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  1. Die 5 häufigsten Fehler bei der Studienwahl



    Die Abitur-Prüfungen in Deutschland sind größtenteils abgeschlossen. Schüler und Eltern interessiert momentan vor allem: Wie geht es nach dem Abitur weiter? Und welches Studienfach kommt für mich/unser Kind in Frage? Unsere beiden Autor:innen Sandra Stankjawitschjute und Holger Walther stellen als kleinen Vorgeschmack zu ihrem neuen Buch „Abi, was nun?“ die 5 häufigsten Fehler bei der Studienwahl vor:

    Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt:

    Fehler 1: Ich mache aus einem Leistungskurs (oder Lieblingsfach) ein Studienfach

    Ein guter Abischnitt insgesamt ist eine gute Prognose für ein erfolgreich absolviertes Studium. Doch so ein positiver Zusammenhang besteht zwischen einem Schulfach und dem gleichnamigen Studiengang nicht: Da ein Studium theoretisch-wissenschaftliche Schwerpunkte hat, geht es etwa bei Mathe nicht mehr um „Rechnen mit Zahlen“, sondern vielmehr um Gleichungen mit unbekannten Variablen oder theoretische Überlegungen, ob es eine „Null“ oder die „Unendlichkeit“ wirklich gibt und wie wir das beweisen können.

    Fakt ist dann aber zum Glück doch: Durch einen Leistungskurs bringt man sicher einige hilfreiche Grundlagen mit ins Studium und zusätzlich eine Affinität für die Naturwissenschaften.

    Fehler 2: Ich studiere, was ich mit meinem Abischnitt wegen eines Numerus Clausus studieren kann

    Hier gibt es zwei Phänomene: Mit einem tollen Abi wäre es doch Verschwendung, wenn ich etwas – sagen wir mal Leichteres – studiere oder „nur“ eine Ausbildung mache. Weil ich einen hohen NC in Psychologie knacken kann, ist das aber noch lange kein Grund, dies zu studieren. Und das andere Phänomen bedeutet: Ich nehme etwas, was ich mit meinem (vielleicht schlechterem) Abischnitt garantiert bekommen kann. Sie sehen: In beiden Fällen werden die persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Wünsche ignoriert.

    Zum Autor Holger Walther: Ich hatte im Abi eine 3,0 – auch damals schon keine direkte Eintrittskarte für Psychologie. Ich habe aber alles versucht und dann einen Studienplatz durch ein Losverfahren bekommen. Und bin mit meinem Beruf seit über 35 Jahren zufrieden. Denn er entspricht zutiefst meinen Interessen.

    Und aus unserer Erfahrung in den Beratungen:

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    Fehler 3: Die Illusion der „richtigen“ Entscheidung

    Obwohl es auch im Buchtitel steht: „Das richtige Studium finden“ klären wir im Ratgeber gleich zu Beginn auf, dass es wohl besser wäre, eine „gute“ Entscheidung zu fällen. Was meinen wir damit?

    Erst durch eine Sammlung der eigenen Interessen, Fähigkeiten und Wünsche (ja, auch Träume!) und Wertvorstellungen, sowie konkreter Informationen (statt Vermutungen und Hörensagen) über wirkliche Inhalte der Studiengänge und Berufsaussichten, können wir eine „zum jetzigen Zeitpunkt gute Entscheidung“ fällen. Niemand kann garantieren, dass wir auch in 30 Jahren damit noch zufrieden sein werden: Wer weiß denn schon, was wirklich in 30 Jahren sein wird? Doch damals, als ich mich entschied, war alles gut überlegt und passte.

    Fehler 4: Wenn Eltern sagen: „Mach, was du denkst – wir stehen immer hinter dir!“

    Und mit dem Zusatz, man soll ja selbst damit glücklich werden, begründen vor allem Eltern, sich nicht einmischen zu wollen. Doch Unentschiedene vermissen das und empfinden die ausbleibenden Meinungen als Desinteresse! Schließlich ist unser Umfeld – und eben auch Eltern und Geschwister – tatsächlich wichtige Ideengeber und Orientierungshilfen!

    Erst solche Bemerkungen, wie „Du programmierst doch gern am PC – mach doch Informatik.“ oder „Werde bloß nicht auch noch Lehrer. Du siehst doch, wie genervt deine Eltern aus der Schule kommen.“ ermöglichen es uns, eine eigene Position zu finden, nämlich Zustimmung oder Abgrenzung. Fehlen solche Statements der anderen, ist es schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden.

