder es aus freien Stücken empfiehlt. Welche Rolle spielt Transparenz beim Influencer Marketing?

    Transparenz gehört zu den größten Herausforderungen beim Influencer Marketing. Leider gibt es wenig Rechtssicherheit dazu. Es ist schwierig für die Influencer, zu wissen, was wie gekennzeichnet werden muss – selbst, wenn sie alles richtig machen wollen. Vielleicht haben sie ein Produkt kostenlos zugeschickt bekommen, sind aber gleichzeitig wirklich Fan einer Marke und äußern ihre ehrliche Meinung zu einem Produkt: Müssen sie einen Beitrag dann als Werbung kennzeichnen oder nicht? Leider gibt es daher unter Influencern einen Trend dazu, zu viel zu kennzeichnen. Das macht es im Ergebnis noch undurchsichtiger. Das geht so weit, dass manche Influencer bereits den Hinweis „Anzeige, weil Markennennung“ nutzen, wenn sie nur irgendwo in einem Beitrag das Wort „Cola“ benutzen und das als Werbung interpretiert werden könnte.
     
    Wenn Sie drei Prognosen zur Zukunft von Influencern abgeben müssten, welche wären das?

    Die allererste ist: Influencer werden uns erhalten bleiben. Zweitens werden die medialen Grenzen stärker verschwimmen. Influencer, die aus Social Media bekannt sind, werden immer stärker in anderen Medien wie Fernsehen, Zeitungen oder dem Buchmarkt vorkommen. Ich hoffe außerdem, dass sich die Influencer-Branche weiter professionalisieren wird, das heißt, dass sich Standards zur Werbekennzeichnung und journalistischen Sorgfaltspflicht definieren lassen. Es wäre schön, wenn sich nach dem Vorbild des Pressekodex eine „Netiquette fürs Internet“ herausbilden würde, der sich Influencer selbst unterlegen und bei Verstößen dann auch abgemahnt werden könnten. Dem spielt in die Hände, dass auch Influencer erwachsen werden und durch veränderte Lebensumstände – zum Beispiel als Eltern – ein anderes Verantwortungsbewusstsein entwickeln.

     

    Das Interview wurde erstmalig am 31.03.2021 auf dem Online-Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (www.lmz-bw.de) veröffentlicht.

    Weiterlesen
  3. Politikwissenschaft \ 4 aktuelle Fragen an Dr. Philipp Adorf


    Wie verändert eigentlich die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und Lehralltag?

    Die Krise bringt Herausforderungen aber auch die Chance, für eine bessere und effektivere Lehre die Weichen zu stellen. Sie zwingt Lehrende neue Wege zur Vermittlung von Informationen und Lerninhalten zu finden und die Studierenden noch stärker über digitale Methoden einzubinden. Der potenzielle Wegfall von Präsenz-veranstaltungen muss somit nicht unbedingt von Nachteil sein. Livestreams oder die Möglichkeit zu frei ausgewählten Zeitpunkten Vorträge und Podcasts zu konsumieren, können zur Folge haben, dass ein größerer Anteil der Studierenden die Inhalte der Seminare aufnimmt.

    Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus auf die derzeitige politische Lage in den USA?

    Direkt betroffen sind die Vorwahlen der Demokraten, die in bestimmten Einzelstaaten verschoben wurden. Da Joe Biden jedoch dank der Ergebnisse des „Super Tuesday“ und der darauffolgenden Wochen einen großen Vorsprung bei den Delegierten erworben hat, besitzt dies nur geringen Einfluss auf den schlussendlichen Ausgang. Die Krise hat als dominantes Thema des Wahljahres 2020 sicherlich einen „Make or Break“-Effekt bezüglich der Wiederwahlchancen Donald Trumps. Hat sich die Wirtschaft bis zum 4. Quartal wieder erholt und sollte das US-Gesundheitssystem die Herausforderungen meistern, könnte Trump als effektiver Krisenmanager den Wahlkampf bestreiten. Eine langwierige Rezession wird hingegen Trumps „Trumpfkarte“ der niedrigen Arbeitslosigkeit sowie des wirtschaftlichen Erfolges und Wachstums unbrauchbar machen. Joe Bidens Argument, dass dank seiner Erfahrung das Land in unsicheren Zeiten unter seiner Führung in sicheren Händen wäre und seine Präsidentschaft eine Rückkehr zur Normalität darstellen würde, könnte sich andererseits gerade inmitten der schlimmsten Pandemie der letzten 100 Jahre als entscheidender Faktor bei der Wählergewinnung herausstellen.

    Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich durch die Pandemie die politische Landschaft in den USA dauerhaft verändern wird?

    Nach der letzten großen Wirtschaftskrise bildete sich auch als Reaktion auf die unter Präsident George W. Bush verabschiedeten staatlichen Hilfsmittel innerhalb der Republikanischen Partei die Tea Party. Sie schrieb sich unter anderem eine resolute und kompromisslose Verteidigung des „Small Government“ auf die Fahnen. Unter Präsident Trump scheinen nicht erst seit den jüngst verabschiedeten Notfallmaßnahmen die „Defizitfalken“ in der Republikanischen Partei zu einer bedrohten Spezies geworden zu sein. Hier besteht Potenzial für zukünftige innerparteiliche Konflikte, insbesondere wenn das momentan existierende übergeordnete Ziel des Erfolges in einem Wahljahr nicht mehr vorhanden ist.
    Sollte die Krise gerade auch dank der in Washington verabschiedeten Hilfspakete gemeistert werden, so könnten am anderen ideologischen Ufer die Demokraten ihrerseits die massive staatliche Intervention als Argument für einen beständigen „starken Staat“ aufgreifen – in der Hoffnung, dass die Wählerschaft staatlichen Programmen freundlicher gestimmt ist. Somit könnte der linke Flügel der Partei in sozialpolitischen Fragen weiter an Einfluss gewinnen.

    Gehen Sie in Ihrem Buch „Die Republikanische Partei in den USA“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

    Ein Faktor, der die amerikanische Politik dominiert, ist der Polarisierungsgrad zwischen den beiden Parteien, der vornehmlich der im Buch erörterten ideologischen Radikalisierung der Republikaner geschuldet ist. Die grundsätzlich unterschiedlichen Werte und Ziele lassen sich nicht nur im Kongress, sondern ebenso auf der Ebene der Wählerschaft vorfinden. Demokraten und Republikaner leben in verschiedenen Welten mit verschiedenen Realitäten. Dies hat in der Krise dazu geführt, dass Republikanische Wähler lange die Ansicht vertraten, drastische Schritte gegen das Virus seien nicht notwendig – ganz im Gegenteil waren sie oftmals der Auffassung, die Kritik auf die Maßnahmen der Trump-Regierung sei nicht viel mehr als ein weiterer Versuch des (medialen) Mainstreams, Präsident Trump zu schaden. Das seit Jahrzehnten durch Republikanische Politiker bei ihrer Wählerschaft genährte Misstrauen gegenüber Medien und Experten ist ein Faktor, der für die schleppende Reaktion der amerikanischen Bundesbehörden auf die Epidemie mitverantwortlich ist.

    Weiterlesen
  4. Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie: Merkel fordert mehr Tempo!

    Am 10. März 2021 hat das Bundeskabinett die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen. Kanzlerin Merkel fordert im Rahmen der Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2021 mehr Tempo bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele.

    Was bringt die Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2021?

    Auf diese Frage antwortet unser Autor Prof. Dr. Michael von Hauff als ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der TU Kaiserslautern. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Umwelt- und Entwicklungsökonomie.

    Auf dem Nachhaltigkeitsgipfel 2019 hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Guterres weltweit die „Decade of Action and Delivery for Sustainable Development“ ausgerufen. Das begründet er damit, dass die Gefahr besteht, – besser: sich abzeichnet – dass Ziele der Agenda 2030 verfehlt werden. Im März dieses Jahres erschien die deutsche „Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2021“, in der diese Befürchtung ebenfalls klar zum Ausdruck kommt. Während das Vorwort der bisherigen Ausgaben zur Nachhaltigkeits-strategie durch ein „Lob der guten Taten“ gekennzeichnet war, kommt die Bundesregierung zu einer beachtlichen und wünschenswerten Ehrlichkeit.  Im Vorwort stellt die Bundeskanzlerin Merkel fest:

