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  1. Sprachen lernen in der Pubertät

    "Das Werk enthält praxisbewährte Hilfestellungen und Methodiken für guten Sprachunterricht während Jugendliche die Pubertät durchleben. (...) Deren Bedürfnissen zu entsprechen und dafür zu sorgen, dass eine spezielle, problematische Entwicklungsphase nicht negativ geprägt wird, dazu trägt das Buch bei. Die daraus folgende Methodik ermöglicht jeder Lehrkraft die Gestaltung hoffnungsvollen Unterrichts."

    Quelle: Jochen Vatter für Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V., 09.09.2021

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  2. Heinrich-Böll-Preis für unseren Autor José F.A. Oliver


    Im Gedenken an einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1972 vergibt die Stadt Köln den seit 1985 nach Heinrich Böll benannten Literaturpreis. Er ist mit 30.000 Euro dotiert

    Zu den bisher Ausgezeichneten gehören Menschen wie zum Beispiel Hans-Magnus Enzensberger, Elfriede Jelinek, Dieter Wellershoff, Alexander Kluge, Eva Menasse oder Herta Müller.

    Der Preisträger des Jahres 2021, José F. A. Oliver, wird am 26. November 2021 im Historischen Rathaus mit dem Heinrich-Böll-Preis 2021 ausgezeichnet. Die Jury entschied sich in ihrer Sitzung am 21. Mai 2021 für den in Hausach im Schwarzwald geborenen Schriftsteller andalusischer Herkunft.

    Die Jury begründet ihre Entscheidung damit das José F. A. Oliver „zu den herausragenden Lyrikern und Essayisten unserer Zeit“ gehört. „Die Sprachmagie seiner Verse sowie seiner Prosa, die ein Alphabet aus Aufbruch und Ankunft deklinieren, sind von analytischer Prägnanz, fein durchdacht und dabei von haptischer Lebenslust durchzogen!“

    José F. A. Oliver ist Autor unserer Reihe „Dialoge im Deutschunterricht“, einer Literaturdidaktik-Reihe für Lehrkräfte mit Konzepten für die Unterrichtspraxis. Es geht dabei um die sinnvolle und gezielte Einbindung von Literatur in den Deutschunterricht aller Schularten und Altersstufen. Sein aktuelles Werk zu diesem Thema ist in unserem Narr Francke Attempto Verlag erschienen und trägt den Titel „Unterrichtswelten – Dialoge im Deutschunterricht“.

    Der ganze Verlag gratuliert dem Autor zu dieser ehrenvollen Auszeichnung.

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  3. Deutscher Verlagspreis 2021: Wir sind Preisträger!

    Große Freude in unserem Verlagssitz in Tübingen-Hirschau: Der Narr Francke Attempto Verlag ist mit einem der drei undotierten Deutschen Verlagspreise 2021 ausgezeichnet worden. Ein undotiertes Gütesiegel gibt es jeweils für drei Verlage, deren durchschnittlicher Jahresumsatz drei Millionen Euro übersteigt.

    Monika Grütters erklärt zur Preisverleihung: „Mit ihrem Gespür für Leserinnen und Leser und dem eigenen Kopf für Themen auch jenseits der ausgetretenen Pfade sorgen die unabhängigen Verlage für eine einzigartige Vielfalt auf dem deutschen Buchmarkt. Gerade in diesen Zeiten der Krise haben sie echten Mut zum unternehmerischen Risiko bewiesen. Dieses Engagement für das Kulturgut Buch verdient unsere besondere Anerkennung!“

    Die Preisverleihung an die insgesamt 66 ausgezeichneten Verlage findet am 1. Juli 2021 um 18 Uhr in Anwesenheit von Staatsministerin Monika Grütters in den Münchner Kammerspielen statt. Entscheidende Kriterien für die Auswahl durch die unabhängige Fachjury sind – neben einem überzeugenden Verlagsprogramm – das kulturelle Engagement der Bewerberinnen und Bewerber, die Umsetzung neuartiger Projekte oder eine außerordentlich hohe Qualität der verlegerischen Arbeit.

