Technik

  1. Brandschutz \ 4 Fragen an Prof. Hans-Joachim Gressmann


    Sie schreiben, dass die von der Brandschutzbehörde geforderten anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen oft als lästige Pflichtübung zur Erlangung der Baugenehmigung verstanden werden. Warum sind die brandschutztechnischen Forderungen oft so ungeliebt?

    Dies liegt m. E. daran, dass Architekten und Bauingenieure oft zunächst ausschließlich ihre Hauptaufgaben, den Entwurf und die Realisierung von Bauwerken nach den Vorstellungen der Bauherren, im Blick haben. Brandschutzfachleute betrachten die beabsichtigte Nutzung und die gestalterische Umsetzung eines Bauwerkes dagegen vornehmlich unter Risikogesichtspunkten. Die erwarteten Risiken gilt es so weit zu minimieren, dass ein aus brandschutztechnischer Sicht angemessenes Sicherheitsniveau erreicht wird. Leider führt dies dann häufig zu Konflikten: Der Architekt möchte unbedingt seinen Entwurf, dem der Bauherr schon zugestimmt hat, ohne Modifikationen realisieren, der Bauingenieur soll die Kosten so gering wie möglich halten. Letztendlich werden dann wegen des bereits fortgeschrittenen Entwurfsstadiums nicht selten Kompromisse erforderlich, die den Entwurfsverfassern nicht behagen oder die die Kosten – wie man meint unnötig – in die Höhe treiben, ohne die jedoch die Baugenehmigung nicht erlangt werden kann.

    Dieses Dilemma ist jedoch nicht zwangsläufig. Wenn frühzeitig Brandschutzfachleute in den Planungsprozess eingebunden werden, können diese oftmals Wege aufzeigen, die zu einer für alle Beteiligten guten Lösung führen, die Kosten in vertretbarem Rahmen halten und den Genehmigungsprozess zeitlich erheblich straffen. Der Schlüssel ist hier die frühzeitige Einbindung. Diese sollte bei anspruchsvollen Gebäuden möglichst schon dann erfolgen, wenn sich der gestalterische Entwurf verfestigt und bevor der Kostenrahmen für das Bauwerk definiert wird.

    Sie haben die Neuauflage aufgrund der Fortentwicklung der zu Grunde liegenden technischen Regeln überarbeitet und ergänzt. Auf welche technischen Neuerungen gehen Sie besonders ein? Gibt es innovative Brandschutzlösungen?

    Von großer Bedeutung für die Sicherheit der Nutzer von so genannten „kleinen Sonderbauten“ – hierzu gehören z. B. Kindertagesstätten, Wohnheime, Seniorenheime und kleine Hotels – ist eine nunmehr vorliegende technische Regelung für Brandwarnanlagen. Dadurch wird die seit langem bestehende Auffassung der Brandschutzdienststellen bestätigt, dass auch für diese baulichen Anlagen, für die das Baurecht nicht explizit eine Brandmeldeanlage fordert, auf Grund der erhöhten Risiken durch die Nutzer – Kinder, Geflüchtete, alte und/oder behinderte Menschen, etc. – das Sicherheitsniveau erhöht werden muss. Die derzeit noch als Vornorm vorliegende Regel der Technik schreibt einerseits die Verwendung der gleichen bewährten technischen Komponenten vor, wie bei vollwertigen Brandmeldeanlagen, erlaubt gegen über diesen jedoch etliche Erleichterungen, da Brandwarnanlagen in erster Linie für die Warnung der Nutzer und nicht für den Sachschutz ausgelegt sind.

    Sehr interessant ist die Weiterentwicklung ehemals rein mechanisch gesteuerter – und damit nicht immer zielgerichtet arbeitender – Wasser- und/oder Schaummonitoren zu intelligenten automatischen Monitorlöschanlagen. Diese werten die Daten von Video- oder Infrarotkameras aus und steuern über rechnergestützte Algorithmen die hinsichtlich Strahlform und Volumenstrom optimierten Löschmittelstrahlen zielgenau auf die Brandherde.