    „Um die Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der Agenda 2030 zu erreichen, müssen wir den Weg einer wirklich anspruchsvollen Transformation gehen, der wichtige Bereiche wie Energie, Kreislaufwirtschaft, Wohnen, Verkehr, Ernährung und Landwirtschaft umfasst. In Deutschland wollen wir mit der Weiterentwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie und insbesondere mit Bildung, Forschung und Innovationen den Transformationsprozess voran-bringen.“

    Zunächst ist festzustellen, dass die Weiterentwicklung 2021 durchaus positive Impulse enthält. Ein neuer Akzent sind die politischen Maßnahmen in Reaktion auf die Corona-Krise die auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene an der Agenda 2030 und ihren globalen Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet werden muss. Weiterhin wurde das vielfach zitierte Prinzip aus der UN-Resolution von 2015 explizit hervorgehoben: „leave no one behind.“ Eine wichtige, aber nicht ganz neue Forderung, ist jene nach mehr Kohärenz in der Politik. Positiv zu werten ist auch die weitere Ausdifferenzierung der Strategie: Die Weiterentwicklung 2021 enthält nun 72 Indikatoren und Ziele in 39 Bereichen und wurde somit im Verhältnis von ursprünglich 63 Indikatoren deutlich erweitert. Es kamen seit der Aktualisierung 2018 folgende Indikatoren hinzu:

    Globale Pandemie-Prävention, Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst des Bundes, Väterbeteiligung beim Elterngeld, Breitbandausbau, Kulturerbe/Zugang zum Kulturerbe und weltweiter Bodenschutz

     Ein weiterer wichtiger Akzent ist die Nennung von Transformationsbereichen. In ihnen werden mehrere Ziele zusammengeführt, indem die Wechselwirkungen der Ziele betont werden. Das soll an dem zuerst genannten Transformationsbe-reich verdeutlicht werden: Transformationsbereich Menschliches Wohlbefinden und Fähigkeiten zur sozialen Gerechtigkeit verknüpft die SDGs 1, 3, 4, 5, 8, 9 und 10.

    Es gibt aber auch die Fortschreibung von Inkonsistenten. Um diese anzugehen bzw. auszuräumen benötigt die Bundesregierung mehr Mut. Das soll an einem aktuellen Problem verdeutlicht werden. In dem Sustainable Development Goal 8 wird ein „dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ gefordert. Der Indikator ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. In der Literatur wird seit der ersten deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2002 kritisiert, dass das BIP pro Kopf nicht den Anforderungen nachhaltiger Entwicklung entspricht, da weder die ökologischen noch die sozialen Effekte berücksichtigt werden. In dem Ziel 13 werden „umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels“ gefordert. Dabei ist hinreichend bekannt, dass mehr Wachstum, wie es wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme durch die Pandemie gefordert wird, den Klimawandel verschärft. Die Konsequenz daraus wäre, dass neben den Indikator Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) gestellt wird. Da das BIP pro Kopf schneller steigt als der NWI sollte analysiert werden, welche Gründe hierfür vorliegen. Hier könnte dann die nachhaltige Politikkohärenz umgesetzt werden.

    Weiterlesen
  5. Buch zur Lotte Eckener Ausstellung

    Lotte Eckener (1906 Friedrichshafen – 1995 Konstanz) stand immer im Schatten ihres berühmten Vaters Dr. Hugo Eckener, dem Wegbegleiter und Nachfolger des Luftschiffpioniers Ferdinand Graf Zeppelin. Dabei hat sie als Fotografin und Verlegerin eigene Spuren in der internationalen Kulturregion Bodensee hinterlassen.
    Lotte Eckener studierte in den 1920er Jahren an der Staatlichen Höheren Fachschule für Phototechnik in München das Handwerk der Lichtbildkunst und perfektionierte es im renommierten Atelier von Alexander Binder in Berlin. Nach ihrer Rückkehr an den Bodensee heiratete sie 1936 den Zahnarzt Paul Simon, dessen Namen sie auch trug. Sie entdeckte mit der Kamera die heimische Landschaft und Sakralkunst neu.

