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  1. "Viele Filme erzählen ihre Geschichte nicht!" – Drehbuchautor Hagen Myller im Interview


    Die 73. Berlinale steht vor der Tür. Weltweit eines der bedeutendsten Ereignisse der Filmbranche. Unser Autor von „Filme drehen“, Hagen Myller, erklärt im Interview, warum immer mehr deutsche Filme ihre Geschichte nicht mehr erzählen und was eine falsche Filmförderung damit zu tun hat.

    Was zeichnet ein gutes Drehbuch aus?

    H.M.: Wenn es eine Geschichte erzählt. Dafür gibt es zwei Voraussetzungen. Die eine ist, dass das Drehbuch überhaupt eine Geschichte hat. Leider erzählen viele Drehbücher ihre Geschichte nicht, weil die Urheber oft keine klare Vorstellung von dem haben, was sie eigentlich sagen wollen. Eine These, die ich in meinem Buch vertrete, ist, dass es sich bei dem 3-Akt-Schema um eine Argumentationsstruktur handelt, die auf die 'Moral von der Geschicht' hinausläuft. Wenn Sie aber keine klare Vorstellung von dem haben, was sie erzählen wollen, können Sie das auch nicht klar ausdrücken.

    Und was ist das zweite Problem?

    H.M.: Das zweite Problem ist, dass die Autoren und Autorinnen das, was sie erzählen wollen, nicht filmisch erzählen. Da steht z.B. in einer Szene, dass eine Figur das Zimmer betritt und sich nervös setzt. Aber woran sehe ich als Zuschauer, dass sie nervös ist? Da schiebt der Autor dem Regisseur und dem Schauspieler etwas zu, was eigentlich seine Arbeit ist. Oder er versucht das Problem zu lösen, indem er eine andere Figur fragen lässt, "Geht's dir nicht gut?" Das ist natürlich Mist.

    Und wie sieht das in einem guten Drehbuch aus?

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    H.M.: Wenn Sie Nervosität in der Szene ausdrücken wollen, dann vielleicht dadurch, dass die Figur versucht sich schnell zu setzten, um einen sicheren Platz zu erreichen. Und dann stößt sie dabei vielleicht noch etwas um, was auf dem Tisch steht und reagiert fahrig darauf. Das sind dann Dinge in einem Drehbuch, mit denen ein Schauspieler auch etwas anfangen kann. So setzt sich eine Filmgeschichte aus Handlungen zusammen.

    Also braucht ein guter Film viel Handlung, oder geht es auch ganz still?

    H.M.: Da insinuieren Sie einen Widerspruch, der so nicht existiert. Bei Actionfilmen ist die Frage doch nur, wie oft der Held eins mit dem Baseballschläger über den Schädel gezogen kriegt, bevor er dann doch wieder aufsteht. Das ist absolut lächerlich. Dass Handlung und Stille sich nicht ausschließen, sehen Sie in dem Film "Stalker" von Andrej Tarkowski. Er hat am Anfang seines Films eine Actionszene, die er in nur wenigen, einfachen Einstellungen gefilmt hat, die aber total dynamisch ist. Der Rest des Films ist still. Großartige Handlungen gibt es da nicht. Aber alles steht in dem Spannungsverhältnis, was die Motive der Figuren sind. Von diesem Spannungsverhältnis lebt dieser Film, von der Verzweiflung der Figuren. Auf der anderen Seite steht das, was ich situationsorientierte Filme nenne, die nur Zustände zeigen und sich nicht über Handlung erzählen. Dabei sind sie nur scheinbar still. Tatsächlich sind sie ziemlich laut, weil sie ihre Geschichten über bedeutungsschwangere, aber nichtssagende Dialoge erzählen. Davon gibt es in Deutschland leider viel zu viele.

    Welche Geschichten eignen sich besonders fürs Filmemachen?

    H.M.: Das ist eine alte Streitfrage. Stanley Kubrick hat gesagt: "If it can be written or thought, it can be filmed." Ich denke, Film eignet sich für alle Geschichten, in denen sich etwas bewegt. Film ist das Medium, das Bewegung aufzeichnet, und das können Sie auch übertragen sehen: Movies it's called. You got to move your audience!

    Sie betonen die Rolle der Montage – warum ist das für Sie so wichtig?

    H.M.: Man muss sich anschauen, was Film eigentlich ausmacht. Zunächst ist da eine Aufnahme. Dann kommt eine zweite dazu. Jetzt fügen Sie die beiden Aufnahmen zusammen und Sie erhalten eine bestimmte Aussage. Und wenn Sie die Reihenfolge der beiden Clips umdrehen, erhalten Sie eine andere Aussage. Das ist Film. Montage bedeutet, dass man etwas Ganzes erzeugt, indem man es aus Teilen zusammensetzt. Und das betrifft alle Elemente einer Geschichte. Eine Filmgeschichte baut sich modular auf. Und dabei ist es egal, ob Sie eine Szene durch Montage oder durch innere Montage erzählen. Das ist dann eine Stilfrage.  Aber das Prinzip ist das Gleiche.

    Welche Eigenschaften zeichnen für Sie einen guten Regisseur aus?

