Wie verändert eigentlich die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und/oder Lehralltag?

Da ich bereits im Ruhestand angekommen bin, ändert sich bei mir eigentlich wenig. Ich sitze am Schreibtisch, lese, recherchiere, schreibe und schaue zur Entspannung hin und wieder auf die Kette der Alb. In Telekursen unterrichte ich weiter und betreue Abschlussarbeiten, das geht sehr gut über Lernplattformen, über Mail, Telefon, Skype. Hier sind die neuen und sozialen Medien wirklich nützlich.

Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus für die derzeitige Situation zum Thema Kommunikation?

Die Pandemie ist ein großes Feldexperiment zur menschlichen Kommunikation. Durch den äußeren Feind rücken die Menschen trotz Abstandsgebot näher zusammen: Ich bekomme Mails von Personen, von denen ich lange nichts mehr gehört habe. Die Telefonate, aber auch die wenigen Begegnungen auf der Straße dauern länger. Die Leute singen auf Balkonen und in Gärten miteinander. Vor allem der Wert von Face-to-face-Gesprächen wird allen wieder deutlich, ein Chat ist doch eine reduzierte Form der Kommunikation.

Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich durch die Pandemie die Kommunikation dauerhaft verändern wird?

Wir lernen jetzt viele Dinge schätzen, die sonst selbstverständlich waren: Caféhausbesuche, Theater, Kino, Konzerte, gemeinsames Kochen, Reisen. Die Pandemie hat dem Glauben an fortwährendes Wachstum, an Erfolg und Effektivität einen Schuss vor den Bug verpasst. Aber an nachhaltige Veränderungen glaube ich nicht, sobald uns wieder alles zur Verfügung steht, fallen wir in das alte und bequeme Verhalten zurück. Wahrscheinlich ändert sich wenig an unserem alltäglichen kommunikativen Verhalten, es werden nur ein paar Erzählungen über die Zeit der Entbehrungen bleiben.

Gehen Sie in Ihrem Buch „Sprachliche Kommunikation: Verstehen und Verständlichkeit“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

Ich habe über verständliche Vermittlung von Informationen geschrieben und die sind derzeit überaus notwendig. Menschen neigen offenbar in bedrohlichen oder verängstigenden Situationen dazu, Informationen selektiv und einseitig zu verarbeiten, entweder wird dramatisiert oder heruntergespielt. Bei komplexen Themen wie Infizierung (mit und ohne Maske), Inkubation, Durchseuchung, Quarantäne, Mortalität, Immunität, exponentielle Zunahme usw. sind viele überfordert. Vor allem wird es schwierig, wenn sich im Fernsehen selbst Experten widersprechen und sich Befunde um die Ohren hauen, deren Validität man nicht nachvollziehen kann.