    Dokumentiert wird aber auch das bewegte Leben der Fotografin und Verlegerin Eckener, die mit Künstlern wie Max Ackermann, Erich Heckel, Hans Purrmann, Toni Schneider-Manzell freundschaftlich verbunden war. Otto Dix portraitierte ihren Vater, Hermann Hesse widmete ihr ein Gedicht, mit Carl Zuckmayer pflegte sie seit ihren Berliner Jahren Kontakt.
    In der Ausstellung werden neben längst vergriffenen Büchern der Verlage, eine Auswahl ihrer Korrespondenzen, dazu eine Vielzahl privater Bilder und öffentlich noch nicht ausgestellter Fotoarbeiten präsentiert. Eine Filmdokumentation erinnert an die frühe Luftschifffahrt - ein Thema, das auch Lotte Eckener in ihrer Fotografie aufgriff.

    Die Ausstellung „Lotte Eckener – Tochter, Fotografin und Verlegerin“ ist eine Kooperation zwischen dem Hesse Museum Gaienhofen und der Literarischen Gesellschaft Forum Allmende. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch im UVK-Verlag Konstanz, herausgegeben von Dorothea Cremer-Schacht und Siegmund Kopitzki.

    http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

     

    Weiterlesen
  6. Unsere Luft – Besser als ihr Ruf?

    Interview mit Autor Prof. Dr.-Ing. Norbert Metz über die Luftqualität in Deutschland 


    In Ihrem Titel fragen Sie: „Unsere Luft - deutlich besser als ihr Ruf?“

    Seit Jahren haben die Konzentrationen für Kohlenmonoxid, die Summe der Kohlenwasserstoffe, Benzol, die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, auch Benzo(a)pyren, Schwefeldioxid und Blei abgenommen und liegen weit unter den lufthygienischen Europäischen Grenzwerten. Seit wenigen Jahren werden auch die Grenzwerte für Feinstaub PM10 und PM2,5 unterschritten. Bei der kritischen Komponente NO2 zeigt sich seit Jahren nicht nur coronabedingt ein rückläufiger Trend. An verkehrsnahen Messstellen treten noch Überschreitungen auf, die in wenigen Jahren beendet sein werden. Die Spitzenwerte bei Ozon haben auch seit Jahren abgenommen. Die Luftqualität ist also definitiv besser geworden.

     

    Tatsächlich ist die Luftqualität in vielen Parametern gestiegen. Woran liegt das Ihrer Erfahrung nach?

    Die Ingenieure der Fahrzeughersteller sowohl bei den Pkw als auch bei den Nutzfahrzeugen konnten weitere technische Verbesserungen entwickeln und umsetzen. Das neue Testverfahren bei der Typprüfung hat jetzt die Abgasemissionen bei Pkws und Lieferfahrzeugen auch im realen Fahrbetrieb, bei tieferen Temperaturen und der Einbeziehung der Nebenaggregate, z.B. Klimaanlage abgesenkt. Die Penetration neuer Fahrzeuge mit minimalen Abgasemissionen und das Ausscheiden älterer Fahrzeuge verbessert laufend den Flottendurchschnitt im Hinblick auf Abgasemissionen und Kraftstoffverbrauch. Auch die weiteren behördlichen Maßnahmen wie Umweltzonen, Luftreinhaltepläne, situationsgemäße Geschwindigkeitsbeschränkungen haben dazu beigetragen. Ein coronabedingtes leicht geringeres Verkehrsaufkommen in den Städten hat eine Verstetigung des Verkehrsflusses bewirkt und damit die Abgasemissionen weiter verringert. Eventuell hat auch das Umweltbewusstsein bei einzelnen Bürgern dazu beigetragen.

     

    An welchen Punkten müsste die Gesetzgebung Ihrer Meinung nach ansetzen, um die Luft weiter zu verbessern?

    Die bereits beschlossenen Maßnahmen machen sich bereits bemerkbar. Weitere Verbesserungen wären Anreize zum Nachrüsten älterer Fahrzeuge, Weitere Maßnahmen zur Vermeidung von Stop-and-Go-Phasen, Intelligentere vernetzte Ampelschaltungen, Vergleichmäßigung des Verkehrsflusses, finanzielle Anreize zum Nutzen von verkehrsärmeren Zeiten in der rush-hour, mehr Vorteile bieten für Autofahrer mit abgasarmen Fahrzeugen, attraktivere Anreize zum Nutzen des ÖPNV, Maßnahmen zur Verringerung der Pendler (kürzere Wege zwischen Arbeit und Wohnen) durch bezahlbares Wohnen am Stadtrand, Maßnahmen zur Verringerung von Fahrten zur Arbeit (Home-office-Boni).