    H.M.: Das hängt davon ab, wen Sie fragen. Viele Leute haben die Vorstellung von einem Regisseur als Zampano. Diese Vorstellung ist nicht unberechtigt. Sie müssen ein Team leiten und das bedeutet, dass Sie wissen müssen, was Sie wollen. Wenn Sie nur rumprobieren, weil Sie nicht wissen, was Sie wollen, springt Ihnen Ihr Team ab. Für Produzenten ist ein guter Regisseur ein Regisseur, der im Budget bleibt. Eine andere Voraussetzung ist, den Stil z.B. einer Serie umzusetzen und fortzuführen. ich denke, was einen guten Regisseur auszeichnet, ist das letzte der drei großen H, Handwerk, Handschrift und Haltung. Handwerk ist die Voraussetzung, Handschrift ist der persönliche Stil. Kunst entsteht nur, wenn der Regisseur eine eigene Haltung zum Leben hat und die auch im Film umsetzen kann. Das gibt es selten. Die Schwierigkeit liegt im 'und', eben nicht nur eine Haltung zum Leben zu haben, sondern sie auch im Film umsetzen zu können. Man erkennt es daran, ob ein Regisseur das Wesentliche erzählt und weiß, was er weglassen kann. Picasso hat einmal gesagt, "Kunst ist die Kunst des Weglassens." Das trifft auch auf den Film zu.

    Sie kritisieren schon seit längerem die Filmförderung in Deutschland. Warum?

    H.M.: Weil keine guten Filme dabei herauskommen. Deutschland produziert um die 150 Kinofilme pro Jahr, von denen nur zwei bis drei Prozent an der Kinokasse erfolgreich sind. Auf der künstlerischen Seite sieht es nicht besser aus. In den Wettbewerben der großen A-Festivals wie Cannes ist der deutsche Film nicht mehr vertreten. Ein Problem sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, ohne die die Finanzierung eines größeren Kinofilms praktisch nicht möglich ist. Mit Filmen für die Prime Time von Sendern, deren Zuschauerschaft um die 60 Jahre alt ist, locken Sie aber niemand ins Kino und gewinnen auch keine Preise.

    Liegt das Problem nur an den Sendern?

    Nein, natürlich nicht. Das Grundproblem ist, dass nur eines von vier Projekten in Deutschland gefördert werden kann. Mehr Geld ist nicht vorhanden. Und die Entscheidung darüber, was finanziert wird, treffen die Gremien der Förderungsinstitutionen, in denen allerdings auch die Sender vertreten sind. Eigentlich macht man Filme für das Publikum, aber wenn die Gremien mein Projekt ablehnen, erreiche ich mein Publikum schon gar nicht. Also stricke ich als Produzent mein Projekt so, dass es von den Gremien gefördert wird und denke erst in zweiter Linie an das Publikum. Dass das nicht erfolgreich ist, zeigen die Zahlen an der Kinokasse. Die deutsche Filmförderung sollte stärker nach Erfolgskriterien ausgerichtet werden, als das bisher durch die Referenzförderung erfolgt. Das wäre gerecht. Aber ich befürchte, dass dies auch nach der Novellierung des FFG (Filmförderungsgesetz) nicht der Fall sein wird. Es gibt einfach zu viele Interessengruppen, die nichts anderes versuchen, als ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen.

    Autoreninformation:

    Hagen Myller (M.A.) studierte Theater und Film. Er ist Autor, Regisseur, Produzent und als freier Dozent tätig. Er war bzw. ist an der Filmakademie Baden-Württemberg, ISFF Institut für Schauspiel, Film- Fernsehberufe Berlin, Masterschool Drehbuch Berlin, SAE Institute Berlin, Bochum, Hannover, Frankfurt, Stuttgart in der Lehre tätig.

     

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  2. Loyale Führung für eine bessere Unternehmenskultur



    Eine loyale Führung ist in Zeiten von Fachkräftemangel und Krisen wichtiger denn je! Darüber hat unsere Autorin Miriam Engel (loyalworks) jüngst einen Artikel im Magazin „managerSeminare“ veröffentlicht. Wir sprachen mit ihr im Interview über den Schlüsselfaktor Loyal Leadership:

    Loyalität ist Ihre Handlungsmaxime, die Sie jedem ans Herz legen. Welche Bedeutung hat Loyalität heute?

    Miriam Engel: Loyalität gehört in meinen Augen zu den entscheidendsten Faktoren, wenn es um die Themen Führung und Beschäftigtenbindung geht. Aktuell ist offensichtlich, wie stark es an Loyalität in unserer Gesellschaft und in unserer Wirtschaft fehlt – zahlreiche Magazine berichten über die stille Kündigungswelle, die auf den ersten Blick jeder Logik entsagt: Denn wie können Menschen in einer so unsicheren Zeit mit steigender Inflation freiwillig das Risiko eingehen, auf ihr Gehalt zu verzichten, indem sie kündigen?

    Ich wage mich mal vor und versuche eine Antwort darauf zu geben: Äußere Einflüsse stellen Menschen auf die Probe. Fühlen sich Menschen bedrängt, neigen sie dazu, ihre Eigenschaften noch stärker auszuleben als üblich. Die Folge: Charaktermerkmale potenzieren sich. Die Kündigungswelle, die sich aktuell beobachten lässt, zeigt einen dieser Ausschläge an: Wenn mein Gehalt nicht hoch genug ist, um die steigenden Kosten bewältigen zu können, wenn das Risiko zur unberechenbaren Ungewissheit wird... dann kann ich mich auch gleich für das Leben entscheiden, das ich in meinen Träumen führen will. Dann kann ein Arbeitsplatzwechsel es auch nicht mehr schlimmer machen. Dann kann ich auch meinen lang gehegten Traum der Selbstständigkeit jetzt angehen...

