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  1. Wenn Bilder zu Wörtern werden – Interview mit Dr. Laura Drepper


    Im neuen Band „Ebenen des Narrativen in Bildimpulsen und Erzähltexten“ werden Wirkungspotentiale von Bildern empirisch untersucht. Es zeigt sich, dass die Bildgestaltung Einfluss auf den narrativen Sprachgebrauch nimmt und bei visuellen Erzählimpulsen berücksichtigt werden sollte. Dr. Laura Drepper von der Universität Paderborn über ihre Ergebnisse:

    Welche Arten von Bildergeschichten haben Sie untersucht?

    In meiner Arbeit habe ich mich mit gezeichneten Bildern beschäftigt, die eine Geschichte erzählen. Im Vordergrund stehen zwei Bildergeschichten: Eine selbstgezeichnete Bildergeschichte, die sich an typischen Bildergeschichten aus Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien anlehnt, und eine Bildergeschichte aus Ausschnitten des textlosen Bilderbuchs „Die Torte ist weg!“ des niederländischen Illustrators Thé Tjong-Khing. Am Ende der Arbeit werden Bilderbücher vorgestellt, die für unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten von Bildern stehen, z.B. das Bilderbuch „Die Fundsache“ von Shaun Tan. Dieses Bilderbuch zeichnet sich dadurch aus, dass sehr wenige Merkmale enthalten sind, die auf realistische Konzeptionen und Strukturen unserer Lebenswelt zurückzuführen sind.

    Was sind Ihre zentralen Erkenntnisse? Wie müssen Bilder gestaltet sein, damit sie höheren Erzählanreiz haben?

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    Der Vergleich der Erzählungen zu einer selbstgezeichneten Bildergeschichte – angelehnt an Bildergeschichten aus Schulmaterialien – und der Bildergeschichte aus dem textlosen Bilderbuch „Die Torte ist weg!“ zeigt, dass ein Kind eine bessere Erzählung ausgehend von Bildern aus „Die Torte ist weg!“ verfasst: Die Erzählungen weisen mehr grammatische Narrationsmarker (z.B. Präteritum) auf, eine umfassende Darstellung der fiktiven Erzählwelt (z.B. durch die Einführung von Figuren, Raum und Zeit), eine stärkere narrative Struktur durch den Aufbau von Orientierung, Komplikation und Auflösung sowie einen häufigeren Gebrauch von poetisch-evozierenden Sprachgebrauchsmustern (z.B. die Verwendung von literarischen Sprachformen wie Eines schönen Sommermorgens ergab es sich, dass…). Die beiden Bildergeschichten unterscheiden sich in ihrer Gestaltung: Die selbstgezeichnete Bildergeschichte hat einen stärkeren Bezug zur alltäglichen Lebenswelt (z.B. Geburtstag feiern), die Bildergeschichte zu „Die Torte ist weg!“ ist stärker phantastisch gestaltet und ästhetisch ansprechender. In sprachlich-narrativen Lernprozessen sollten daher phantastisch gestaltete und ästhetisch anspruchsvolle Bilder eingesetzt werden, da sie für Kinder einen höheren Erzählanreiz haben. Um Bilder auf ihr Potential als Erzählanlass zu analysieren, kann das abgeleitete Gestaltungskontinuum genutzt werden: Bilder mit einer starken Ausprägung der visuellen Narration und einer magischen Gestaltung der Handlungen, Figuren und Räume bieten für Kinder einen hohen Erzählanreiz.

    Sie sprechen von einem „Gestaltungskontinuum“, das Sie festgestellt haben. Worin besteht das?

    Das Gestaltungskontinuum für narratoästhetische Bilder erfasst vier Kategorien der Bildgestaltung: Die Ausprägung der visuellen Narration, die Handlungsdarstellung, die Figurendarstellung und die Raumdarstellung. Die visuelle Narration differenziert zwischen einer starken und schwachen Ausprägung für die Gestaltung der visuellen Erzählinstanz, der Verwendung von bildkompositorischen Narrationsmarkern und der Verwendung von bildinhaltlichen Narrationsmarkern. Mit der visuellen Erzählinstanz werden Merkmale wie die Einstellung oder Perspektive auf das Bild erfasst. Bildkompositorische Narrationsmarker beinhalten z.B. die Darstellung von Bewegungsabläufen durch eine schräge oder gerade Haltung der Figuren. Und mit bildinhaltlichen Narrationsmarkern werden beispielsweise visuelle Leitmotive, die als roter Faden immer wieder in der Geschichte auftauchen, bestimmt.