    Der Jury unter Vorsitz der Germanistin und Literaturkritikerin Insa Wilke gehören an:

    • Die Literaturübersetzerin Patricia Klobusiczky,
    • Der Leiter Business Development der Frankfurter Buchmesse Lars Birken-Bertsch,
    • der Buchhändler und Bookstagrammer Florian Valerius,
    • der Ressortleiter des Feuilletons der FAZ Hannes Hintermeier,
    • der freie Hersteller und Buchgestalter Hans-Heinrich Ruta und
    • der Leiter des Literaturhauses Hamburg Rainer Moritz.

    Unsere Gratulation an die Mitausgezeichneten, unser Dank an die Jury – und unsere Freude an unsere Leser:innen über die Anerkennung unseres Programms!

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  4. "Sprache verändert sich, und das ist gut so"


    „Die Sprache verändert sich, und das ist gut so“ – Prof. Christa Dürscheid im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Beat Glogger in der Gesprächsreihe „Geisteswissenschaft konkret“ der Universität Zürich.

    Heißt es nun: “Während dem Fußballspiel“? Nein: Es heißt nach wie vor: „Während des Fußballspiels“ – denn die Präposition „während“ regiert den Genitiv, nicht den Dativ. Aber in der Umgangssprache beginnt der 3. Fall den 2. zu meucheln. Ist der Dativ also dem Genitiv sein Feind? Ja, sagt Prof. Christa Dürscheid, dann nämlich wenn es um die Einhaltung von Normen in der Sprache geht. Und Normen sind zumindest für den, der ein gewisses Sprachempfinden besitzt, eine Herzensangelegenheit. Andererseits verändert sich Sprache. Sie bleibt in Bewegung, integriert bislang unbekannte Elemente – wie die „Emojiis“ in den sozialen Netzwerken. Ein Unglück? Keineswegs! Denn es gilt: „Sprache verändert sich!“ sagt die Professorin für Deutsche Sprache an der Universität Zürich. „Und das ist gut so!“

    Christa Dürscheid hat eine Professur für deutsche Sprache. Sie ist Trägerin des Konrad-Duden-Preises 2020 (https://www.duden.de/ueber_duden/konr...​) und veröffentlicht unter https://twitter.com/VariantenGra​ regelmäßig Tweets zur sprachlichen Variation im Deutschen.

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  5. Digitale Lehre: Interview mit Prof. Dr. Konstanze Marx


    "Gute Lehre kommt für mich fortan nicht mehr ohne digitale Elemente aus."

    Hatten Sie vor der Corona-Pandemie schon Erfahrungen mit digitalen Lehrformaten?

    Ja, z.B. habe ich – motiviert durch die hervorragende Vorarbeit von Michael Beißwenger und seinem Team – das wikibasierte Planspiel Ortho & Graf zum Gegenstand eines Seminars für angehende Deutsch-Lehrkräfte gemacht. Überraschend für mich war, dass am Ende des Semesters alle Lehramtsstudierenden auf die Frage, ob sie dieses Spiel später im Unterricht einsetzen würden, eher zurückhaltend reagierten. Das war recht kurz bevor die Pandemie ausbrach. Im zurückliegenden Wintersemester gestaltete sich die Situation ganz anders. Wir haben ein Seminar in Kooperation mit einem Gymnasium durchgeführt, in dem die Studierenden schon sehr kompetent digitale Lehrveranstaltungen leiteten und die Notwendigkeit, sich mit solchen Formaten auseinanderzusetzen, gar nicht mehr bezweifelten.

    Wissenschaft lebt vom lebendigen Diskurs, vom Austausch der Blickwinkel. Kann digitale Lehre in ihrer Eindimensionalität wirklich Wissenschaft vermitteln? 

    Ich kann nicht erkennen, inwiefern digitale Lehre eindimensional sein soll. Es handelt sich hierbei um höchstkomplexe Formen der Wissensvermittlung über mindestens drei Säulen. Digitale Lehre integriert Kommunikation, technische Kompetenz/Affinität und wissenschaftliche Inhalte. Das Besondere an digitaler Lehre ist meines Erachtens, dass Dinge, die nicht gut laufen (oder schon in der Präsenzlehre nicht gut gelaufen sind), schonungslos sichtbar werden und umgekehrt sich eben auch funktionierende Konzepte bewähren. Ich bin äußerst dankbar für die Erfahrungen, die ich in diesem Kontext bislang sammeln konnte und für die Möglichkeiten, die sich daraus für kollaboratives und auch interdisziplinäres Lehren und Lernen einerseits aber auch für universitätsübergreifende Kooperationen andererseits ergeben (haben).