    Heißt, zu wenig Loyalität im Unternehmen führt zum inneren Rückzug der Beschäftigten?

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    Miriam Engel: Ja, sie fangen endlich an, ganz ehrlich zu sich sein. Und wenn sie in sich hinein fühlen – nicht denken! Dann fällt ihnen auf: Nichts ist vollkommen sicher. Ich verstehe diese Menschen. Ich stand 2010 aus anderen Gründen in so einer Situation, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ich hatte schon lange körperliche Beschwerden, die ich mit Tabletten, Spritzen und Physiotherapie versucht habe, zu unterdrücken. Auf der Spurensuche nach einer Diagnose ging es kaum voran, es wurden nur mehr und mehr Erkrankungen ausgeschlossen, die es nicht waren. Aber was es war, das mir Tag und Nacht, in jeder Minute, mit jeder Bewegung zeigte: Hier läuft etwas absolut falsch! Ich war so unsicher! Ich hatte Angst um mein Leben. Angst, dass sich mein Körper Stück für Stück selbst zerstörte und dass niemand mir helfen konnte. In diesem Moment habe ich gehandelt wie jemand, der gerade erfährt, dass er sterben wird. Ich schrieb mir eine Bucket List, was ich unbedingt noch erleben möchte, und entschied für mich, mein Leben ab sofort nach meinen Bedingungen auszurichten. Zu dieser Lebenseinstellung gehörte für mich, mich nicht mehr fremdbestimmen zu lassen. Ich entschied, meine eigenen Regeln zu machen und machte mich selbstständig. Ich war das erste Mal in meinem Leben so richtig loyal mir selbst gegenüber. Ich fühle, dass es vielen Menschen, die gerade jetzt ihr Leben umkrempeln, ähnlich geht.

    Sie sagten gerade, dass Sie sich selbst gegenüber loyal wurden. Was meinen Sie damit?

    Miriam Engel: Loyalität geht für mich weit über ein Vertrauensgefühl hinaus und ist letztendlich eine Entscheidung. Loyalität kann bedeuten, dass jemand seinem Arbeitgeber ein Leben lang treu bleibt. Loyalität kann auch heißen, einen Fehler auszubügeln, der einem geschätzten, engen Kollegen unterlaufen ist. Hier geht es über den Vertrauensvorschuss hinaus: Da entschließt sich jemand, sich vor eine andere Person zu stellen, einen Konflikt zu vermeiden oder auch Dinge zu tun, die ihm eigentlich nicht zugeordnet sind. Hier bezieht sich die Loyalität auf eine andere Person bzw. auf ein ganzes Arbeitsumfeld, wenn das Unternehmen, für das man arbeitet, gefühlt zum „zweiten Zuhause“ wird und mit einem stark ausgeprägten Zugehörigkeitsgefühl verknüpft ist. Bei meiner Arbeit mit Teams und Unternehmen arbeiten wir darauf hin, dass eine Basis für eine solche Reziprozität, also Gegenseitigkeit, entsteht. Wenn eine Arbeitnehmerin, wie eben beschrieben, allerdings feststellt, dass sich niemand vor sie stellt, wenn mal etwas schief geht, wird sie sich früher oder später nicht mehr zugehörig fühlen. Sie wird sich zunehmend unbeachtet und abgekapselt von ihrem Arbeitsteam fühlen. Nennen wir es latente Wechselbereitschaft. Dann braucht von außen nur noch ein klitzekleiner Impuls zu kommen, der ihr Fass mit der Aufschrift Solidarität zum Überlaufen bringt. Was wird sie aus Enttäuschung über die fehlende Solidarität ihr gegenüber tun? Sie wird ihren Mut zusammennehmen und eines Tages für sich selbst einstehen und gehen. Sie wird klar definieren, wo ihre Grenze liegt. Das ist Loyalität sich selbst gegenüber.

    Meinen Sie, dass ein solcher Moment jetzt bei so vielen Menschen eingetreten ist?

    Miriam Engel: Ich halte es für wahrscheinlich. Bei den meisten Menschen, die den Kündigungsschritt gehen, müssen allerdings mehrere Negativfaktoren zusammenkommen, weil wir in unserer Gesellschaft stark für moralische Verpflichtungen sensibilisiert sind. Und gleichzeitig ist es wichtig – nicht nur für unser eigenes Wohlbefinden, sondern auch als Vorbild für unsere Gesellschaft, dass wir lernen, eine loyale Beziehung mit uns selbst zu führen.