    Das Kontinuum zur Darstellung der Handlung, der Figuren und des Raums erstreckt sich von einer lebensweltlichen zu einer phantastischen Gestaltung und wird durch drei bzw. vier Abstufungen ausdifferenziert. Alle drei Darstellungsformen (Handlung, Figuren, Raum) können entweder literarisiert, fingiert oder magisch sein: Literarisierte Darstellungen repräsentieren etwas real Geschehenes, wie z.B. die Erfindung der Glühbirne durch Edison oder die bildliche Darstellung einer Figur als Einstein. Fingierte Darstellungen erfüllen die Konzeptionen der Realität, verweisen aber nicht auf etwas explizit Stattgefundenes. Als fingierte Handlung könnte z.B. der Diebstahl einer Torte auf einer Geburtstagsfeier visualisiert werden. Eine magische Darstellung greift auf phantastische Konzeptionen zurück, z.B. das Fliegen auf einem Teppich oder ein Dorf aus fliegenden Schiffen. Zusätzlich zu den drei Darstellungsformen können personifizierte Figuren, wenn Tiere oder Gegenstände vermenschlicht werden, sowie minimalistische Räume angeführt werden. Von einem minimalistischen Raum kann gesprochen werden, wenn nur durch wenige Elemente, wie einzelne Gräser oder einen einzelnen Baum, das räumliche Umfeld angedeutet, aber nicht vollständig skizziert wird. Für die verschiedenen Abstufungen werden anhand aktueller Bilderbücher prototypische Beispiele gegeben, die als Orientierung für die Analyse von Bildern dienen sollen.

    Wenn Sie eine Checkliste für Lehrende für die Praxis aus den Erkenntnissen der Studie zusammenstellen würden: Welche Punkte würden Sie darin aufnehmen?

    •         Die Gestaltung der Bilder nimmt Einfluss auf die Erzählfähigkeiten der Kinder.

    •         Bilder sollten bewusst ausgewählt werden, wenn sie als visuelle Erzählanlässe fungieren.

    •         Nicht alle Bilder stellen einen geeigneten visuellen Erzählanlass dar.

    •         Bilder in sprachlich-narrativen Lernprozessen sollten phantastisch gestaltet und ästhetisch anspruchsvoll sein.

    •         Bilder aus (textlosen) Bilderbüchern können sich sehr gut als Erzählanlass in sprachlich-narrativen Lernprozessen eignen. 

    •         Das Angebot von Bildergeschichten über szenische Bilder zu einzelnen Bildimpulsen bietet die Möglichkeit zur Differenzierung.

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  2. Adventsverlosung bei "Vernarrt in Wissen" – Seid dabei!

    Am 27. November 2022 startet unsere Adventsverlosung!

    UND SO KÖNNT IHR MITMACHEN:

    An jedem Adventssonntag gibt es ein tolles Buch aus unserem Programm zu gewinnen! Was Du dafür tun musst?

    1. Folge uns auf Instagram unter @vernarrt_in_wissen.
    2. Like den jeweiligen Post.
    3. Finde heraus, um welches Buch es geht und schreibe es in die Kommentare.

    Dazu beschreiben wir im jeweiligen Post an jedem Adventssonntag das gesuchte Buch mit einem kurzen Text. Zusätzlich ist das gesuchte Buch auf unserer Homepage mit einem kleinen Stern gekennzeichnet. Mit diesen beiden Hinweisen solltet Du das Buch finden! Unter allen Teilnehmer:innen ziehen wir am darauffolgenden Montag den glücklichen Gewinner oder die glückliche Gewinnerin. Am kommenden Sonntag, den 27. November geht es los!

    Einfach reinschauen und mitmachen. Viel Glück!

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  3. Angewandte Ethik: 3 Fragen an Prof. Dagmar Fenner


    Was genau haben wir unter „Angewandter Ethik“ zu verstehen?

