Wie verändert eigentlich die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und Lehralltag?

Im Homeoffice konzipiere und texte ich schon seit 2001. Mein Arbeitszimmer ist groß, voller Bilder & Bücher, technisch top und nachmittags sonnig. Hier fließen mir neue Ideen und Worte schnell aus dem Kopf. Verändert ist, dass seit Mitte März das Telefon seltener klingelt und der E-Mail-Eingang leerer bleibt.

Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus und die daraus resultierenden Einschränkungen auf die Eigenwerbung von Unternehmen?

Es fehlt komplett die Möglichkeit, offline geschäftlich öffentlich zu sein, also zu Netzwerktreffen zu gehen oder sich auf Messen oder Märkten zu zeigen. Dazu kommt das Verschieben oder Absagen von Vorträgen – das hat auch mich echt getroffen. Denn genau jetzt hatte ich drei tolle Vortragstermine zum Vorstellen der Inhalte meines neuen Buches. Tatsächlich kann man sagen: alle anderen Werbewege stehen zur vollen Verfügung. Allerdings: Es ist aktuell wenig sinnvoll, Werbung für Angebote zu machen, die derzeit niemand nutzen kann wie z.B. Gruppentrainings oder Reisen.

Kann man bereits jetzt erahnen, in welche Richtung sich Werbewege von Unternehmen durch die Pandemie dauerhaft verändern werden?

Ja, man spürt, liest und sieht jetzt schon einen Veränderungstrend. Ich denke, es wird in vielen Branchen eine größere Behutsamkeit, Ehrlichkeit und Sensibilität in der Werbeansprache geben. Derzeit ist es übrigens so, dass ich dazu rate, auf Wirkung statt auf Werbung zu setzen und eher zu geben als zu nehmen. Das heißt zum Beispiel, die großartigen Sozialen Medien, sowie Mails, Videos oder auch Briefe zu nutzen, um während der Krise in der Nähe der Kunden und Interessenten zu bleiben. Wenn dann der Kaufwunsch wiedererwacht, ist man der erste Ansprechpartner. Aus Angst vor der Zukunft die Luft anzuhalten und nichts zu sagen, das schwächt die Loyalität von Kunden.

Gehen Sie in Ihrem Buch „Werbung, die Sie sich sparen können“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Aspekte ein, die für die aktuelle Situation nützlich sind?

Unbedingt! Vor allem beim Blick auf die vier Aufgaben der Werbung, lernt man die großen Chancen der Sozialen Medien kennen. Sie sind ein einzigartiges „Bleib-bei-mir“-Medium, das jetzt wichtiger ist als je zuvor. Haben die Leserinnen und Leser sich den roten Faden für seine aktive Eigenwerbung durch die Übungen im Buch erarbeitet, dann haben sie einen großen Ideen- und Themenfundus, den sie auch in schwierigen Zeiten nutzen können, um positiv auf sich aufmerksam zu machen – und das eben zu eher kleinen Werbekosten. Schließlich weiß man durch seinen roten Faden, welche Werbung man sich sparen kann, um sein Geld und seine Energie in andere Dinge zu Krisenbewältigung zu stecken.