    Wenn ich mein eigenes Beispiel nochmals anbringen darf: Seitdem ich freiberuflich arbeite, habe ich weniger Beschwerden als zuvor. Ich ordne die Verbesserung meiner Gesamtsituation zum größten Teil meiner überwiegend freien Zeitverfügbarkeit zu; meine Arbeit im Homeoffice abwechslungsreich zu gestalten. Ich möchte nicht die Lanze brechen, dass wir alle selbstständig arbeiten sollten, nein. Aber dass Menschen darunter leiden, wenn sie in ihrer fest definierten Arbeitszeit, in ihrem Arbeitsort, in ihren Aufgaben, in ihrer Art, an berufliche Verpflichtungen heranzugehen und auch noch in der Wahl ihrer Sportangebote und ihrer Gesellschaft während ihrer Freizeit fremdbestimmt werden, „weil wir ja alle eine große Arbeitsfamilie sind“, kann ich diese Form der „Befreiung“ sehr gut nachvollziehen.

    Wie sieht loyale Führung konkret aus?

    Miriam Engel: Jetzt bin ich mit der „Arbeitsfamilie“ ja gerade schon auf den Punkt Unternehmenskultur zu sprechen gekommen. Damit meine ich nicht die plakativen Schlagworte, die an der Wand hängen, sondern die gelebte Kultur. Wie fühlen sich die Menschen in einem Unternehmen? In wessen Gesellschaft und welcher Umgebung macht den Menschen die Arbeit am meisten Freude? Wie gehen die Menschen dann miteinander um? Welcher innere Impuls sich zwischen „Komm!“, „Geh!“ oder „Bleib!“ einstellt, hängt vom Gefühl ab. Zugehörigkeit wird gefühlt – oder eben nicht. Eine Führungskultur muss heute also auch auf Gefühlsebene stattfinden.

    Welchen konkreten Nutzen haben Unternehmen von Loyaler Führung?

    Miriam Engel: Was ich häufig in Unternehmen wahrnehme, ist eine Art Abwarten, so wie an einem Zielort anzukommen. Die unausgesprochene Frage lautet: Kommt da noch was von der Führung?

    Das Dumme bei Führung ist, dass man sie kaum bemerkt, wenn sie gut läuft, aber es sofort auffällt, wenn sie schlecht ist oder fehlt. Der wichtigste Aspekt, der heute unbedingt dazu gehört, ist Führung auch auf emotionaler Ebene - nicht nur rational. Menschen werden sich immer klarer über ihre eigenen Werte. Das bedeutet, dass auch die Unternehmenswerte ausgelebt werden müssen, um sie für die Beschäftigten erlebbar zu machen: Was heißt es zum Beispiel, Nachhaltigkeit als Wert zu leben? In der einen Firma bedeutet es, den Papiermüll getrennt zu entsorgen, andere erschaffen sich eine komplett autarke Energieversorgung und statten ihre Büros mit nachhaltig angefertigten Büromöbeln aus. Es geht darum, Parallelen zu den Werten im Privatleben der Beschäftigten spürbar zu machen. Explizit in der Führung zeigt sich über die Art zu kommunizieren, wie stark die Loyalität entwickelt ist. Welche regelmäßigen Gespräche finden statt und was genau wird dann besprochen? Besteht Interesse am „ganzen“ Menschen? Wie lösungsorientiert geht man vor? Dürfen Tabus angesprochen werden? Wie geht man mit Fehlern um? Je mehr Übereinstimmungen zur privat gelebten Kultur sich im Arbeitsleben wiederfinden, desto leichter werden sich Mitarbeitende darauf einlassen, die Unternehmung bzw. das Team in ihren „Inner Circle“ aufzunehmen. Ist das erreicht, wirkt sich das direkt positiv auf die Bindung von Mitarbeitenden aus und folgerichtig dann auch auf die Gewinnung neuer Fach- und Nachwuchskräfte.

    In Ihrem Buch „Royal führen, loyal handeln“ beschreiben Sie 10 Wege zu mehr Mitarbeitertreue. Möchten Sie drei davon mit uns teilen?

    Miriam Engel: Im Prinzip habe ich schon drei Faktoren genannt:

    1. Prüfen Sie, welche Kultur im Unternehmen wirklich gelebt wird: Welche Werte stehen dahinter? Sind das dieselben, die auf der Website bzw. in der Firmenphilosophie geteilt werden?
    2. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden so viele organisatorische Freiheiten für ihre Aufgabenbewältigung wie möglich. Jeder weiß am besten, wann, wo und wie er oder sie gut und produktiv arbeiten kann.
    3. Legen Sie mehr Wert auf die Stimmung und das Gefühlsleben Ihrer Leute. Wie geht es ihnen? Was geht in ihnen vor? – Manchmal kann man durch ganz kleine Änderungen viel bewirken.

    Wie können Unternehmen nun starten, wie mit Ihnen zusammenarbeiten?

    Miriam Engel: Wer im Unternehmen wirklich eine kulturelle Veränderung bewirken möchte, tut gut daran, Team-Tage dafür einzurichten, sich gemeinsam das große Ganze anzuschauen und an der gemeinsamen Vision, den Werten und der internen Kommunikation zu arbeiten. Hier ist es absolut sinnvoll, eine externe Trainerin einzubinden, um den Prozess neutral zu moderieren. Ich nehme dann zum Beispiel auch die Rolle ein, unausgesprochene Reibungen zu platzieren. Wer für sich selbst mehr Klarheit über Führungs- und Kommunikationsstile schaffen möchte, den begleite ich auch gern im Einzelmentoring. Und wer das Thema Führung noch tiefer durchdringen möchte, nimmt an der Qualifizierung ‚Loyale Führung (IHK)‘ teil. Die neuen Termine stehen auf meiner Website loyalworks.de

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  3. Gütesiegel für unsere Volontariate

    Stolz präsentieren wir unser erneutes Gütesiegel der Jungen Verlags- und Medienmenschen e.V. für unsere Volontariate!