    Angewandte Ethik ist eine noch junge, sich seit den 1960er Jahren entwickelnde wissenschaftliche Disziplin, die allgemeine ethische Prinzipien oder Beurteilungskriterien auf spezifische menschliche Handlungsbereiche anzuwenden versucht. Sie umfasst entsprechend viele sogenannte Bereichsethiken wie z.B. die Medizin-, Natur-, Medien- oder Wirtschaftsethik, die sich mit den moralischen Konflikten in den jeweiligen Praxisfeldern beschäftigen. Viele dieser Probleme etwa im Gesundheitsbereich oder im Umgang mit der Natur verschärften sich durch die enormen wissenschaftlich-technischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert. Ziel der Angewandten Ethik ist es, mit der kritischen Prüfung von Positionen und Argumenten zur Entscheidungsfindung in aktuellen gesellschaftlichen Fragen beizutragen. 

    Was sind für Sie aktuelle ethische Fragen?

    Ganz dringliche Fragen stellen sich zurzeit zweifellos im Bereich der Natur- oder Umweltethik: Die Schulstreiks der internationalen Bewegung „Fridays for Future“ haben weltweit das Bewusstsein für die verheerenden Folgen des Klimawandels wie extreme Wetterlagen, Anstieg des Wasserspiegels und Landverlusten geschärft. Großen Aufschwung hat auch die Tierethik erlebt, in der es neben klassischen Problemen der Tierversuche und Massentierhaltung gerade vermehrt um die Frage geht, ob heute überhaupt noch Fleisch gegessen werden darf. Für den Verzicht oder doch die Reduktion des Fleischkonsums sprechen starke Argumente wie etwa ökologische Argumente, die auf negative Folgen der Tierhaltung wie hohe Treibhausgasemissionen, Wasserverunreinigungen oder Abholzungen von Wäldern für den Anbau von Tierfutter hinweisen. Neben vielen anderen fällt auch das Argument der Welternährung ins Gewicht, weil die Nahrungsgewinnung durch Mästen und Töten von Tieren höchst ineffizient ist im Vergleich zur vegetarischen bzw. veganen Ernährung.

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    In welchen weiteren gesellschaftlichen Konfliktfeldern kann die Angewandte Ethik helfen?

    Zum Beispiel bei der Versachlichung und Strukturierung der immer wieder aufflammenden emotionalen Debatten über Sterbehilfe in der Medizinethik. Oder auch bezüglich der zunehmenden Probleme mit der Informationsflut, mit Echokammer-Effekten, Fake-News, Hass und Hetze im Internet, die in der Medienethik behandelt werden. An Aufmerksamkeit gewinnt zudem die Roboterethik innerhalb der Technikethik, in der autonome Fahrzeuge oder auch Pflegeroboter auf dem Prüfstand stehen. Letztere versprechen dem akuten Pflegenotstand Abhilfe zu leisten, ohne aber menschliche Pflegekräfte ersetzen zu können. Angewandte Ethik nimmt jedoch niemandem die persönliche Entscheidungsfindung und Verantwortung ab. Vielmehr will sie mit einer systematischen und sorgfältigen Analyse der Standpunkte die ethische Urteilskraft der Menschen schärfen, damit sie eine eigene, gut begründete Stellungnahme entwickeln können.

    Autoreninformation:
    Prof. Dr. Dagmar Fenner ist Titularprofessorin für Philosophie am Departement Künste, Medien, Philosophie der Universität Basel und Lehrbeauftragte für Ethik an verschiedenen deutschen Universitäten und Hochschulen (Tübingen, Karlsruhe, Kassel u.a.). Sie ist Autorin zahlreicher philosophischer Bücher, die sich auch an ein größeres Publikum richten. Als UTB erschienen sind von ihr bereits „Selbstoptimierung und Enhancement. Ein ethischer Grundriss“ (2019) und „Ethik. Wie soll ich handeln?“ (Zweitauflage 2020).

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  4. Gütesiegel für unsere Volontariate

    Stolz präsentieren wir unser erneutes Gütesiegel der Jungen Verlags- und Medienmenschen e.V. für unsere Volontariate!

    Die Urkunden wurden im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2022 von Kathrin Windholz und Tobias Mohr (AG Nachwuchsrechte) an die ausgezeichneten Verlage übergeben.

    Tobias Mohr im Interview auf boersenblatt.net: „Wir gratulieren den diesjährigen Gütesiegel-Trägern. Natürlich freuen wir uns sehr darüber, dass wir die jeweiligen Gütesiegel für Carlsen und Narr Francke Attempto verlängern können und die beiden Häuser dazu beitragen, wichtige und oftmals fehlende Ausbildungsstandards dauerhaft zu festigen und zu etablieren."