    Fehler 5: Was bei anderen funktioniert, wird auch für mich gut sein

    Grundsätzlich sind wir ja offen für die Erfahrungen und Tipps der Anderen. Und bei einem guten Kinofilm oder einem tollen Reiseziel kann man ruhig überlegen, das auch mal zu machen. Weil es nicht wirklich schlimm ist, wenn es am Ende doch nicht unser Geschmack war. Das geht aber nicht bei der Studienwahl. Weil es nicht automatisch bei uns passt, nur weil andere damit gute Erfahrungen gemacht haben. Auch hier gilt: Nimm die Erfahrungen und Meinungen der anderen gern als Ideengeber. Da kann schließlich auch was Passendes dabei sein. Überprüfe das aber immer mit deinen eigenen Interessen, Fähigkeiten und Wünschen.

    Die Autoren:

    M.Sc. Sandra Stankjawitschjute und Dipl.-Psych. Holger Walther sind approbierte Psychotherapeut:innen und arbeiten gemeinsam in der Psychologischen Beratungsstelle der Humboldt-Universität zu Berlin.

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  2. Publizieren, Präsentieren, Lehren: 4 Fragen an Prof. Günter Lehmann



    Prof. Dr. paed. habil. Günter Lehmann bereitet seit über 40 Jahren Teilnehmende an Bachelor-, Master- und Promotionsstudien auf das Anfertigen und Präsentieren wissenschaftlicher Arbeiten vor und führt für Dozent:innen didaktische Basis- und Aufbaukurse durch.

    In Ihrem Buch „Wissenschaftliche Arbeiten“ gehen Sie auf die Faktoren ein, die zum Erfolg beim Publizieren bzw. Umsetzen wissenschaftlicher Ergebnisse führen. Welche sind das?

    Eine Idee allein entfaltet noch keine Wirkung, auf ihre Umsetzung kommt es an. Arbeitsergebnisse sind daher zu veröffentlichen, und ihre Umsetzung in Projekte oder Programme zu prüfen. Entscheidend dabei ist, dass die ergebnisorientierte Aktivität von der Autorin oder dem Autor selbst ausgeht.

    Es reicht nicht, einen Artikel über die Arbeit zu verfassen, diesen einem Verlag zu übersenden und zu warten bis er veröffentlicht wird. Einsteiger:innen in das Publizieren müssen sorgfältig prüfen, mit welchem Textformat sie beginnen (Abstracts, Kurzbericht oder (populär-)wissenschaftlicher Artikel), auf welcher Plattform sie veröffentlichen (Verlag, Redaktion, Internet, organisationsinterne Medien) und welche Leser:innen sie ansprechen möchten (Fachleute, Fachfremde etc.).

    Auch beim Umsetzen von Forschungsergebnissen in Unternehmen ist es besser, das Projekt bis zur Umsetzungsreife selbst in der Hand zu behalten, wie ein erfolgreicher „Umsetzer“ berichtet: „Nach einem Kontakt auf einer Tagung bekam ich einen Vorstellungstermin beim Chef des Unternehmens. In einem 10minütigen Statement habe ich die Idee aus meiner Arbeit und den Nutzen vorgestellt, den das Unternehmen bei Umsetzung erzielen kann. Dazu habe ich die Erarbeitung eines passgenauen Vorschlags zur Entscheidung angeboten. Das Ergebnis wurde der Leitung präsentiert, dem Vorschlag wurde zugestimmt, die Umsetzung im Unternehmen beschlossen.“

    Worauf ist beim Präsentieren der Arbeitsergebnisse in Vorträgen und Diskussionen zu achten? Gibt es bestimmte Eigenschaften, die eine überzeugende Präsentation haben muss?

    Eine überzeugende Präsentation muss dem Publikum etwas Neues mitteilen. Publikumsorientierung ist das A und O für den Erfolg. Die Zuhörenden erwarten, dass sie das Neue mit ihren Möglichkeiten verstehen können. Ihre Interessen sollen daher angesprochen, mindestens berührt werden. Vor allem personenbezogene Nutzenargumente sind überzeugend.Sie legen Wert darauf, mit ihren Zweifeln und Vorbehalten aufgenommen zu werden. Gefragt sind Angebote für Alternativen oder Varianten, die Vorurteile abbauen.

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    Eine gelungene Präsentation macht das Publikum zu Teilnehmenden und aktiviert sie zum Diskurs. Präsentierende und Teilnehmende sind hier gleichermaßen Agierende. Präsentationsveranstaltungen bestehen deshalb zu gleichen Teilen aus Vortrag und Diskussionsrunde. Wer länger als 15 Minuten vorträgt, kann das Publikum schnell verlieren. Die Aktivität wird dann herausgefordert, wenn im Vortrag Kennziffern und Kriterien bereitgestellt werden. Sie ermöglichen ein eigenständiges Bewerten der angebotenen Lösungsvarianten.