    Die Urkunden wurden im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2022 von Kathrin Windholz und Tobias Mohr (AG Nachwuchsrechte) an die ausgezeichneten Verlage übergeben.

    Tobias Mohr im Interview auf boersenblatt.net: „Wir gratulieren den diesjährigen Gütesiegel-Trägern. Natürlich freuen wir uns sehr darüber, dass wir die jeweiligen Gütesiegel für Carlsen und Narr Francke Attempto verlängern können und die beiden Häuser dazu beitragen, wichtige und oftmals fehlende Ausbildungsstandards dauerhaft zu festigen und zu etablieren."

    Das Gütesiegel ist ein tolles Qualitätsmerkmal für die Ausbildung von Volontär:innen in der Buchbranche und wir sind sehr stolz und glücklich, dass unser Gütesiegel bis 2025 verlängert wurde! 

    Der Junge Verlags- und Medienmenschen e. V. ist mit über 800 Mitgliedern in 12 Städtegruppen der größte Nachwuchsverein der Buch- und Medienbranche.

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  4. "Nachhaltigkeit sollte zum Selbstverständnis gehören!"


    Wie man Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung integriert, das ist Thema Ihres Buches – mittlerweile in der vierten Auflage. Wie erklären Sie die rapide Entwicklung des Themas?

    Auch schon vor Jahren waren viele Manager überzeugt, dass man in der Nachhaltigkeit was machen müsse und dies auch dringend notwendig sei. Aber wie so häufig, reicht die reine Erkenntnis nicht aus, um auch tatsächliche Handlungen abzuleiten. Wir kennen aus unserem privaten Umfeld, dass regelmäßiges Sporttreiben oder eine bewusste Ernährung gesünder sind, aber es viele dennoch nicht machen. Und dass sich eine ganze Organisation ändert, ist nochmals schwieriger. Meist braucht es einen externen Anstoß, dass Menschen oder Organisationen sich tatsächlich anpassen – dann kann dies auch sehr schnell gehen.

    Bei der Nachhaltigkeit gaben insbesondere die jüngsten regulatorischen Vorschriften wie der EU-Taxonomie, der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder das Lieferkettengesetz einen Ausschlag für die rasante Entwicklung. Diese Berichtsanforderungen gehen so weit, dass Unternehmen nun tatsächlich aktiv werden müssen und die Nachhaltigkeit zunehmend professionell steuern. Aber auch Investoren, Beteiligungsgesellschaften und Banken üben vermehrt Druck aus, nachhaltig zu handeln. Diese haben erkannt, dass Nachhaltigkeitsrisiken den Erfolg ihrer Investitionen bedrohen.

    Welche großen Herausforderungen in Bezug auf nachhaltiges Unternehmertum kommen Ihrer Meinung nach in der nächsten Zeit auf Unternehmen zu?

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    Die Anforderung, über die Nachhaltigkeit zu berichten, stellt nur die erste und nicht die größte Herausforderung dar. Wenn man Kennzahlen extern berichtet, gewinnen diese auch intern im Management an Bedeutung. Die Herausforderung ist, das Unternehmen tatsächlich nachhaltig zu steuern und das bisherige Steuerungssystem um ökologische und soziale Ziele zu erweitern. Dies aufzuzeigen ist Ziel des Buches. Durch die komplexen Beziehungen zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen ist es nicht damit getan, nur ein paar weitere Ziele aufzunehmen. Es geht auch um eine Anpassung des Geschäftsmodells, um eine kulturelle Weiterentwicklung, um den Umgang mit Stakeholdern bis hin zu einer optimalen IT-Unterstützung.

    Die EU-Richtlinie CSRD soll erstmals für das Geschäftsjahr 2024 Anwendung finden und allein in Deutschland rund 15.000 Unternehmen betreffen. Inwieweit findet dieses Thema in Ihrer Neuauflage Berücksichtigung?

    CSRD ist von zentraler Bedeutung für eine sehr große Anzahl von Unternehmen und war deshalb auch einer der Gründe für die umfassende Neubearbeitung. Unternehmen müssen nun über Dinge berichten, die sie bisher oft noch gar nicht kennen und erfasst haben. Auch die Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung sind weitreichend. Erstmals greift nun die sogenannte doppelte Materialität. Unternehmen müssen nicht nur erfassen, wie Nachhaltigkeitsaspekte auf das Unternehmen wirken, sondern sie müssen auch die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Nachhaltigkeitsaspekte erfassen. Dabei geht die Wirkung über die 15.000 Unternehmen sogar noch hinaus, da dies auch auf kleine Lieferanten und Geschäftspartner ausstrahlt.

    Sie haben in der 4. Auflage Ihr Werk stark umstrukturiert und ergänzt. Welche Aspekte sind Ihnen dabei besonders wichtig?

