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  1. Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie: Merkel fordert mehr Tempo!

    Am 10. März 2021 hat das Bundeskabinett die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen. Kanzlerin Merkel fordert im Rahmen der Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2021 mehr Tempo bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele.

    Was bringt die Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2021?

    Auf diese Frage antwortet unser Autor Prof. Dr. Michael von Hauff als ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der TU Kaiserslautern. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Umwelt- und Entwicklungsökonomie.

    Auf dem Nachhaltigkeitsgipfel 2019 hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Guterres weltweit die „Decade of Action and Delivery for Sustainable Development“ ausgerufen. Das begründet er damit, dass die Gefahr besteht, – besser: sich abzeichnet – dass Ziele der Agenda 2030 verfehlt werden. Im März dieses Jahres erschien die deutsche „Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2021“, in der diese Befürchtung ebenfalls klar zum Ausdruck kommt. Während das Vorwort der bisherigen Ausgaben zur Nachhaltigkeits-strategie durch ein „Lob der guten Taten“ gekennzeichnet war, kommt die Bundesregierung zu einer beachtlichen und wünschenswerten Ehrlichkeit.  Im Vorwort stellt die Bundeskanzlerin Merkel fest:

    „Um die Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der Agenda 2030 zu erreichen, müssen wir den Weg einer wirklich anspruchsvollen Transformation gehen, der wichtige Bereiche wie Energie, Kreislaufwirtschaft, Wohnen, Verkehr, Ernährung und Landwirtschaft umfasst. In Deutschland wollen wir mit der Weiterentwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie und insbesondere mit Bildung, Forschung und Innovationen den Transformationsprozess voran-bringen.“

    Zunächst ist festzustellen, dass die Weiterentwicklung 2021 durchaus positive Impulse enthält. Ein neuer Akzent sind die politischen Maßnahmen in Reaktion auf die Corona-Krise die auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene an der Agenda 2030 und ihren globalen Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet werden muss. Weiterhin wurde das vielfach zitierte Prinzip aus der UN-Resolution von 2015 explizit hervorgehoben: „leave no one behind.“ Eine wichtige, aber nicht ganz neue Forderung, ist jene nach mehr Kohärenz in der Politik. Positiv zu werten ist auch die weitere Ausdifferenzierung der Strategie: Die Weiterentwicklung 2021 enthält nun 72 Indikatoren und Ziele in 39 Bereichen und wurde somit im Verhältnis von ursprünglich 63 Indikatoren deutlich erweitert. Es kamen seit der Aktualisierung 2018 folgende Indikatoren hinzu:

    Globale Pandemie-Prävention, Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst des Bundes, Väterbeteiligung beim Elterngeld, Breitbandausbau, Kulturerbe/Zugang zum Kulturerbe und weltweiter Bodenschutz

     Ein weiterer wichtiger Akzent ist die Nennung von Transformationsbereichen. In ihnen werden mehrere Ziele zusammengeführt, indem die Wechselwirkungen der Ziele betont werden. Das soll an dem zuerst genannten Transformationsbe-reich verdeutlicht werden: Transformationsbereich Menschliches Wohlbefinden und Fähigkeiten zur sozialen Gerechtigkeit verknüpft die SDGs 1, 3, 4, 5, 8, 9 und 10.

    Es gibt aber auch die Fortschreibung von Inkonsistenten. Um diese anzugehen bzw. auszuräumen benötigt die Bundesregierung mehr Mut. Das soll an einem aktuellen Problem verdeutlicht werden. In dem Sustainable Development Goal 8 wird ein „dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ gefordert. Der Indikator ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. In der Literatur wird seit der ersten deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Jahr 2002 kritisiert, dass das BIP pro Kopf nicht den Anforderungen nachhaltiger Entwicklung entspricht, da weder die ökologischen noch die sozialen Effekte berücksichtigt werden. In dem Ziel 13 werden „umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels“ gefordert. Dabei ist hinreichend bekannt, dass mehr Wachstum, wie es wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme durch die Pandemie gefordert wird, den Klimawandel verschärft. Die Konsequenz daraus wäre, dass neben den Indikator Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) gestellt wird. Da das BIP pro Kopf schneller steigt als der NWI sollte analysiert werden, welche Gründe hierfür vorliegen. Hier könnte dann die nachhaltige Politikkohärenz umgesetzt werden.

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  2. Buch zur Lotte Eckener Ausstellung

    Lotte Eckener (1906 Friedrichshafen – 1995 Konstanz) stand immer im Schatten ihres berühmten Vaters Dr. Hugo Eckener, dem Wegbegleiter und Nachfolger des Luftschiffpioniers Ferdinand Graf Zeppelin. Dabei hat sie als Fotografin und Verlegerin eigene Spuren in der internationalen Kulturregion Bodensee hinterlassen.
    Lotte Eckener studierte in den 1920er Jahren an der Staatlichen Höheren Fachschule für Phototechnik in München das Handwerk der Lichtbildkunst und perfektionierte es im renommierten Atelier von Alexander Binder in Berlin. Nach ihrer Rückkehr an den Bodensee heiratete sie 1936 den Zahnarzt Paul Simon, dessen Namen sie auch trug. Sie entdeckte mit der Kamera die heimische Landschaft und Sakralkunst neu.

    Dokumentiert wird aber auch das bewegte Leben der Fotografin und Verlegerin Eckener, die mit Künstlern wie Max Ackermann, Erich Heckel, Hans Purrmann, Toni Schneider-Manzell freundschaftlich verbunden war. Otto Dix portraitierte ihren Vater, Hermann Hesse widmete ihr ein Gedicht, mit Carl Zuckmayer pflegte sie seit ihren Berliner Jahren Kontakt.
    In der Ausstellung werden neben längst vergriffenen Büchern der Verlage, eine Auswahl ihrer Korrespondenzen, dazu eine Vielzahl privater Bilder und öffentlich noch nicht ausgestellter Fotoarbeiten präsentiert. Eine Filmdokumentation erinnert an die frühe Luftschifffahrt - ein Thema, das auch Lotte Eckener in ihrer Fotografie aufgriff.