     

    Wird die Forcierung der E-Mobilität durch den Gesetzgeber in den nächsten zehn Jahren für bessere Luft sorgen?

    Der Gesetzgeber sollte nicht eine Technologie vorschreiben, sondern entsprechende Grenzwerte erlassen. Das würde den Ingenieuren ermöglichen alternative Lösungen zu entwickeln, z B. Wasserstofffahrzeuge oder Lösungen mit alternativen Kraftstoffen. Das hat sich vor 30 Jahren bei der Einführung des Katalysators auch bewährt. Jede abgasarme Form der Mobilität – auch die E-Mobilität – verbessert die Luftqualität auch an verkehrsnahen Messstellen. Situativ müssen auch weitere Emissionsquellen, wie Baufahrzeuge, der Hausbrand, Kraftwerke und Industriebetriebe im Auge behalten werden.

     

    Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Fakten und die Meinungen zur Luftqualität so eklatant auseinanderklaffen?

    Ein Grund könnte sein, dass die Berichterstattung in den Medien die komplexen Zusammenhänge zwischen der lokal entstehenden Emission, dem Beitrag von durch Ferntransport beteiligten Emissionen, den Einflüssen meteorologischer Parameter, chemischen Umwandlungen nicht verständlich genug dem interessierten Bürger darlegt. Die Medien könnten auch auf die Erfolge bei den oben erwähnten Abgaskomponenten hinweisen bevor sie den Fokus auf die noch notwendigen Verbesserungen bei den kritischen Problemen legen. In Einzelfällen ist ein Fortschritt bei der objektiven Berichterstattung zu erkennen. Die Messung der Luftqualität an verkehrsnahen Messstellen erzeugt den Eindruck, dass die Luft generell überall schlecht ist und dass der Straßenverkehr daran schuld ist.

    Weiterlesen
  7. Autorin Dr. Julia Borst erhält Nachwuchspreis

    Wichtigster deutscher Nachwuchspreis

    Die Romanistin Dr. Julia Borst der Universität Bremen erhält den Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2021. Es ist die wichtigste Auszeichnung für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. Der Preis von der DFG und dem BMBF ist mit 20.000 Euro dotiert.

    Vorgeschlagen wurden 150 hervorragende Forscherinnen und Forscher aus allen Fachgebieten deutscher Hochschulen. Julia Borst gehört zu den zehn Personen, die am 4. Mai 2021 bei einer virtuellen Veranstaltung ausgezeichnet werden. „Ich gratuliere Frau Borst ganz herzlich zu dieser Auszeichnung“, sagt der Rektor der Universität Bremen, Professor Bernd Scholz-Reiter. „Sie hat sich einen exzellenten Namen als international sichtbare Expertin für Diaspora-Forschung gemacht. Die hohe Relevanz und Qualität ihrer Forschung zu postkolonialen Literaturen und Kulturen, ihre innovativen Forschungsansätze und ihr wissenschaftliches Ethos zeichnen sie besonders aus.“  

    "Eine Ehre für den Wissenschaftsstandort Bremen"

    Die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling: „Ich gratuliere Frau Dr. Borst zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis und zu ihren herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Es ist eine Ehre für den Wissenschaftsstandort Bremen eine so ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftlerin an unserer Universität zu wissen. Die Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises an Dr. Julia Borst ist Ausdruck der hohen Qualität der Forschung in den Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Bremen.“

    Engagement für bislang wenig sichtbare Forschungsgebiete

    Julia Borst ist seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Professorin Gisela Febel im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen. „Das Engagement von Julia Borst für französisch- und spanischsprachige Literaturen und Kulturen aus der Karibik, Afrika und Europa geht über eine wissenschaftliche Beschäftigung weit hinaus“, sagt Gisela Febel. Es sei ihr ein tiefes Anliegen, die kulturellen und humanitären Implikationen der Literaturen, die sie untersucht, sichtbar zu machen und den Autorinnen und Autoren sowie ihren Themen Respekt und Würde zu verschaffen. Ihre bisherige wissenschaftliche Tätigkeit zeichne sich durch exzellente und weiterführende Ergebnisse, mutige und innovative Analysen und eine hohe wissenschaftliche Ethik aus.