    Nachhaltigkeit ist mittlerweile so etabliert, dass auf eine umfassende Begründung und auch auf einige grundlegende Ausführungen mittlerweile verzichtet werden kann. Der Fokus wurde sehr viel stärker darauf gerichtet, wie Nachhaltigkeit in den Unternehmen umgesetzt werden kann. Der Druck durch die Regulatorik und durch die Investoren hat an Bedeutung gewonnen, ebenso die Steuerung der Treibhausgasemissionen und die Klimaproblematik. Manche Methoden haben an Bedeutung verloren, andere, wie etwa die Value Balancing Alliance, gewinnen an Bedeutung. Dies wurde entsprechend berücksichtigt. Schließlich gibt es mehrere weitere Themenfelder, die für ein Nachhaltigkeitscontrolling an Bedeutung gewinnen. Dies sind etwa die aus der Nachhaltigkeit resultierenden Risiken, die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle, die Digitalisierung, Green Finance oder auch die kulturelle Dimension.

    Was liegt Ihnen bei der Ausbildung der Controller:innen und Manager:innen der Zukunft besonders am Herzen?

    Controller:innen und Manager:innen sollten Nachhaltigkeit nicht als etwas Zusätzliches kennen lernen, das neben der traditionellen Betriebswirtschaft erlernt und umgesetzt werden muss. Die Steuerung von Unternehmen kann nur aus einem Guss erfolgen. Ziele und Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt sein. Irgendwann sollte auch in Controlling- und Management-Lehrbüchern eine nachhaltige Perspektive selbstverständlich sein und nicht nur in einem angehängten Kapitel erwähnt werden. Diese integrierte Sichtweise ist mir ein wichtiges Anliegen. Darüber hinaus sollte Nachhaltigkeit zum Selbstverständnis gehören. Rechtfertigen sollte sich nicht der, der nachhaltige Ziele setzt und Maßnahmen ergreift, sondern der, der es nicht tut. Anständiges und verantwortungsvolles Handeln würde zum Normalfall.

    Autoreninformation:
    Prof. Dr. Ulrich Sailer ist Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Er leitet den Masterstudiengang Controlling und beschäftigt sich insbesondere mit dem Nachhaltigkeitscontrolling und mit der Digitalisierung im Controlling.

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  5. Wie wir in Zukunft arbeiten

    "Gelungene Zusammenschau, anregend fürs direkte Umsetzen, ob „für sich“ oder mit anderen."

    Quelle: HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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  6. Kulturelle Kompetenz für globales Design

    "Tolle Zusammenschau, auch und gerade für Praktiker! Und durchaus auch für Laien, die sich ein wenig orientieren wollen, etwa auch Weiterbildner jeglicher Couleur – natürlich auch und gerade für jene, die zu Interkulturellem unterwegs sind…"

    Quelle: HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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  7. Frauen im Tourismus


    Am 27. September ist Welttourismustag. Die Mehrheit der Beschäftigten im Tourismus sind weiblich, gut ausgebildet und engagiert. Für viele Frauen stellt der Tourismus eine große Chance dar. Aber: Es gibt auch Schattenseiten. Ein Interview mit der Professorin für Tourismussoziologie Kerstin Heuwinkel:

    Was hat Sie als Frau dazu bewogen, ein Buch über Frauen im Tourismus zu schreiben?

    Die Tatsache, dass in einer Branche mit einem vergleichsweise hohen Anteil weiblicher Arbeitskräfte Frauen oft unsichtbar sind und die genderbasierte Segregation stellenweise noch ausgeprägter als in anderen Bereichen ist, hat meine Neugier geweckt. Der Aspekt eine Frau zu sein, spielt insofern eine Rolle, als dass ich unbeschwerter als ein Mann an dieses Thema gehen konnte. Und natürlich habe ich eigene Erfahrung basierend auf meiner Genderidentität gemacht.

    Im Tourismus arbeiten mehrheitlich Frauen. Das klingt in Puncto Frauenförderung doch erst einmal sehr gut, oder?

    Auf diesem Argument ruht sich die Tourismusindustrie gerne aus. Der hohe Anteil geht aber einher mit wenig qualifizierten Jobs, mangelnder Qualifizierung, informellen Beschäftigungen bis hin zu schlechten Arbeitsbedingungen und sexueller Ausbeutung. Frauenförderung setzt Entwicklung voraus – sowohl bezüglich der Inhalte und Positionen als auch bei der finanziellen Förderung, wenn es um Selbstständigkeit geht.

    Sie schreiben in Ihrem Buch „Tourismus gründet somit auf Ungleichheiten“. Was meinen Sie damit?

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    Die oft niedrigen Preise für touristische Dienstleistungen bzw. die unfaire Verteilung der Einnahmen basieren auf gering bezahlten Jobs und schlechten Arbeitsbedingungen – sowohl für Männer als auch für Frauen – , wobei Frauen oft schlechter gestellt sind als Männer. Die Bedingungen werden akzeptiert, weil Tourismus oft die einzige Chance bietet, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden und wegen der fehlenden Möglichkeit die eigenen Interessen zu vertreten. Hinzu kommt, dass bei der Nutzung natürlicher Ressourcen wie bspw. Wasser oft die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung nicht betrachtet werden. Auch hier sind Frauen wieder besonders belastet, da sie aufgrund ihrer Verantwortung für die Familie stärker von Umweltbedingungen und -veränderungen beeinflusst werden.