    Wie ist die menschliche Komponente im digitalen Unterricht? Kann man als Professor*in am Bildschirm das Engagement und Wissen seiner Studierenden wirklich gut nachvollziehen?

    Durch die digitale Lehre hat sich nicht verändert, dass hier Menschen miteinander interagieren – obgleich es natürlich durchaus auch sinnvolle Überlegungen gibt, Chatbots dort zu integrieren, wo es außerhalb der aktuell laufenden Lehrveranstaltung angemessen ist. Gerade die technische Vermittlung verdeutlicht, wo es defizitäre Kommunikation gibt (oder gab). Die allgemeinen Anforderungen an die zwischenmenschliche Interaktion haben sich verändert: Das betrifft das hohe Bedürfnis bereits auf alle Informationen zugreifen zu können, bevor überhaupt die Vorlesungszeit begonnen hat. Das betrifft den selbst erhobenen Anspruch, Kanäle für die Rückkopplung einzurichten und kontinuierlich zu monitoren. Auch bei den Formulierungen der Aufgabenstellungen ist immer noch mehr Präzision möglich. Im Besonderen kann ich nur sagen, dass sich der digitale (und damit auch geschützte) Seminarraum gerade da bewährt hat, wo es um brisante Daten geht, die eben Gegenstand meiner Forschung zu verbaler Gewalt, zu Tabuisierungen sind. So haben wir uns Interaktionsräume für emotional sehr fordernde Kommunikationssituationen erschlossen. Gern würde ich von der Sichtweise einer idealisierten Präsenzlehre Abstand nehmen. Auch wenn wir uns alle gemeinsam in einem Raum befinden, kann ich nicht vollständig nachvollziehen, über welchen Wissensstand alle anwesenden Studierenden verfügen, auch bringen sich in Präsenz nicht alle Teilnehmenden ostentativ engagiert in die Seminardiskussion ein oder kommen zu jeder Sitzung.

    Wie wird es bei Ihnen zukünftig aussehen? Welche „kampferprobten“ Konzepte nehmen Sie aus der Krise mit in die Lehre der Zukunft?

    Die Konzeptualisierung des mittlerweile einjährigen sehr produktiven, innovativen Lernprozesses bei allen Beteiligten als „Kampf“, erscheint mir nicht adäquat. Ich persönlich habe hervorragende Erfahrungen mit einer guten Kombination aus asynchronen Wissensvermittlungsformaten einerseits und diskursiven synchronen Elementen andererseits gemacht. Gerade in Vorlesungen habe ich so Zugang zu Fragen und Missverständnissen erhalten, für die es vorher gar keinen Raum gab. Als besonders fruchtbar hat sich auch die gemeinsame konzentrierte Datenanalyse herausgestellt, die möglicherweise auch deshalb so gut gelang, weil die sprachlichen Belege bei allen sprichwörtlich im Fokus – auf der Mitte des Bildschirms – standen und es rundherum keine Ablenkung gab. Auf solche und andere Formate werde ich gern auch später zurückgreifen. Auch die Archivierung von Seminarinhalten erachte ich als sinnvoll für die Studierenden, z.B. für die Wiederaufnahme in anderen Lehrveranstaltungen oder die Prüfungsvorbereitung. Gute Lehre kommt für mich fortan nicht mehr ohne digitale Elemente aus. Dabei darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass das Gesamtpaket „Digitale Lehre“ einen enormen Mehraufwand für Dozierende bedeutet.

    Zur Autorin:
    Prof. Dr. Konstanze Marx ist Lehrstuhlinhaberin für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Greifswald und Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Deutsche Philologie.

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  6. Sprachen lernen in der Pubertät


    Interview mit Prof. Dr. Michaela Sambanis, Freie Universität Berlin zu „Sprachen lernen in der Pubertät“

    Warum sind Jugendliche eine besondere Zielgruppe für Ihre Forschungen?

