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  1. Onboarding von Azubis oder "Gekommen, um zu bleiben"


    Ein Blick in den im Mai erschienenen Berufsbildungsbericht 2021 zeigt: Der Ausbildungsmarkt schrumpft! Sicher eine Folge der Corona-Pandemie, aber auch andere Ursachen spielen eine Rolle. „Bei den nahezu parallelen Rückgängen von Angebot und Nachfrage verbinden sich langfristige Trends mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie“ heißt es. Umso wichtiger ist es, die Auszubildenden zu halten und damit zur Stabilisierung des Ausbildungsmarktes beizutragen.

    Dietmar Hartmann ist Aus- und Weiterbildungspädagoge und Dozent für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Auszubildenden und Ausbilder:innen für namhafte Unternehmen deutschlandweit und Autor des Buches "Ausbildung heute" vom expert verlag. Er spricht hier darüber, wie wichtig jetzt das richtige Onboarding der neuen Auszubildenden in den Betrieben ist:

    Was sind nach Ihrer Einschätzung die Gründe für die häufigen Ausbildungsabbrüche?

    Es gibt viele Gründe für Ausbildungsabbrüche. Mangelnde bzw. falsche Kenntnisse oder Vorstellungen über die Ausbildungsinhalte des gewählten Berufs. Teilweise auch der „Quantensprung“ aus der allgemeinbildenden Schule in die berufliche Ausbildung (längerer Anfahrtsweg, längere Arbeits-/Ausbildungszeiten, verändertes Umfeld, veränderte Regeln). Schlechte bzw. keine Einführung in die Ausbildung seitens des Ausbildungsbetriebes, mangelnde Sensibilisierung oder keine Zeit seitens des Ausbildungspersonals, keine „Azubi-Onboarding-Veranstaltung“!

    Warum ist es so wichtig, neue Auszubildende im Betrieb von Anfang an richtig zu integrieren?

    Um eben drohende Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. An besten beginnt Integration schon vor der Ausbildung (Praktika, Schnupperarbeiten etc.). Weiterhin ist es enorm wichtig, den Übergang in das Berufsleben praxisnah, authentisch aber auch behutsam zu gestalten!

    Welche Ideen gibt es für Betriebe, den Onboarding-Prozess richtig einzuleiten?

    Wichtig ist es, Ausbildungspersonal zu schulen bzw. auf die kommende Generation vorzubereiten oder geeignete Mitarbeiter:innen zu finden, die auch motiviert und bereit sind, sich auszubilden. Einführungstage bzw. eine Einführungswoche (Teambuilding mit Mitarbeiter:innen und Azubis, offene Fragen klären, Berufsschule mit Lehrer:innen kennenlernen, Eltern integrieren, Inhalte und Anforderungen der Ausbildung kennenlernen sowie die Inhalte der Standardberufsbildpositionen des jeweiligen Ausbildungsberufes. Etablierung von Ausbildungspaten z. B. Azubis aus höheren Ausbildungsjahren. Das sind nur einige Punkte. Sicher gibt es noch weitere Möglichkeiten, den Onboarding-Prozess für die Auszubildenden richtig einzuleiten.

    Gibt es Unterschiede im Onboarding von Azubis zum Onboarding von erfahrenen Mitarbeiter:innen?

    Ja, auf jeden Fall. Die Azubis kennen den betrieblichen Alltag in all seinen Facetten noch nicht, deshalb ist es enorm wichtig, einen speziellen auf die Azubis zugeschnittenen (Generationengerecht) Onboarding-Prozess zu generieren.

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  2. Ausbildung heute \ 4 aktuelle Fragen an Dietmar Hartmann


    Wie verändert eigentlich die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeitsalltag?

    Ich arbeite seit dem 17.03.20 im Homeoffice, was ich vorher auch schon teilweise gemacht habe. Hier kam jetzt aber noch die momentane Unsicherheit ins Spiel. Alle Präsenzveranstaltungen, angefangen mit der Hochschule, Industriemeister Ausbildung und viele andere Aus- und Weiterbildungsrelevante Veranstaltungen wurden abgesagt. Für mich bedeutete das, dass wir kreative Lösungswege und innovative pädagogische und didaktische Konzepte brauchen. Webinare für verschiedene Zielgruppen auf verschiedenen virtuellen Plattformen bestimmten mein Tagesgeschäft. Mein Arbeitsalltag war länger und intensiver als zuvor.

    Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus auf die derzeitige Situation in der betrieblichen Ausbildung?

    Die Herausforderung Ausbildungsinhalte gemäß Ausbildungsordnung im virtuellen Raum abzubilden. Wichtige Praxismodule sind weggefallen und müssen nachgeholt werden. Zeitliche und fachliche Taktungen wurde quasi außer Kraft gesetzt. Eine intensive Vorbereitung auf die Sommerprüfung war nur bedingt gewährleistet. Versäumnisse in der digitalen Transformation wurden direkt sichtbar. Kernkompetenzen wie der Umgang mit digitalen Endgeräten, virtuellen Klassenräumen und besondere pädagogische Herausforderungen waren gefragt und mussten umgesetzt werden. Selbstlern- und Recherchekompetenz für Lernende und Lehrende rückten vermehrt in den Vordergrund. Die Corona-Pandemie macht die „digitalen Versäumnisse“ in Aus- und Weiterbildung deutlich sichtbar, ist aber nicht unbedingt ihre Ursache.

    Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich durch die Pandemie die Situation in der betrieblichen Ausbildung dauerhaft verändern wird?

    Nein, das wäre ein Blick in die vielbeschworene Glaskugel. Mein Wunsch wäre, dass der Fokus mehr auf (digitale) Bildung in allen Bereichen gelegt wird. Angefangen von schulischer Bildung, außerschulischer Bildung, Aus- und Weiterbildung bis hin zum Hochschulbereich. Technische Voraussetzungen und Pädagogische sowie didaktische digitale Kompetenzen müssen dringend überprüft und optimiert werden. Bedeutet aber auch, dass mehr Wert auf Lernprozessbegleitung, Selbstlernkompetenz und Lernmotivation gelegt werden muss. Ausbildungsinhalte müssen überprüft werden, um der digitalen Handlungs- und Prozessorientierung gerecht zu werden. Wenn die Beschränkungen aufgehoben werden, muss dringend darauf geachtet werden nicht in gewohnte Muster zu verfallen, sondern die wichtigen positiven Erkenntnisse aus der virtuellen Ausbildungszeit zu analysieren und dauerhaft zu implementieren.

    Gehen Sie in Ihrem Buch „Ausbildung heute“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

    Im Prinzip fast im ganzen Buch, aber hauptsächlich im Kapitel „Medieneinsatz in der Ausbildung“. Hier gehen wir intensiv auf die Themen Blended learning, Digitales Lernen, Virtual Reality, interaktive Lernprogramme ein. Der sinnvolle Einsatz von Youtube-Videos und die Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien werden beschrieben. Generationenkompetenz, die Chance für die Generation Y und Z wird intensiv beleuchtet. Modern ausbilden! Aber wie? Ist die Überschrift für Lernprozessbegleitung, Selbst- und Recherchekompetenz und die zukünftigen Rollen der Ausbilder und Ausbilderinnen.

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