forschung

  1. Preis für Forschungsarbeit zu "Teufelskinder"


    »Teufelskinder« – so wurden in Fürstenberg, einer Kommune im Hochstift Paderborn, die Nachfahren aus einem Hexengeschlecht genannt. Mittels dieses Etiketts war eine ideologische und symbolische Grenze zwischen den »normalen«, unbescholtenen Dorfbewohnern und denjenigen Familien gezogen worden, die das Hexenstigma trugen.

    Ihre vermeintliche Abstammung von »Hexenart« führte dabei zu verschiedenen informellen sowie formellen Stigmatisierungen und Marginalisierungen, die nicht nur das sprichwörtliche Damoklesschwert über deren Häupter schweben ließen, sondern auch einen ganz eigenen sozialpsychologischen Teufelskreis schufen: Förmlich gezwungen, sich stets mit dem attribuierten Hexenimage auseinanderzusetzen, nahmen einige Teufelskinder ihr Label als »Hexe« an. Das Ergebnis von Zuschreibung und Verinnerlichung war fatal: Nicht weniger als neun Familien standen teilweise über fünf Generationen immer wieder vor Gericht, angeklagt, mit dem »Hexenblut« infiziert zu sein.

    Die Wissenschaftlerin untersuchte die besondere Wirkung eines gesellschaftlichen Stigmas am Beispiel der fürstenbergischen Hexenverfolgungen im Hochstift Paderborn (1601-1702).

    Für ihre herausragende Forschungsarbeit unter dem Titel „Deüffelskinder“ wurde Dr. Sarah Masiak im September 2021 auf dem Schloss in Fürstenberg der Ignaz-Theodor-Liborius-Meyer-Preis 2020 des Paderborner Altertumsvereins verliehen.

    Wer mehr zum Thema erfahren möchte, schaut hier:

    https://www.spiegel.de/geschichte/fuerstenberg-warum-sich-immer-wieder-menschen-selbst-der-hexerei-bezichtigten-a-f5fb1148-0002-0001-0000-000179121573

    "Diese 'Wirklichkeit' und ihre soziale Logik verstehen" | L.I.S.A. WISSENSCHAFTSPORTAL GERDA HENKEL STIFTUNG (gerda-henkel-stiftung.de)

    Über den Ignaz-Theodor-Liborius-Meyer-Preis Der Ignaz-Theodor-Liborius-Meyer-Preis wird vom Paderborner Altertumsverein seit 1991 für Arbeiten junger Historiker zur Geschichte Ost- und Südwestfalens ausgelobt. Der Preis ist mit einem Preisgeld von 2.500 Euro dotiert.

    Promotionspreis der Bremer AG 2019 erhielt Dr. Sarah Masiak für ihre Dissertation zudem den mit 1.500 Euro dotierten Promotionspreis der Bremer AG.

    Weiterlesen
  2. Autorin Dr. Julia Borst erhält Nachwuchspreis


    Wichtigster deutscher Nachwuchspreis

    Die Romanistin Dr. Julia Borst der Universität Bremen erhält den Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2021. Es ist die wichtigste Auszeichnung für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. Der Preis von der DFG und dem BMBF ist mit 20.000 Euro dotiert.

    Vorgeschlagen wurden 150 hervorragende Forscherinnen und Forscher aus allen Fachgebieten deutscher Hochschulen. Julia Borst gehört zu den zehn Personen, die am 4. Mai 2021 bei einer virtuellen Veranstaltung ausgezeichnet werden. „Ich gratuliere Frau Borst ganz herzlich zu dieser Auszeichnung“, sagt der Rektor der Universität Bremen, Professor Bernd Scholz-Reiter. „Sie hat sich einen exzellenten Namen als international sichtbare Expertin für Diaspora-Forschung gemacht. Die hohe Relevanz und Qualität ihrer Forschung zu postkolonialen Literaturen und Kulturen, ihre innovativen Forschungsansätze und ihr wissenschaftliches Ethos zeichnen sie besonders aus.“  

