linguistik

  1. Sprachen lernen in der Pubertät

    "Das Werk enthält praxisbewährte Hilfestellungen und Methodiken für guten Sprachunterricht während Jugendliche die Pubertät durchleben. (...) Deren Bedürfnissen zu entsprechen und dafür zu sorgen, dass eine spezielle, problematische Entwicklungsphase nicht negativ geprägt wird, dazu trägt das Buch bei. Die daraus folgende Methodik ermöglicht jeder Lehrkraft die Gestaltung hoffnungsvollen Unterrichts."

    Quelle: Jochen Vatter für Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V., 09.09.2021

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  2. Internetlinguistik \ 4 aktuelle Fragen an Prof. Dr. Konstanze Marx


    Wie verändert die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und/oder Lehralltag?

    Ich bin es zwar gewohnt, im Home-Office zu arbeiten (gerade trage ich den Schreibschuldenberg kontinuierlich ab), aber vorlesungsfreie Zeit bedeutet normalerweise auch Reisen, fachlicher Austausch auf Konferenzen, das fehlt mir sehr.

    Im Institut stehen sehr viele administrative Aufgaben an, die ich natürlich lieber im direkten Kontakt mit den Kolleg*innen angehe. Nun treffen wir uns zu regelmäßigen Videokonferenzen, es ist ein akzeptabler Kompromiss. Wie sich der Lehralltag gestalten wird, zeigt sich ab dem 20.4. Ich antizipiere einen deutlich größeren Zeitaufwand, weil es mir wichtig ist, so oft wie möglich mit meinen Studierenden zu interagieren. Freiräume, in denen Ideen im Diskurs entstehen konnten, wird man kaum simulieren können. Daher ist auch die Vorbereitung der Lehre natürlich anders als sonst. Das Semester muss nun minutiös geplant werden. Es braucht noch mehr als sonst eine Kurs-Choreographie. Lehrvideos müssen gescripted und aufgenommen werden. Dazu müssen wir uns mit neuen technischen Tools auseinandersetzen. Plattformen für synchrone Lehrveranstaltungen, die von der jeweiligen Universität präferiert werden, müssen erkundet und erprobt werden. Das Wissen darüber bereiten wir gerade auch für weniger affine Kolleg*innen auf. Auch über Twitter und Padlets werden Erfahrungen geteilt, damit Kolleg*innen und Studierende an anderen Universitäten davon profitieren können.

    Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus auf die derzeitige Situation im Bereich Internetlinguistik?

    Die Internetlinguistik beschäftigt sich mit drei Fragestellungen: 1. Wie nimmt die Internettechnologie Einfluss auf unsere Sprache, auf unsere Kommunikation, auf unser Interaktionsverhalten und damit auch auf unsere Kultur? 2. Mit welchen Methoden können wir diese Prozesse untersuchen? 3. Wie können die Daten dazu erhoben, archiviert und für andere zugänglich gemacht werden? Zur ersten Fragestellung sagte ich unter 3. noch etwas. Es zeigt sich aber gerade jetzt, dass die Fragestellungen 2 und 3 vor allem kollaborativ bearbeitet werden. Forscher*innen haben ihre Vernetzungsaktivitäten einmal mehr verstärkt, und arbeiten auf mehreren Ebenen noch intensiver zusammen, um z.B. Wege zur Zugänglichkeit von Daten aufzuzeigen. Wie gut das gerade in unserem Feld ohne physischen Kontakt geht, wird dabei sehr deutlich.

    Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich Ihr Bereich durch die Pandemie verändern wird? Ist mit interessanten Impulsen für die Forschung zu rechnen?

    Die Interaktion in Sozialen Medien hat immer schon problematische Aspekte im gesellschaftlichen Diskurs besonders sichtbar gemacht. COVID-19 als weltweite Krise legt sich quasi darüber und wirkt wie ein doppeltes Brennglas: Verschwörungsmythen, Wissenschaftsskepsis, Verbale Gewalt, Rassismus werden noch deutlicher. Aber auch Solidarisierungsstrategien lassen sich vermehrt beobachten. Das sind natürlich wichtige Prozesse, die internetlinguistisch untersucht werden. Darüber hinaus nutzen immer mehr Menschen bildbasierte technisch vermittelte Interaktionsformate. Es gibt natürlich schon Forschung dazu, wie diese in Alltagsinteraktionen eingebunden wird. Dass sie aber Alltagsinteraktionen und berufliche Interaktion in einem bislang nicht gekannten Ausmaß ersetzt, ist für die Internetlinguistik höchst relevant.