    Wer mit Jugendlichen zu tun hat, der weiß, dass diese Zielgruppe herausfordernd und manchmal auch anstrengend sein kann. Aber warum eigentlich?
    Die Jugendzeit ist die Phase, in der das Gehirn gezielt umgebaut wird, und zwar so, dass es bestmöglich an die Anforderungen angepasst ist, die es zu erbringen hat. Der Umbau beginnt im hinteren Bereich des Gehirns und läuft weiter bis nach vorne zu den präfrontalen Bereichen. Dort, hinter der Stirn, wird besonders intensiv und lange umgebaut. Die Umstrukturierung ist erst ca. mit 25 Jahren abgeschlossen. In den frontalen Regionen sind übergeordnete Steuer- und Kontrollfunktionen verortet. Sie werden aktiviert, wenn es gilt, etwas zu planen, vernünftige Entscheidungen zu treffen, überlegt zu handeln usw., Leistungen, die Jugendlichen während bzw. wegen des Umbaus der dafür zuständigen Bereiche mitunter schwer fallen. Ein maßgeschneidertes und gründliches Ausreifen dieser Regionen ist aber für das gesamte weitere Leben enorm wichtig, deswegen wird diesem „Umbauabschnitt“ in der Jugend besonders viel Zeit und damit zugleich die Möglichkeit gegeben, sehr vielen Lerngelegenheiten begegnen zu können.
    Verschiedene Verhaltensweisen in der Pubertät lassen sich vor dem Hintergrund solcher Erkenntnisse besser verstehen und es fällt leichter, sie einzuordnen. Die Pubertät ist eine enorm wichtige Entwicklungsphase, in der das Gehirn einen umfangreichen Entwicklungsschub macht. Aus diesem Grund ist die Zielgruppe der Jugendlichen eine besondere und eine besonders wichtige für meine Arbeit.

    Was können Lehrkräfte aus den Erkenntnissen zur Entwicklung des jugendlichen Gehirns lernen?

    Die Erkenntnisse der Hirnforschung können Lehrkräften dabei helfen, besser zu verstehen und eine gute Balance zwischen Gelassenheit und sinnvollen Regeln zu finden sowie entwicklungsgemäße Anreize zu schaffen. Das Gehirn braucht in dieser Phase neue Erfahrungen, um sich weiterentwickeln zu können. Deswegen suchen viele Jugendliche nach Freiraum und beginnen, Vorgaben infrage zu stellen. Besonders durch neue Herausforderungen gelingt es dem jugendlichen Gehirn letztendlich u.a., die schon erwähnten übergeordneten Funktionen, wie z.B. vorausschauendes Denken, weiterzuentwickeln.
    Befunde der Hirnforschung belegen außerdem, dass es Jugendlichen tatsächlich schwerer fällt, Versuchungen zu widerstehen. Gehirnbereiche, die auf Spaß reagieren, befinden sich in einer Phase des Wachstums und zeigen besondere Aktivität. Dadurch haben Situationen, die Spaß in Aussicht stellen, eine besondere Anziehungskraft auf Heranwachsende. Im Unterricht gibt es Situationen, in denen das Verlangen nach Spaß mit der Bereitschaft zu ernsthaftem Lernen konkurriert, und oftmals muss man als Lehrkraft konsequent sein. In anderen Fällen hingegen, ist es möglich, die Affinität der Jugendlichen für Spaß methodisch und didaktisch zu nutzen, z.B. indem man Abwechslung in den Unterricht bringt, altersgemäß-spielerische Aufgabenformate einsetzt, die Kreativität anspricht, mit Übungen aus dem Improtheater arbeitet etc. Sprachen lernen in der Pubertät enthält eine Sammlung mit erprobten Praxisimpulsen für den Fremdsprachenunterricht speziell bei Jugendlichen.

    Die Pubertät ist übrigens als eine Teilphase der Adoleszenz definiert. Sie setzt bei Mädchen etwa eineinhalb Jahre früher ein als bei Jungen, bei Mädchen ca. mit 10 Jahren, bei Jungen mit 11 bis 12. Das Faszinierende an dieser Entwicklungsphase sind ihre Potenziale: Die Pubertät ist vor allem eine Zeit besonderer Lernchancen und besitzt hohe Relevanz.