    Das Gütesiegel ist ein tolles Qualitätsmerkmal für die Ausbildung von Volontär:innen in der Buchbranche und wir sind sehr stolz und glücklich, dass unser Gütesiegel bis 2025 verlängert wurde! 

    Der Junge Verlags- und Medienmenschen e. V. ist mit über 800 Mitgliedern in 12 Städtegruppen der größte Nachwuchsverein der Buch- und Medienbranche.

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  5. "Nachhaltigkeit sollte zum Selbstverständnis gehören!"


    Wie man Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung integriert, das ist Thema Ihres Buches – mittlerweile in der vierten Auflage. Wie erklären Sie die rapide Entwicklung des Themas?

    Auch schon vor Jahren waren viele Manager überzeugt, dass man in der Nachhaltigkeit was machen müsse und dies auch dringend notwendig sei. Aber wie so häufig, reicht die reine Erkenntnis nicht aus, um auch tatsächliche Handlungen abzuleiten. Wir kennen aus unserem privaten Umfeld, dass regelmäßiges Sporttreiben oder eine bewusste Ernährung gesünder sind, aber es viele dennoch nicht machen. Und dass sich eine ganze Organisation ändert, ist nochmals schwieriger. Meist braucht es einen externen Anstoß, dass Menschen oder Organisationen sich tatsächlich anpassen – dann kann dies auch sehr schnell gehen.

    Bei der Nachhaltigkeit gaben insbesondere die jüngsten regulatorischen Vorschriften wie der EU-Taxonomie, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder das Lieferkettengesetz einen Ausschlag für die rasante Entwicklung. Diese Berichtsanforderungen gehen so weit, dass Unternehmen nun tatsächlich aktiv werden müssen und die Nachhaltigkeit zunehmend professionell steuern. Aber auch Investoren, Beteiligungsgesellschaften und Banken üben vermehrt Druck aus, nachhaltig zu handeln. Diese haben erkannt, dass Nachhaltigkeitsrisiken den Erfolg ihrer Investitionen bedrohen.

    Welche großen Herausforderungen in Bezug auf nachhaltiges Unternehmertum kommen Ihrer Meinung nach in der nächsten Zeit auf Unternehmen zu?

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    Die Anforderung, über die Nachhaltigkeit zu berichten, stellt nur die erste und nicht die größte Herausforderung dar. Wenn man Kennzahlen extern berichtet, gewinnen diese auch intern im Management an Bedeutung. Die Herausforderung ist, das Unternehmen tatsächlich nachhaltig zu steuern und das bisherige Steuerungssystem um ökologische und soziale Ziele zu erweitern. Dies aufzuzeigen ist Ziel des Buches. Durch die komplexen Beziehungen zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen ist es nicht damit getan, nur ein paar weitere Ziele aufzunehmen. Es geht auch um eine Anpassung des Geschäftsmodells, um eine kulturelle Weiterentwicklung, um den Umgang mit Stakeholdern bis hin zu einer optimalen IT-Unterstützung.

    Die EU-Richtlinie CSRD soll erstmals für das Geschäftsjahr 2024 Anwendung finden und allein in Deutschland rund 15.000 Unternehmen betreffen. Inwieweit findet dieses Thema in Ihrer Neuauflage Berücksichtigung?

    CSRD ist von zentraler Bedeutung für eine sehr große Anzahl von Unternehmen und war deshalb auch einer der Gründe für die umfassende Neubearbeitung. Unternehmen müssen nun über Dinge berichten, die sie bisher oft noch gar nicht kennen und erfasst haben. Auch die Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung sind weitreichend. Erstmals greift nun die sogenannte doppelte Materialität. Unternehmen müssen nicht nur erfassen, wie Nachhaltigkeitsaspekte auf das Unternehmen wirken, sondern sie müssen auch die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Nachhaltigkeitsaspekte erfassen. Dabei geht die Wirkung über die 15.000 Unternehmen sogar noch hinaus, da dies auch auf kleine Lieferanten und Geschäftspartner ausstrahlt.

    Sie haben in der 4. Auflage Ihr Werk stark umstrukturiert und ergänzt. Welche Aspekte sind Ihnen dabei besonders wichtig?