    Wie kann der Tourismus besser zur Stärkung und Gleichstellung von Frauen beitragen?

    Zunächst ist eine höhere Wertschätzung (sowohl ideell als auch monetär) des Tourismus und der dort geleisteten Arbeit erforderlich. Darauf aufbauend müssten Frauen stärker in Entscheidungen einbezogen sein und in die Lage versetzt werden, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Eine grundlegende Bedingung ist die Schaffung eines sozialen Umfeldes, welches Frauen, die es wollen, dabei unterstützt sich aus anderen Verpflichtungen zu lösen. Das schließt auch flexiblere Arbeitsmodelle für Männer ein. Noch drängender ist jedoch der Schutz von Frauen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen unabhängig vom Geschlecht, vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.

    Hat Sie persönlich die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, schon einmal bei einer Reiseentscheidung beeinflusst?

    Ich habe alle Reisen unternommen, die ich unternehmen wollte und trete auch als allein reisende Frau selbstbewusst auf. Allerdings gibt es Situationen, die ich meide bzw. bei denen ich zweimal hinschaue. Eine aktuelle Herausforderung ist der Umgang mit Ländern, in denen Frauen offen unterdrückt werden.

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  8. "Demokratie braucht eine lebendige kritische Öffentlichkeit"


    Die Vereinten Nationen erklärten 2007 den 15. September zum Internationalen Tag der Demokratie. Sein Ziel ist die Förderung und Verteidigung von Grundsätzen der Demokratie. Aber wie steht es aktuell um unsere Demokratie? Welche Gefahren gibt es? 3 Fragen an unseren Autor, den Politikwissenschaftler Dr. Martin Oppelt:

    Was sind die wichtigsten Grundsätze, die unsere Demokratie ausmachen?

    Martin Oppelt: In Deutschland wie in den meisten europäischen Ländern hat sich ab der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts (spätestens aber nach dem Sieg der Alliierten über den Faschismus und Nationalsozialismus 1945) die Form der liberalen Demokratie durchgesetzt. Im Zuge der europäischen Aufklärung und des Kampfes gegen Feudalismus und Absolutismus wurden der antiken demokratischen Idee der politischen Gleichheit erfolgreich die modernen Prinzipien des Liberalismus an die Seite gestellt, allen voran die Idee der Freiheit des Individuums. Heutige Demokratien zeichnet die gleichzeitige Existenz dezidiert demokratischer Prinzipien, etwa der Volkssouveränität, und spezifisch liberaler Prinzipien, zum Beispiel die per Verfassung garantierten Menschen- und Bürgerinnenrechte, aus. Da sich diese Prinzipien eigentlich widersprechen, führt dies notwendig zu Konflikten, mit denen demokratische Gesellschaften umzugehen lernen mussten. Die Idee der individuellen Freiheit etwa dient oft der Rechtfertigung sozialer und ökonomischer Ungleichheiten, die jedoch im Widerspruch zur demokratischen Idee der Gleichheit stehen, zumal dort, wo sie sich in ungleiche politische Einflussmöglichkeiten übersetzen. Gerade der spezifische Umgang mit dem „demokratischen Paradox“ der Freiheit und Gleichheit, wie es die Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe bezeichnet hat, macht nun die Eigenheit der heutigen Demokratien aus.

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    Als einer der wichtigsten Grundsätze kann daher die institutionell garantierte Existenz einer demokratischen Öffentlichkeit angesehen werden, die immer wieder neu den Streit darüber austragen muss, wie die Prinzipien der Demokratie umzusetzen sind und wo sie verletzt werden. Außerdem fungiert eine lebendige Zivilgesellschaft als notwendiges kritisches Korrektiv der Demokratie mit Blick auf historische Verbrechen wie den Kolonialismus sowie auf gegenwärtige Gefahren durch antidemokratische Entwicklungen in Staat und Gesellschaft. 

    Rechts- und Linksradikalisierung, Reichsbürgerbewegung, Antisemitismus – Wo sehen Sie aktuell die größte Gefahr für unsere Demokratie?

    Martin Oppelt: Die größte Gefahr für die Demokratie geht weltweit eindeutig von rechtsradikalen, antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Kräften aus, die die in den letzten Jahrhunderten hart erkämpften politischen Rechte und Freiheiten von Frauen*, Jüd*innen, Schwarzen, Indigenen, People of Color (BIPoC) und LGBTQIA+-Personen rückabwickeln wollen. Die Behauptung, wonach rechte und linke politische Bewegungen sich in ihren Extremen wie ein Hufeisen berührten und somit für die Demokratie gleichgefährlich wären, ist wissenschaftlich nicht haltbar und lenkt davon ab, dass die Feinde der Demokratie ganz klar rechts stehen. Wo linke Politiken für die Ausweitung und Vertiefung demokratischer Prinzipien, Rechte und Freiheiten für prinzipiell alle Menschen kämpfen, wollen rechte Kräfte diese einem ethnisch und exklusiv definierten Volk vorbehalten. Dafür sehen sie auch den Einsatz von Gewalt gegen Menschengruppen als legitim an, die sie als minderwertig begreifen. Besonders erschreckend ist, dass rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien in den letzten Jahren in immer mehr Parlamente einziehen konnten. Umso wichtiger ist daher – neben der Existenz einer schlagkräftigen antifaschistischen Zivilgesellschaft – dass sich alle demokratischen Parteien entschieden dem Kampf gegen Rechts widmen und nicht etwa aus wahltaktischem Kalkül Koalitionen eingehen und zur schleichenden Legitimierung und Normalisierung menschenfeindlichen Gedankenguts beitragen.