    Welche Chancen bietet diese Phase?

    Ein für das Sprachenlernen besonders wertvolles Potenzial, eröffnet die kognitive Entwicklung: Sie macht in der Jugendzeit beachtliche Fortschritte. Jugendliche können vernetzter denken als jüngere Kinder. Die Entwicklungen im jugendlichen Gehirn ermöglichen schnellere Reizweiterleitung, sodass Verbindungen nunmehr auch über längere Distanzen aufgebaut werden können, wodurch die Vernetzung ausdifferenziert und erweitert wird. Bei jüngeren Kindern laufen kognitive Prozesse eher in lokal begrenzten Hirnregionen ab. Durch die optimierte Vernetzung im Gehirn sind Heranwachsende in der Lage, abstrakter und komplexer zu denken. Das kann beim Sprachenlernen genutzt werden, z.B. durch Unterrichtsverfahren, die zur Reflexion anregen, eigene Strukturierungen anstoßen oder auf eine Metaebene führen.
    Eine weitere beachtenswerte Entwicklung betrifft die Kreativität: Hier zeigen sich Fortschritte im Laufe der Pubertät, ein Höchststand wird etwa im Alter von 16 erreicht. Jugendliche besitzen demzufolge großes kreatives Potenzial, auch wenn sie es aus Bequemlichkeit oder Scheu nicht immer von sich aus nutzen. Betrachtet man diesen Befund zusammen mit der ebenfalls nachgewiesenen Spaß-Affintät Heranwachsender, dann eröffnen sich weitere Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche, altersgemäße Unterrichtsgestaltung (Theaterimpulse, Musik etc., mit humorvollen Texten arbeiten, das Gemeinschaftsgefühl stärkende Aktivitäten einsetzen,…).

    Viele Lehrkräfte und Eltern erleben die Pubertät vor allem als anstrengende Zeit. Warum vertreten Sie hingegen einen Stärken-Ansatz, nicht einen Defizit-Ansatz?

    Die frühe Kindheit und die Pubertät sind zwei entscheidende Entwicklungsphasen, in denen ganz viel Potenzial aufspringt, das für das Sprachenlernen genutzt werden kann. Der frühen Kindheit wird ihr besonderes Potenzial selten abgesprochen, bei der Pubertät hingegen sind viele erstaunt, dass auch sie eine Phase voller Chancen ist. Die Herausforderungen, die diese Entwicklungsphase mit sich bringt – übrigens nicht nur für Bezugspersonen, sondern auch für die Heranwachsenden selbst – stelle ich nicht infrage, aber wir schenken m.E. Defiziten recht viel Beachtung. Das gilt nicht nur für den Kontext Pubertät, sondern ist auch in anderen Bereichen zu beobachten, auch in Lernkontexten. Dabei zeigt Entwicklungsförderung oft bessere Ergebnisse, wenn sie Stärken fokussiert, anstatt nur oder vorrangig Defizite. Individuelle Stärken bilden Ressourcen, an denen man ansetzen kann, um den Aufbau von Selbstvertrauen, Resilienz und Zuversicht zu unterstützen. Wenn man als Lernender erkennt, dass man Stärken besitzt, lässt es sich auf dieser Grundlage deutlich leichter, bereitwilliger und erfolgreicher weiterarbeiten, auch an Bereichen, in denen man noch nicht so gut aufgestellt ist.  

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  7. Internetlinguistik \ 4 aktuelle Fragen an Prof. Dr. Konstanze Marx


    Wie verändert die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und/oder Lehralltag?

    Ich bin es zwar gewohnt, im Home-Office zu arbeiten (gerade trage ich den Schreibschuldenberg kontinuierlich ab), aber vorlesungsfreie Zeit bedeutet normalerweise auch Reisen, fachlicher Austausch auf Konferenzen, das fehlt mir sehr.