    Eine weitere wichtige Neuerung im Vorschriftenwerk stellen die neuen Regelungen zu Rauchschutz-Druckanlagen – RDA – dar. Sie straffen und vereinheitlichen die bisherigen technischen Vorgaben, senken allerdings auch bestimmte technische Anforderungen etwas ab.

    Was ist nach Ihrer Erfahrung als ehemaliger Leiter einer Feuerwehr die häufigste Ursache von Bränden in Industrieunternehmen?

    In Industrie- und Gewerbebetrieben sind technische Fehlfunktionen meines Wissens die häufigste Brandursache, gefolgt von menschlichem Fehlverhalten. Elektrische Einrichtungen und Geräte – seien es einfache IT-Drucker, Industriewaschmaschinen, Beschichtungsanlagen, Elektroverteilungen oder hochkomplexe Lagereinrichtungen – machen hiervon wiederum den Großteil aus. Auch Fehlfunktionen von Produktionseinrichtungen, die offenes Feuer oder heiße Oberflächen nutzen – hierzu gehören u. A. Anlagen, die Kunststoffe durch Aufschmelzen verarbeiten – sind hier zu nennen.

    Kann ich einen kleinen Brand selbst löschen? Welche Mittel stehen mir hier zur Verfügung und welche sollte ich tunlichst meiden?

    Grundsätzlich kann jedermann Entstehungsbrände löschen, solange deren Umfang dies ohne Selbstgefährdung ermöglicht. Dies gilt sogar dann, wenn keine Löschgeräte im engeren Sinne – also z. B. Feuerlöscher – vorhanden sind. So kann brennendes Fett in einem Topf häufig einfach durch Auflegen des Deckels gelöscht werden; die Anwendung von Wasser ist hier wegen der Gefahr einer Fettexplosion zu vermeiden. Der Entstehungsbrand eines Adventsgestecks ist durch ein darübergelegtes feuchtes Handtuch oder eine Decke aus Wolle beherrschbar. Brennende Elektrogeräte, wie z. B. eine Kaffeemaschine, ein Bügeleisen oder ein Fernsehgerät, müssen vor Löschversuchen immer durch Auslösen des Fehlerschutzschalters oder der Sicherung vom Netz getrennt werden.

    Laien sollten von Löschversuchen dann absehen, wenn der Umfang eines Brandes größer wird, als etwa eine große Aktentasche oder ein kleiner Koffer. Vor Löschversuchen ist stets abzuwägen, ob die Feuerwehr zusätzlich parallel oder vorher gerufen werden sollte. Wir Brandschutzfachleute empfehlen, die Feuerwehr immer zu alarmieren.

    Gut geeignet zur Bekämpfung von Entstehungsbränden sind CE-zertifizierte Feuerlöscher; für den Haushalts- und Bürobereich empfiehlt sich ein universell einsetzbarer ABC-Pulverlöscher. Sehr hilfreich können auch Löschspraydosen sein, die auch von ungeübten Personen ohne zusätzliche Einweisung genutzt werden können.

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  2. Unsere Luft – Besser als ihr Ruf?

    Interview mit Autor Prof. Dr.-Ing. Norbert Metz über die Luftqualität in Deutschland 


    In Ihrem Titel fragen Sie: „Unsere Luft - deutlich besser als ihr Ruf?“

    Seit Jahren haben die Konzentrationen für Kohlenmonoxid, die Summe der Kohlenwasserstoffe, Benzol, die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, auch Benzo(a)pyren, Schwefeldioxid und Blei abgenommen und liegen weit unter den lufthygienischen Europäischen Grenzwerten. Seit wenigen Jahren werden auch die Grenzwerte für Feinstaub PM10 und PM2,5 unterschritten. Bei der kritischen Komponente NO2 zeigt sich seit Jahren nicht nur coronabedingt ein rückläufiger Trend. An verkehrsnahen Messstellen treten noch Überschreitungen auf, die in wenigen Jahren beendet sein werden. Die Spitzenwerte bei Ozon haben auch seit Jahren abgenommen. Die Luftqualität ist also definitiv besser geworden.