    Nachhaltigkeit ist mittlerweile so etabliert, dass auf eine umfassende Begründung und auch auf einige grundlegende Ausführungen mittlerweile verzichtet werden kann. Der Fokus wurde sehr viel stärker darauf gerichtet, wie Nachhaltigkeit in den Unternehmen umgesetzt werden kann. Der Druck durch die Regulatorik und durch die Investoren hat an Bedeutung gewonnen, ebenso die Steuerung der Treibhausgasemissionen und die Klimaproblematik. Manche Methoden haben an Bedeutung verloren, andere, wie etwa die Value Balancing Alliance, gewinnen an Bedeutung. Dies wurde entsprechend berücksichtigt. Schließlich gibt es mehrere weitere Themenfelder, die für ein Nachhaltigkeitscontrolling an Bedeutung gewinnen. Dies sind etwa die aus der Nachhaltigkeit resultierenden Risiken, die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle, die Digitalisierung, Green Finance oder auch die kulturelle Dimension.

    Was liegt Ihnen bei der Ausbildung der Controller:innen und Manager:innen der Zukunft besonders am Herzen?

    Controller:innen und Manager:innen sollten Nachhaltigkeit nicht als etwas Zusätzliches kennen lernen, das neben der traditionellen Betriebswirtschaft erlernt und umgesetzt werden muss. Die Steuerung von Unternehmen kann nur aus einem Guss erfolgen. Ziele und Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt sein. Irgendwann sollte auch in Controlling- und Management-Lehrbüchern eine nachhaltige Perspektive selbstverständlich sein und nicht nur in einem angehängten Kapitel erwähnt werden. Diese integrierte Sichtweise ist mir ein wichtiges Anliegen. Darüber hinaus sollte Nachhaltigkeit zum Selbstverständnis gehören. Rechtfertigen sollte sich nicht der, der nachhaltige Ziele setzt und Maßnahmen ergreift, sondern der, der es nicht tut. Anständiges und verantwortungsvolles Handeln würde zum Normalfall.

    Autoreninformation:
    Prof. Dr. Ulrich Sailer ist Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Er leitet den Masterstudiengang Controlling und beschäftigt sich insbesondere mit dem Nachhaltigkeitscontrolling und mit der Digitalisierung im Controlling.

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  6. Wie wir in Zukunft arbeiten

    "Gelungene Zusammenschau, anregend fürs direkte Umsetzen, ob „für sich“ oder mit anderen."

    Quelle: HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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  7. Kulturelle Kompetenz für globales Design

    "Tolle Zusammenschau, auch und gerade für Praktiker! Und durchaus auch für Laien, die sich ein wenig orientieren wollen, etwa auch Weiterbildner jeglicher Couleur – natürlich auch und gerade für jene, die zu Interkulturellem unterwegs sind…"

    Quelle: HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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  8. Frauen im Tourismus


    Am 27. September ist Welttourismustag. Die Mehrheit der Beschäftigten im Tourismus sind weiblich, gut ausgebildet und engagiert. Für viele Frauen stellt der Tourismus eine große Chance dar. Aber: Es gibt auch Schattenseiten. Ein Interview mit der Professorin für Tourismussoziologie Kerstin Heuwinkel:

    Was hat Sie als Frau dazu bewogen, ein Buch über Frauen im Tourismus zu schreiben?

    Die Tatsache, dass in einer Branche mit einem vergleichsweise hohen Anteil weiblicher Arbeitskräfte Frauen oft unsichtbar sind und die genderbasierte Segregation stellenweise noch ausgeprägter als in anderen Bereichen ist, hat meine Neugier geweckt. Der Aspekt eine Frau zu sein, spielt insofern eine Rolle, als dass ich unbeschwerter als ein Mann an dieses Thema gehen konnte. Und natürlich habe ich eigene Erfahrung basierend auf meiner Genderidentität gemacht.

    Im Tourismus arbeiten mehrheitlich Frauen. Das klingt in Puncto Frauenförderung doch erst einmal sehr gut, oder?

    Auf diesem Argument ruht sich die Tourismusindustrie gerne aus. Der hohe Anteil geht aber einher mit wenig qualifizierten Jobs, mangelnder Qualifizierung, informellen Beschäftigungen bis hin zu schlechten Arbeitsbedingungen und sexueller Ausbeutung. Frauenförderung setzt Entwicklung voraus – sowohl bezüglich der Inhalte und Positionen als auch bei der finanziellen Förderung, wenn es um Selbstständigkeit geht.