    Im Institut stehen sehr viele administrative Aufgaben an, die ich natürlich lieber im direkten Kontakt mit den Kolleg*innen angehe. Nun treffen wir uns zu regelmäßigen Videokonferenzen, es ist ein akzeptabler Kompromiss. Wie sich der Lehralltag gestalten wird, zeigt sich ab dem 20.4. Ich antizipiere einen deutlich größeren Zeitaufwand, weil es mir wichtig ist, so oft wie möglich mit meinen Studierenden zu interagieren. Freiräume, in denen Ideen im Diskurs entstehen konnten, wird man kaum simulieren können. Daher ist auch die Vorbereitung der Lehre natürlich anders als sonst. Das Semester muss nun minutiös geplant werden. Es braucht noch mehr als sonst eine Kurs-Choreographie. Lehrvideos müssen gescripted und aufgenommen werden. Dazu müssen wir uns mit neuen technischen Tools auseinandersetzen. Plattformen für synchrone Lehrveranstaltungen, die von der jeweiligen Universität präferiert werden, müssen erkundet und erprobt werden. Das Wissen darüber bereiten wir gerade auch für weniger affine Kolleg*innen auf. Auch über Twitter und Padlets werden Erfahrungen geteilt, damit Kolleg*innen und Studierende an anderen Universitäten davon profitieren können.

    Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus auf die derzeitige Situation im Bereich Internetlinguistik?

    Die Internetlinguistik beschäftigt sich mit drei Fragestellungen: 1. Wie nimmt die Internettechnologie Einfluss auf unsere Sprache, auf unsere Kommunikation, auf unser Interaktionsverhalten und damit auch auf unsere Kultur? 2. Mit welchen Methoden können wir diese Prozesse untersuchen? 3. Wie können die Daten dazu erhoben, archiviert und für andere zugänglich gemacht werden? Zur ersten Fragestellung sagte ich unter 3. noch etwas. Es zeigt sich aber gerade jetzt, dass die Fragestellungen 2 und 3 vor allem kollaborativ bearbeitet werden. Forscher*innen haben ihre Vernetzungsaktivitäten einmal mehr verstärkt, und arbeiten auf mehreren Ebenen noch intensiver zusammen, um z.B. Wege zur Zugänglichkeit von Daten aufzuzeigen. Wie gut das gerade in unserem Feld ohne physischen Kontakt geht, wird dabei sehr deutlich.

    Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich Ihr Bereich durch die Pandemie verändern wird? Ist mit interessanten Impulsen für die Forschung zu rechnen?

    Die Interaktion in Sozialen Medien hat immer schon problematische Aspekte im gesellschaftlichen Diskurs besonders sichtbar gemacht. COVID-19 als weltweite Krise legt sich quasi darüber und wirkt wie ein doppeltes Brennglas: Verschwörungsmythen, Wissenschaftsskepsis, Verbale Gewalt, Rassismus werden noch deutlicher. Aber auch Solidarisierungsstrategien lassen sich vermehrt beobachten. Das sind natürlich wichtige Prozesse, die internetlinguistisch untersucht werden. Darüber hinaus nutzen immer mehr Menschen bildbasierte technisch vermittelte Interaktionsformate. Es gibt natürlich schon Forschung dazu, wie diese in Alltagsinteraktionen eingebunden wird. Dass sie aber Alltagsinteraktionen und berufliche Interaktion in einem bislang nicht gekannten Ausmaß ersetzt, ist für die Internetlinguistik höchst relevant.

    Gehen Sie in Ihrem Lehr- und Arbeitsbuch „Internetlinguistik“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

    Wir beschreiben in unserem Buch ja sprachliche Phänomene in Sozialen Medien auf unterschiedlichen Beschreibungsebenen. Typischerweise können wir neue lexikalische Phänomene (etwa Corona-Komposita, z.B. Corona-ProtesteCorostern) wieder sehr schnell beobachten, und zwar in der Social-Media-Interaktion, die sich als Datenbasis zur Zeit umso mehr anbietet. Face-to-Face-Interaktionen sind ja derzeit auf ein Minimum reduziert oder finden eben auch technisch vermittelt statt. Auch  pragmatische Phänomene, wie z.B. der Metadiskurs #Connicorona, der sich Ende März entwickelte, lässt sich mit den im Buch beschriebenen Routinen zu vergleichbaren Phänomenen beschreiben. Darüber hinaus sind die Überlegungen zur Methodik und Ethik wichtiger denn je.