    "Eine Ehre für den Wissenschaftsstandort Bremen"

    Die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling: „Ich gratuliere Frau Dr. Borst zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis und zu ihren herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Es ist eine Ehre für den Wissenschaftsstandort Bremen eine so ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftlerin an unserer Universität zu wissen. Die Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises an Dr. Julia Borst ist Ausdruck der hohen Qualität der Forschung in den Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Bremen.“

    Engagement für bislang wenig sichtbare Forschungsgebiete

    Julia Borst ist seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Professorin Gisela Febel im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen. „Das Engagement von Julia Borst für französisch- und spanischsprachige Literaturen und Kulturen aus der Karibik, Afrika und Europa geht über eine wissenschaftliche Beschäftigung weit hinaus“, sagt Gisela Febel. Es sei ihr ein tiefes Anliegen, die kulturellen und humanitären Implikationen der Literaturen, die sie untersucht, sichtbar zu machen und den Autorinnen und Autoren sowie ihren Themen Respekt und Würde zu verschaffen. Ihre bisherige wissenschaftliche Tätigkeit zeichne sich durch exzellente und weiterführende Ergebnisse, mutige und innovative Analysen und eine hohe wissenschaftliche Ethik aus.

    Unter anderem beschäftigt sich die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin aus postkolonialer Perspektive mit französisch- und spanischsprachigen Literaturen jenseits eines westlichen Kanons. Aktuell leitet sie zum Beispiel ein DFG-Forschungsprojekt, in dem spanischsprachige Literaturen von Autorinnen und Autoren afrikanischer Herkunft und die Frage afrodiasporischer Gemeinschaften in Europa im Mittelpunkt stehen. In anderen Projekten hat sie sich mit der Darstellung von Gewalt und Trauma im haitianischen Gegenwartsroman und mit der literarischen Aufarbeitung des Holocausts in neueren Romanen des Globalen Südens auseinandergesetzt.

    Julia Borst ist an der Universität auch zweite Sprecherin des Instituts für postkoloniale und transkulturelle Studien (INPUTS) und Gründungsmitglied der Bremer Forschungsgruppe „Digitale Diaspora: vorgestellte Gemeinschaften im digitalen Raum“ der interdisziplinären Verbundforschungsinitiative Worlds of Contradiction.

    Bereits mehrere Auszeichnungen erhalten

    Die Romanistin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt Julia Borst 2019 den Sibylle Kalkhof-Rose Akademie-Preis für Geisteswissenschaften (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz). Auch in der Lehre ist die 39-Jährige engagiert: So gewann sie 2016 mit der ehemaligen Bremer Romanistin und Privatdozentin Dr. Natascha Ueckmann den Berninghausenpreis der Universität Bremen für einen gemeinsamen Studientag und eine Lehrveranstaltung zu Haiti. Julia Borst studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau die Fächer Romanische Philologie und Wirtschaftspolitik und promovierte an der Universität Hamburg im Fach Romanische Philologie / Literaturwissenschaft.

    Informationen zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis

    Als Anerkennung und zugleich als Ansporn, ihre wissenschaftliche Laufbahn geradlinig fortzusetzen, wird der Heinz Maier-Leibnitz-Preis seit 1977 jährlich an hervorragende junge Forscherinnen und Forscher verliehen. Benannt nach dem Atomphysiker und früheren DFG-Präsidenten – in dessen Amtszeit er erstmals vergeben wurde – gilt der Preis nicht nur als der wichtigste seiner Art für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. In einer Umfrage der Zeitschrift „bild der wissenschaft“ wählten die großen Forschungsorganisationen den Heinz Maier-Leibnitz-Preis zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis in Deutschland überhaupt – nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten.

    (Quelle: Pressemitteilung Universität Bremen) 

     

    Weiterlesen