    Die Ausstellung „Lotte Eckener – Tochter, Fotografin und Verlegerin“ ist eine Kooperation zwischen dem Hesse Museum Gaienhofen und der Literarischen Gesellschaft Forum Allmende. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch im UVK-Verlag Konstanz, herausgegeben von Dorothea Cremer-Schacht und Siegmund Kopitzki.

    http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

     

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  3. Autorin Dr. Julia Borst erhält Nachwuchspreis

    Wichtigster deutscher Nachwuchspreis

    Die Romanistin Dr. Julia Borst der Universität Bremen erhält den Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2021. Es ist die wichtigste Auszeichnung für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. Der Preis von der DFG und dem BMBF ist mit 20.000 Euro dotiert.

    Vorgeschlagen wurden 150 hervorragende Forscherinnen und Forscher aus allen Fachgebieten deutscher Hochschulen. Julia Borst gehört zu den zehn Personen, die am 4. Mai 2021 bei einer virtuellen Veranstaltung ausgezeichnet werden. „Ich gratuliere Frau Borst ganz herzlich zu dieser Auszeichnung“, sagt der Rektor der Universität Bremen, Professor Bernd Scholz-Reiter. „Sie hat sich einen exzellenten Namen als international sichtbare Expertin für Diaspora-Forschung gemacht. Die hohe Relevanz und Qualität ihrer Forschung zu postkolonialen Literaturen und Kulturen, ihre innovativen Forschungsansätze und ihr wissenschaftliches Ethos zeichnen sie besonders aus.“  

    "Eine Ehre für den Wissenschaftsstandort Bremen"

    Die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling: „Ich gratuliere Frau Dr. Borst zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis und zu ihren herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Es ist eine Ehre für den Wissenschaftsstandort Bremen eine so ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftlerin an unserer Universität zu wissen. Die Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises an Dr. Julia Borst ist Ausdruck der hohen Qualität der Forschung in den Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Bremen.“

    Engagement für bislang wenig sichtbare Forschungsgebiete

    Julia Borst ist seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Professorin Gisela Febel im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen. „Das Engagement von Julia Borst für französisch- und spanischsprachige Literaturen und Kulturen aus der Karibik, Afrika und Europa geht über eine wissenschaftliche Beschäftigung weit hinaus“, sagt Gisela Febel. Es sei ihr ein tiefes Anliegen, die kulturellen und humanitären Implikationen der Literaturen, die sie untersucht, sichtbar zu machen und den Autorinnen und Autoren sowie ihren Themen Respekt und Würde zu verschaffen. Ihre bisherige wissenschaftliche Tätigkeit zeichne sich durch exzellente und weiterführende Ergebnisse, mutige und innovative Analysen und eine hohe wissenschaftliche Ethik aus.

    Unter anderem beschäftigt sich die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin aus postkolonialer Perspektive mit französisch- und spanischsprachigen Literaturen jenseits eines westlichen Kanons. Aktuell leitet sie zum Beispiel ein DFG-Forschungsprojekt, in dem spanischsprachige Literaturen von Autorinnen und Autoren afrikanischer Herkunft und die Frage afrodiasporischer Gemeinschaften in Europa im Mittelpunkt stehen. In anderen Projekten hat sie sich mit der Darstellung von Gewalt und Trauma im haitianischen Gegenwartsroman und mit der literarischen Aufarbeitung des Holocausts in neueren Romanen des Globalen Südens auseinandergesetzt.

    Julia Borst ist an der Universität auch zweite Sprecherin des Instituts für postkoloniale und transkulturelle Studien (INPUTS) und Gründungsmitglied der Bremer Forschungsgruppe „Digitale Diaspora: vorgestellte Gemeinschaften im digitalen Raum“ der interdisziplinären Verbundforschungsinitiative Worlds of Contradiction.

    Bereits mehrere Auszeichnungen erhalten

    Die Romanistin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt Julia Borst 2019 den Sibylle Kalkhof-Rose Akademie-Preis für Geisteswissenschaften (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz). Auch in der Lehre ist die 39-Jährige engagiert: So gewann sie 2016 mit der ehemaligen Bremer Romanistin und Privatdozentin Dr. Natascha Ueckmann den Berninghausenpreis der Universität Bremen für einen gemeinsamen Studientag und eine Lehrveranstaltung zu Haiti. Julia Borst studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau die Fächer Romanische Philologie und Wirtschaftspolitik und promovierte an der Universität Hamburg im Fach Romanische Philologie / Literaturwissenschaft.

    Informationen zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis

    Als Anerkennung und zugleich als Ansporn, ihre wissenschaftliche Laufbahn geradlinig fortzusetzen, wird der Heinz Maier-Leibnitz-Preis seit 1977 jährlich an hervorragende junge Forscherinnen und Forscher verliehen. Benannt nach dem Atomphysiker und früheren DFG-Präsidenten – in dessen Amtszeit er erstmals vergeben wurde – gilt der Preis nicht nur als der wichtigste seiner Art für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. In einer Umfrage der Zeitschrift „bild der wissenschaft“ wählten die großen Forschungsorganisationen den Heinz Maier-Leibnitz-Preis zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis in Deutschland überhaupt – nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten.

    (Quelle: Pressemitteilung Universität Bremen) 

     

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