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  8. Argumentation \ 4 aktuelle Fragen an Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes


    Wie verändert eigentlich die Corona-Krise Ihren persönlichen Arbeits- und/oder Lehralltag?

    Verändert hat sich, dass viele Termine nun in Videokonferenzen, per Telefon oder Mail stattfinden. Dadurch wird manches knapper und kompakter, es fehlen aber oft auch die Zwischentöne, die es im Miteinander sonst gibt. Da ich momentan Studiendekanin an unserem Fachbereich bin, hat diese Zeit deutlich mehr Kommunikations- und Organisationsaufgaben mit sich gebracht. Als Lehrende bereite ich meine Vorlesung und meine Seminare so vor, dass sie auch aus der Distanz funktionieren. Das macht auch Spaß und gibt interessante Aspekte, zeigt aber auch die Grenzen des Lehrens auf Distanz.

    Was ist die gravierendste Veränderung durch das Virus auf die derzeitige Situation für Ihr Thema Argumentation?

    Die Frage, wie wir Entscheidungen unter Bedingungen von Unsicherheit treffen, ist eine essentiell rhetorische Frage und eine Frage für rhetorische Ansätze zur Argumentation. In der momentanen Situation erleben wir dies wie unter einem Brennglas. Gesellschaftliches und politisches Handeln erlangt Legitimität durch den Austausch von Argumenten – durch das Geben und Nehmen von Gründen – und durch die grundlegende Einstellung, bereit zu sein, sich überzeugen zu lassen. Nun müssen wir sehr schnell aushandeln: Wer hat Glaubwürdigkeit, wer nicht, wie werden Entscheidungen begründet, welche Gründe und Topoi sind relevant? Sind das nur Gründe aus dem Feld der Virologie oder auch aus der Pädagogik, der Sozialmedizin, der Psychologie, der Politikwissenschaft usw. Wir müssen momentan Argumentationsanalyse im Schnelldurchlauf machen und zugleich brauchen wir nichts so sehr wie eine kritische Prüfung von Argumenten.

    Kann man bereits jetzt erahnen, wie sich durch die Pandemie Ihr Thema Argumentation dauerhaft verändern wird?

    Ich hoffe, dass diese Krise zeigen wird, dass argumentativer Austausch die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft ist und sein muss und dass dieser nicht umgangen werden kann, wenn nicht dauerhafte negative Folgen für das Gemeinwesen entstehen sollen.

    Gehen Sie in Ihrem Buch "Argumentation", auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Thematiken ein, die für die aktuelle Situation relevant und nützlich sind?

    Ich glaube ja: Die Frage „Was macht ein Argument zu einem guten Argument, wodurch erlangt es Geltung und Gültigkeit?“ ist für diese Debatte hochrelevant. Am wichtigsten ist dabei aus meiner Sicht die Spannung zwischen dialektischen und rhetorischen Ansätzen zur Argumentation. Die rhetorische Sicht interessiert sich dafür, wie und welche Argumente ein Publikum überzeugen: Sie fokussiert auf Effektivität. Ein Argument, das die Adressaten nicht erreicht, das nicht an das anschließen kann, was schon für wahr gehalten wird, läuft ins Leere. Zugleich ist hier immer eine hohe (dialektische) Skepsis angebracht, denn die reine Akzeptanz kann oder sollte – je nach Perspektive – kein Kriterium für ein gutes Argument sein. Was dann genau die Basis für die kritische Prüfung sein kann, ist umstritten: logische Schlüssigkeit, Wahrhaftigkeit, die kontrafaktische Annahme idealer Bedingungen?

    Ein weiteres Thema, das wir sowohl in dieser als auch in anderen aktuellen Debatten sehen, ist die enge Verbindung von Argumentieren und Erzählen. Argumentieren und Erzählen sind eben nicht zwei grundsätzlich entgegengesetzte Formen, einander zu überzeugen, sondern können ineinandergreifen, auch durch das Erzählen können wir argumentieren. Wenn man die Ansicht teilt, dass das Erzählen eine grundlegende Form des Verstehens und der Sinngebung ist, dann ist es vielleicht sogar eine besonders wirksame Form des Argumentierens (und hier wäre dann wieder Raum für die dialektische Skepsis …).

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