    Unter anderem beschäftigt sich die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin aus postkolonialer Perspektive mit französisch- und spanischsprachigen Literaturen jenseits eines westlichen Kanons. Aktuell leitet sie zum Beispiel ein DFG-Forschungsprojekt, in dem spanischsprachige Literaturen von Autorinnen und Autoren afrikanischer Herkunft und die Frage afrodiasporischer Gemeinschaften in Europa im Mittelpunkt stehen. In anderen Projekten hat sie sich mit der Darstellung von Gewalt und Trauma im haitianischen Gegenwartsroman und mit der literarischen Aufarbeitung des Holocausts in neueren Romanen des Globalen Südens auseinandergesetzt.

    Julia Borst ist an der Universität auch zweite Sprecherin des Instituts für postkoloniale und transkulturelle Studien (INPUTS) und Gründungsmitglied der Bremer Forschungsgruppe „Digitale Diaspora: vorgestellte Gemeinschaften im digitalen Raum“ der interdisziplinären Verbundforschungsinitiative Worlds of Contradiction.

    Bereits mehrere Auszeichnungen erhalten

    Die Romanistin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt Julia Borst 2019 den Sibylle Kalkhof-Rose Akademie-Preis für Geisteswissenschaften (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz). Auch in der Lehre ist die 39-Jährige engagiert: So gewann sie 2016 mit der ehemaligen Bremer Romanistin und Privatdozentin Dr. Natascha Ueckmann den Berninghausenpreis der Universität Bremen für einen gemeinsamen Studientag und eine Lehrveranstaltung zu Haiti. Julia Borst studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau die Fächer Romanische Philologie und Wirtschaftspolitik und promovierte an der Universität Hamburg im Fach Romanische Philologie / Literaturwissenschaft.

    Informationen zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis

    Als Anerkennung und zugleich als Ansporn, ihre wissenschaftliche Laufbahn geradlinig fortzusetzen, wird der Heinz Maier-Leibnitz-Preis seit 1977 jährlich an hervorragende junge Forscherinnen und Forscher verliehen. Benannt nach dem Atomphysiker und früheren DFG-Präsidenten – in dessen Amtszeit er erstmals vergeben wurde – gilt der Preis nicht nur als der wichtigste seiner Art für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. In einer Umfrage der Zeitschrift „bild der wissenschaft“ wählten die großen Forschungsorganisationen den Heinz Maier-Leibnitz-Preis zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis in Deutschland überhaupt – nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten.

    (Quelle: Pressemitteilung Universität Bremen) 

     

    Weiterlesen
  8. Die Kunst der Führung

    "Das Buch ist sehr gut lesbar, mit 160 Seiten nicht überfrachtet und vor allem: mit klarem Bezug zur Praxis. Checklisten und relevante Fragestellungen treffen den Nagel auf den Kopf. So lesen wir z. B. auf S. 92: Wie verstehen Sie Ihre Position in Bezug auf die Bindung von Mitarbeitern? Und weiter: Wie wichtig ist Ihnen die Loyalität der Mitarbeiter?

    Fassen wir zusammen: Man kann auch ohne Beachtung von Loyalität führen, gewiss. Die hohe Kunst der Führung setzt jedoch auf Loyalität. Je eher das in dem Bewusstsein des Unternehmens und in seiner Kultur verankert wird, desto besser."

    Prof. Dr.-Ing. Nicolas P. Sokianos für LOGICON

    Weiterlesen
  9. Ein Muss für alle Krimifans

    "Der Band "Der Krimi in Literatur, Film und Serie" ist ein Muss für alle Krimifans, lädt er doch dazu ein, das Krimigenre auf ungefährliche Art unter die Lupe zu nehmen."

    Dr. Marcel Remme für lehrerbibliothek.de

    Weiterlesen
  10. Genderlinguistik als ideologisch umkämpftes Feld

    "Die umfassende Darstellung der verschiedensten Facetten der Genderlinguistik ist sehr viel mehr als ein Studienbuch: es ist nach meiner Überzeugung ein ausgezeichnetes und lesenswertes Grundlagenwerk (...) Das Werk verdient eine breite Resonanz."

    Liesel Hermes für Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung 63 (2020)

    Weiterlesen
Seite