    Gehen Sie in Ihrem Lehr- und Arbeitsbuch „Internetlinguistik“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

    Wir beschreiben in unserem Buch ja sprachliche Phänomene in Sozialen Medien auf unterschiedlichen Beschreibungsebenen. Typischerweise können wir neue lexikalische Phänomene (etwa Corona-Komposita, z.B. Corona-ProtesteCorostern) wieder sehr schnell beobachten, und zwar in der Social-Media-Interaktion, die sich als Datenbasis zur Zeit umso mehr anbietet. Face-to-Face-Interaktionen sind ja derzeit auf ein Minimum reduziert oder finden eben auch technisch vermittelt statt. Auch  pragmatische Phänomene, wie z.B. der Metadiskurs #Connicorona, der sich Ende März entwickelte, lässt sich mit den im Buch beschriebenen Routinen zu vergleichbaren Phänomenen beschreiben. Darüber hinaus sind die Überlegungen zur Methodik und Ethik wichtiger denn je.

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  3. Argumentation \ 4 aktuelle Fragen an Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes


    Wie verändert eigentlich die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und/oder Lehralltag?

    Verändert hat sich, dass viele Termine nun in Videokonferenzen, per Telefon oder Mail stattfinden. Dadurch wird manches knapper und kompakter, es fehlen aber oft auch die Zwischentöne, die es im Miteinander sonst gibt. Da ich momentan Studiendekanin an unserem Fachbereich bin, hat diese Zeit deutlich mehr Kommunikations- und Organisationsaufgaben mit sich gebracht. Als Lehrende bereite ich meine Vorlesung und meine Seminare so vor, dass sie auch aus der Distanz funktionieren. Das macht auch Spaß und gibt interessante Aspekte, zeigt aber auch die Grenzen des Lehrens auf Distanz.

    Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus auf die derzeitige Situation für Ihr Thema Argumentation?

    Die Frage, wie wir Entscheidungen unter Bedingungen von Unsicherheit treffen, ist eine essentiell rhetorische Frage und eine Frage für rhetorische Ansätze zur Argumentation. In der momentanen Situation erleben wir dies wie unter einem Brennglas. Gesellschaftliches und politisches Handeln erlangt Legitimität durch den Austausch von Argumenten – durch das Geben und Nehmen von Gründen – und durch die grundlegende Einstellung, bereit zu sein, sich überzeugen zu lassen. Nun müssen wir sehr schnell aushandeln: Wer hat Glaubwürdigkeit, wer nicht, wie werden Entscheidungen begründet, welche Gründe und Topoi sind relevant? Sind das nur Gründe aus dem Feld der Virologie oder auch aus der Pädagogik, der Sozialmedizin, der Psychologie, der Politikwissenschaft usw. Wir müssen momentan Argumentationsanalyse im Schnelldurchlauf machen und zugleich brauchen wir nichts so sehr wie eine kritische Prüfung von Argumenten.

    Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich durch die Pandemie Ihr Thema Argumentation dauerhaft verändern wird?

    Ich hoffe, dass diese Krise zeigen wird, dass argumentativer Austausch die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft ist und sein muss und dass dieser nicht umgangen werden kann, wenn nicht dauerhafte negative Folgen für das Gemeinwesen entstehen sollen.

    Gehen Sie in Ihrem Buch "Argumentation", auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

    Ich glaube ja: Die Frage „Was macht ein Argument zu einem guten Argument, wodurch erlangt es Geltung und Gültigkeit?“ ist für diese Debatte hochrelevant. Am wichtigsten ist dabei aus meiner Sicht die Spannung zwischen dialektischen und rhetorischen Ansätzen zur Argumentation. Die rhetorische Sicht interessiert sich dafür, wie und welche Argumente ein Publikum überzeugen: Sie fokussiert auf Effektivität. Ein Argument, das die Adressaten nicht erreicht, das nicht an das anschließen kann, was schon für wahr gehalten wird, läuft ins Leere. Zugleich ist hier immer eine hohe (dialektische) Skepsis angebracht, denn die reine Akzeptanz kann oder sollte – je nach Perspektive – kein Kriterium für ein gutes Argument sein. Was dann genau die Basis für die kritische Prüfung sein kann, ist umstritten: logische Schlüssigkeit, Wahrhaftigkeit, die kontrafaktische Annahme idealer Bedingungen?

    Ein weiteres Thema, das wir sowohl in dieser als auch in anderen aktuellen Debatten sehen, ist die enge Verbindung von Argumentieren und Erzählen. Argumentieren und Erzählen sind eben nicht zwei grundsätzlich entgegengesetzte Formen, einander zu überzeugen, sondern können ineinandergreifen, auch durch das Erzählen können wir argumentieren. Wenn man die Ansicht teilt, dass das Erzählen eine grundlegende Form des Verstehens und der Sinngebung ist, dann ist es vielleicht sogar eine besonders wirksame Form des Argumentierens (und hier wäre dann wieder Raum für die dialektische Skepsis …).

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