    Sie schreiben in Ihrem Buch „Tourismus gründet somit auf Ungleichheiten“. Was meinen Sie damit?

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    Die oft niedrigen Preise für touristische Dienstleistungen bzw. die unfaire Verteilung der Einnahmen basieren auf gering bezahlten Jobs und schlechten Arbeitsbedingungen – sowohl für Männer als auch für Frauen – , wobei Frauen oft schlechter gestellt sind als Männer. Die Bedingungen werden akzeptiert, weil Tourismus oft die einzige Chance bietet, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden und wegen der fehlenden Möglichkeit die eigenen Interessen zu vertreten. Hinzu kommt, dass bei der Nutzung natürlicher Ressourcen wie bspw. Wasser oft die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung nicht betrachtet werden. Auch hier sind Frauen wieder besonders belastet, da sie aufgrund ihrer Verantwortung für die Familie stärker von Umweltbedingungen und -veränderungen beeinflusst werden.

    Wie kann der Tourismus besser zur Stärkung und Gleichstellung von Frauen beitragen?

    Zunächst ist eine höhere Wertschätzung (sowohl ideell als auch monetär) des Tourismus und der dort geleisteten Arbeit erforderlich. Darauf aufbauend müssten Frauen stärker in Entscheidungen einbezogen sein und in die Lage versetzt werden, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Eine grundlegende Bedingung ist die Schaffung eines sozialen Umfeldes, welches Frauen, die es wollen, dabei unterstützt sich aus anderen Verpflichtungen zu lösen. Das schließt auch flexiblere Arbeitsmodelle für Männer ein. Noch drängender ist jedoch der Schutz von Frauen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen unabhängig vom Geschlecht, vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.

    Hat Sie persönlich die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, schon einmal bei einer Reiseentscheidung beeinflusst?

    Ich habe alle Reisen unternommen, die ich unternehmen wollte und trete auch als allein reisende Frau selbstbewusst auf. Allerdings gibt es Situationen, die ich meide bzw. bei denen ich zweimal hinschaue. Eine aktuelle Herausforderung ist der Umgang mit Ländern, in denen Frauen offen unterdrückt werden.

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  9. "Demokratie braucht eine lebendige kritische Öffentlichkeit"


    Die Vereinten Nationen erklärten 2007 den 15. September zum Internationalen Tag der Demokratie. Sein Ziel ist die Förderung und Verteidigung von Grundsätzen der Demokratie. Aber wie steht es aktuell um unsere Demokratie? Welche Gefahren gibt es? 3 Fragen an unseren Autor, den Politikwissenschaftler Dr. Martin Oppelt:

    Was sind die wichtigsten Grundsätze, die unsere Demokratie ausmachen?

    Martin Oppelt: In Deutschland wie in den meisten europäischen Ländern hat sich ab der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts (spätestens aber nach dem Sieg der Alliierten über den Faschismus und Nationalsozialismus 1945) die Form der liberalen Demokratie durchgesetzt. Im Zuge der europäischen Aufklärung und des Kampfes gegen Feudalismus und Absolutismus wurden der antiken demokratischen Idee der politischen Gleichheit erfolgreich die modernen Prinzipien des Liberalismus an die Seite gestellt, allen voran die Idee der Freiheit des Individuums. Heutige Demokratien zeichnet die gleichzeitige Existenz dezidiert demokratischer Prinzipien, etwa der Volkssouveränität, und spezifisch liberaler Prinzipien, zum Beispiel die per Verfassung garantierten Menschen- und Bürgerinnenrechte, aus. Da sich diese Prinzipien eigentlich widersprechen, führt dies notwendig zu Konflikten, mit denen demokratische Gesellschaften umzugehen lernen mussten. Die Idee der individuellen Freiheit etwa dient oft der Rechtfertigung sozialer und ökonomischer Ungleichheiten, die jedoch im Widerspruch zur demokratischen Idee der Gleichheit stehen, zumal dort, wo sie sich in ungleiche politische Einflussmöglichkeiten übersetzen. Gerade der spezifische Umgang mit dem „demokratischen Paradox“ der Freiheit und Gleichheit, wie es die Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe bezeichnet hat, macht nun die Eigenheit der heutigen Demokratien aus.