     

    Tatsächlich ist die Luftqualität in vielen Parametern gestiegen. Woran liegt das Ihrer Erfahrung nach?

    Die Ingenieure der Fahrzeughersteller sowohl bei den Pkw als auch bei den Nutzfahrzeugen konnten weitere technische Verbesserungen entwickeln und umsetzen. Das neue Testverfahren bei der Typprüfung hat jetzt die Abgasemissionen bei Pkws und Lieferfahrzeugen auch im realen Fahrbetrieb, bei tieferen Temperaturen und der Einbeziehung der Nebenaggregate, z.B. Klimaanlage abgesenkt. Die Penetration neuer Fahrzeuge mit minimalen Abgasemissionen und das Ausscheiden älterer Fahrzeuge verbessert laufend den Flottendurchschnitt im Hinblick auf Abgasemissionen und Kraftstoffverbrauch. Auch die weiteren behördlichen Maßnahmen wie Umweltzonen, Luftreinhaltepläne, situationsgemäße Geschwindigkeitsbeschränkungen haben dazu beigetragen. Ein coronabedingtes leicht geringeres Verkehrsaufkommen in den Städten hat eine Verstetigung des Verkehrsflusses bewirkt und damit die Abgasemissionen weiter verringert. Eventuell hat auch das Umweltbewusstsein bei einzelnen Bürgern dazu beigetragen.

     

    An welchen Punkten müsste die Gesetzgebung Ihrer Meinung nach ansetzen, um die Luft weiter zu verbessern?

    Die bereits beschlossenen Maßnahmen machen sich bereits bemerkbar. Weitere Verbesserungen wären Anreize zum Nachrüsten älterer Fahrzeuge, Weitere Maßnahmen zur Vermeidung von Stop-and-Go-Phasen, Intelligentere vernetzte Ampelschaltungen, Vergleichmäßigung des Verkehrsflusses, finanzielle Anreize zum Nutzen von verkehrsärmeren Zeiten in der rush-hour, mehr Vorteile bieten für Autofahrer mit abgasarmen Fahrzeugen, attraktivere Anreize zum Nutzen des ÖPNV, Maßnahmen zur Verringerung der Pendler (kürzere Wege zwischen Arbeit und Wohnen) durch bezahlbares Wohnen am Stadtrand, Maßnahmen zur Verringerung von Fahrten zur Arbeit (Home-office-Boni).

     

    Wird die Forcierung der E-Mobilität durch den Gesetzgeber in den nächsten zehn Jahren für bessere Luft sorgen?

    Der Gesetzgeber sollte nicht eine Technologie vorschreiben, sondern entsprechende Grenzwerte erlassen. Das würde den Ingenieuren ermöglichen alternative Lösungen zu entwickeln, z B. Wasserstofffahrzeuge oder Lösungen mit alternativen Kraftstoffen. Das hat sich vor 30 Jahren bei der Einführung des Katalysators auch bewährt. Jede abgasarme Form der Mobilität – auch die E-Mobilität – verbessert die Luftqualität auch an verkehrsnahen Messstellen. Situativ müssen auch weitere Emissionsquellen, wie Baufahrzeuge, der Hausbrand, Kraftwerke und Industriebetriebe im Auge behalten werden.

     

    Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Fakten und die Meinungen zur Luftqualität so eklatant auseinanderklaffen?

    Ein Grund könnte sein, dass die Berichterstattung in den Medien die komplexen Zusammenhänge zwischen der lokal entstehenden Emission, dem Beitrag von durch Ferntransport beteiligten Emissionen, den Einflüssen meteorologischer Parameter, chemischen Umwandlungen nicht verständlich genug dem interessierten Bürger darlegt. Die Medien könnten auch auf die Erfolge bei den oben erwähnten Abgaskomponenten hinweisen bevor sie den Fokus auf die noch notwendigen Verbesserungen bei den kritischen Problemen legen. In Einzelfällen ist ein Fortschritt bei der objektiven Berichterstattung zu erkennen. Die Messung der Luftqualität an verkehrsnahen Messstellen erzeugt den Eindruck, dass die Luft generell überall schlecht ist und dass der Straßenverkehr daran schuld ist.

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