    In Ihrem Buch „Lehren mit Erfolg“ gehen Sie auf die Planung und Steuerung von Lehrveranstaltungen ein. Was sind die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Lehrveranstaltung?

    Erfolgsfaktoren für eine gelungene Lehre sind Aktivität der Lernenden und Offenheit der Dozent:innen, um angemessen diese Aktivität realisieren zu können.

    Lernende sind nicht nur Zuhörende, sondern vor allem Agierende. Die Dozierenden geben Impulse, beraten und moderieren. Im Mittelpunkt der Planung stehen die inhaltlichen und organisatorischen Maßnahmen, um die Aktivität der Lernenden auszulösen. Dazu gehört neben dem Vermitteln von Überblick und Orientierung vor allem das Vorbereiten zielführender Arbeitsaufträge für Einzel- oder gemeinschaftliche Lerntätigkeiten.

    Eine von der Aktivität der Lernenden geprägte Lehrveranstaltung ist durch Offenheit im Verlauf und im Ergebnis gekennzeichnet. Das setzt eine Risikobereitschaft der Dozierenden voraus! Der Lehrstoff ist begründet zu reduzieren. Dennoch kann nicht alles Geplante möglicherweise realisiert werden. Außerdem könnten Fragen der Lernenden Nichtwissen beim Lehrenden offenbaren. Doch Mut findet meist Anerkennung.

    Sowohl in „Wissenschaftliche Arbeiten“ als auch „Lehren mit Erfolg“ behandeln Sie das Thema „Konflikte bzw. schwierige Situationen beherrschen“. Welche Konfliktsituationen können auftreten und wie können diese gelöst werden?

    Konflikte entstehen durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Auffassungen und sind von hoher Emotionalität geprägt. Oft haben sich die Parteien nicht vergewissert, ob sie die gegenteilige Auffassung richtig verstanden, die nonverbale Reaktion richtig wahrgenommen haben.

    Beispiel: Ein Dozent nimmt wahr, dass ein Lernender sich geistig aus der Zusammenarbeit verabschiedet hat. Er fasst das als Desinteresse an sich und dem angebotenen Lehrinhalt auf. In seinem Deutungsmuster bedeutet Unaufmerksamkeit Ablehnung gegenüber dem Dozenten. Der Konflikt deutet sich an. Seine erste Reaktion: „Wenn Sie das hier nicht interessiert, können Sie uns gern verlassen.“ Ist das Verhalten des Lernenden wirklich auf Desinteresse zurückzuführen? Könnte eine Überforderung im Verständnis oder vielleicht gesundheitliche Probleme, berufliche oder familiäre Sorgen dahinterstehen? In einem solchen Fall fühlt sich der Lernende zu Unrecht öffentlich abgekanzelt und rüstet zum Gegenangriff. Der Konflikt ist ausgebrochen!

    Deshalb sollten Lehrende ihre Wahrnehmung überprüfen. Auch eine direkte Reaktion gehört nicht in die Öffentlichkeit. Besser wäre es, in einer Pause den Lernenden zu fragen: „Haben Sie mit mir oder meinem Lehrinhalt ein Problem?“ So besteht die Chance, die Ursache für das wahrgenommene Verhalten zu erfahren und angemessen zu reagieren.

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  3. Leseprobe "Die Entscheidung"

    Für Hochschulabsolvent:innen und Promovierte gibt es eine Vielzahl spannender beruflicher Perspektiven, die sie nach ihrem Abschluss einschlagen können. Dabei stellt sich immer die Frage: Welche Richtung passt für mich? Diese Entscheidung ist nicht einfach. Das hat die #IchbinHanna-Debatte gezeigt. Viele junge Wissenschaftler:innen berichten von befristeten Verträgen und ihren damit verbundenen Sorgen.

    Eine Orientierung zur Entscheidung, ob Wissenschaftskarriere oder nicht, und wenn ja, in welche Richtung, möchte dieser Roman bieten. Die Protagonistin Amisha stellt alternative Berufswege anhand von realen Beispielen vor. So erfahren die Leser:innen, welche Optionen zur Wahl stehen und welche Anforderungen jeweils gestellt werden. Zahlreiche Tools, Checklisten, Selbstanalysen und Fallbeispiele helfen dabei. Ein gleichermaßen informativer wie unterhaltsamer Ratgeberroman für Studierende, Promovierende, Post-Docs.

    Leseprobe aus "Die Entscheidung. Ein Ratgeberroman über akademische Berufswege" von Reinhold Haller

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