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    Als einer der wichtigsten Grundsätze kann daher die institutionell garantierte Existenz einer demokratischen Öffentlichkeit angesehen werden, die immer wieder neu den Streit darüber austragen muss, wie die Prinzipien der Demokratie umzusetzen sind und wo sie verletzt werden. Außerdem fungiert eine lebendige Zivilgesellschaft als notwendiges kritisches Korrektiv der Demokratie mit Blick auf historische Verbrechen wie den Kolonialismus sowie auf gegenwärtige Gefahren durch antidemokratische Entwicklungen in Staat und Gesellschaft. 

    Rechts- und Linksradikalisierung, Reichsbürgerbewegung, Antisemitismus – Wo sehen Sie aktuell die größte Gefahr für unsere Demokratie?

    Martin Oppelt: Die größte Gefahr für die Demokratie geht weltweit eindeutig von rechtsradikalen, antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Kräften aus, die die in den letzten Jahrhunderten hart erkämpften politischen Rechte und Freiheiten von Frauen*, Jüd*innen, Schwarzen, Indigenen, People of Color (BIPoC) und LGBTQIA+-Personen rückabwickeln wollen. Die Behauptung, wonach rechte und linke politische Bewegungen sich in ihren Extremen wie ein Hufeisen berührten und somit für die Demokratie gleichgefährlich wären, ist wissenschaftlich nicht haltbar und lenkt davon ab, dass die Feinde der Demokratie ganz klar rechts stehen. Wo linke Politiken für die Ausweitung und Vertiefung demokratischer Prinzipien, Rechte und Freiheiten für prinzipiell alle Menschen kämpfen, wollen rechte Kräfte diese einem ethnisch und exklusiv definierten Volk vorbehalten. Dafür sehen sie auch den Einsatz von Gewalt gegen Menschengruppen als legitim an, die sie als minderwertig begreifen. Besonders erschreckend ist, dass rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien in den letzten Jahren in immer mehr Parlamente einziehen konnten. Umso wichtiger ist daher – neben der Existenz einer schlagkräftigen antifaschistischen Zivilgesellschaft – dass sich alle demokratischen Parteien entschieden dem Kampf gegen Rechts widmen und nicht etwa aus wahltaktischem Kalkül Koalitionen eingehen und zur schleichenden Legitimierung und Normalisierung menschenfeindlichen Gedankenguts beitragen.

    Kann die Demokratie angesichts der wachsenden Autokratien (Putin, Erdoğan, Orbán, Bolsonaro usw.) überleben?

    Martin Oppelt: Das Besondere an den genannten Autokratien ist, dass sie nicht immer offen gegen demokratische Ideen und Institutionen vorgehen. Im Gegenteil inszenieren sie sich oft erfolgreich als Demokratien und bemänteln ihre antidemokratischen Repressionen gegen politische Gegnerinnen und vermeintliche „Volksfeinde“ als Ausführung des souveränen Volkswillens. Viktor Orbán etwa prägte dahingehend den Begriff der „illiberalen Demokratie“, der erst gar nicht verbergen will, all die Prinzipien abzulehnen, die dem Schutz vulnerabler Minderheiten dienen. Hier sind die Staats- und Regierungschefinnen der demokratischen Staatengemeinschaft aufgefordert, sich der Legitimierung dieser Autokratien etwa aufgrund von Wirtschaftsdeals zu entziehen und wo nötig auch Sanktionen umzusetzen. Da man sich hierauf aber nicht verlassen sollte, braucht es einmal mehr lebendige kritische Öffentlichkeiten, die Druck auf ihre jeweiligen Regierungen ausüben.

    Autoreninformation

    Dr. Martin Oppelt ist Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte. Aktuell forscht er in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Freund, Feind, Verräter? Eine Genealogie des Verrats im demokratischen Denken“. Zuvor hat der die Professur für Political Philosophy and Theory an der Hochschule für Politik/ TU München vertreten. Beim UVK Verlag/utb ist 2021 sein Buch „Demokratie? Frag doch einfach!“ erschienen.

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  10. Erfolgreiche Teilnahme am KLIMAfit-Projekt

    Mit großer Freude und ein wenig Stolz präsentieren wir unsere Urkunde zur erfolgreichen Teilnahme am Projekt "KLIMAfit"!
     
    Im Rahmen des Pilotprojektes des Landes Baden-Württemberg wurde die Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG als eines von sieben Tübinger Unternehmen als "KLIMAfit Betrieb" ausgezeichnet
     
    (Bildquelle: Anne Faden)
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