    Kann die Demokratie angesichts der wachsenden Autokratien (Putin, Erdoğan, Orbán, Bolsonaro usw.) überleben?

    Martin Oppelt: Das Besondere an den genannten Autokratien ist, dass sie nicht immer offen gegen demokratische Ideen und Institutionen vorgehen. Im Gegenteil inszenieren sie sich oft erfolgreich als Demokratien und bemänteln ihre antidemokratischen Repressionen gegen politische Gegnerinnen und vermeintliche „Volksfeinde“ als Ausführung des souveränen Volkswillens. Viktor Orbán etwa prägte dahingehend den Begriff der „illiberalen Demokratie“, der erst gar nicht verbergen will, all die Prinzipien abzulehnen, die dem Schutz vulnerabler Minderheiten dienen. Hier sind die Staats- und Regierungschefinnen der demokratischen Staatengemeinschaft aufgefordert, sich der Legitimierung dieser Autokratien etwa aufgrund von Wirtschaftsdeals zu entziehen und wo nötig auch Sanktionen umzusetzen. Da man sich hierauf aber nicht verlassen sollte, braucht es einmal mehr lebendige kritische Öffentlichkeiten, die Druck auf ihre jeweiligen Regierungen ausüben.

    Autoreninformation

    Dr. Martin Oppelt ist Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte. Aktuell forscht er in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Freund, Feind, Verräter? Eine Genealogie des Verrats im demokratischen Denken“. Zuvor hat der die Professur für Political Philosophy and Theory an der Hochschule für Politik/ TU München vertreten. Beim UVK Verlag/utb ist 2021 sein Buch „Demokratie? Frag doch einfach!“ erschienen.

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  9. Erfolgreiche Teilnahme am KLIMAfit-Projekt

    Mit großer Freude und ein wenig Stolz präsentieren wir unsere Urkunde zur erfolgreichen Teilnahme am Projekt "KLIMAfit"!
     
    Im Rahmen des Pilotprojektes des Landes Baden-Württemberg wurde die Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG als eines von sieben Tübinger Unternehmen als "KLIMAfit Betrieb" ausgezeichnet
     
    (Bildquelle: Anne Faden)
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  10. Die 5 häufigsten Fehler bei der Studienwahl



    Die Abitur-Prüfungen in Deutschland sind größtenteils abgeschlossen. Schüler und Eltern interessiert momentan vor allem: Wie geht es nach dem Abitur weiter? Und welches Studienfach kommt für mich/unser Kind in Frage? Unsere beiden Autor:innen Sandra Stankjawitschjute und Holger Walther stellen als kleinen Vorgeschmack zu ihrem neuen Buch „Abi, was nun?“ die 5 häufigsten Fehler bei der Studienwahl vor:

    Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt:

    Fehler 1: Ich mache aus einem Leistungskurs (oder Lieblingsfach) ein Studienfach

    Ein guter Abischnitt insgesamt ist eine gute Prognose für ein erfolgreich absolviertes Studium. Doch so ein positiver Zusammenhang besteht zwischen einem Schulfach und dem gleichnamigen Studiengang nicht: Da ein Studium theoretisch-wissenschaftliche Schwerpunkte hat, geht es etwa bei Mathe nicht mehr um „Rechnen mit Zahlen“, sondern vielmehr um Gleichungen mit unbekannten Variablen oder theoretische Überlegungen, ob es eine „Null“ oder die „Unendlichkeit“ wirklich gibt und wie wir das beweisen können.

    Fakt ist dann aber zum Glück doch: Durch einen Leistungskurs bringt man sicher einige hilfreiche Grundlagen mit ins Studium und zusätzlich eine Affinität für die Naturwissenschaften.

    Fehler 2: Ich studiere, was ich mit meinem Abischnitt wegen eines Numerus Clausus studieren kann

    Hier gibt es zwei Phänomene: Mit einem tollen Abi wäre es doch Verschwendung, wenn ich etwas – sagen wir mal Leichteres – studiere oder „nur“ eine Ausbildung mache. Weil ich einen hohen NC in Psychologie knacken kann, ist das aber noch lange kein Grund, dies zu studieren. Und das andere Phänomen bedeutet: Ich nehme etwas, was ich mit meinem (vielleicht schlechterem) Abischnitt garantiert bekommen kann. Sie sehen: In beiden Fällen werden die persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Wünsche ignoriert.

    Zum Autor Holger Walther: Ich hatte im Abi eine 3,0 – auch damals schon keine direkte Eintrittskarte für Psychologie. Ich habe aber alles versucht und dann einen Studienplatz durch ein Losverfahren bekommen. Und bin mit meinem Beruf seit über 35 Jahren zufrieden. Denn er entspricht zutiefst meinen Interessen.

    Und aus unserer Erfahrung in den Beratungen:

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    Fehler 3: Die Illusion der „richtigen“ Entscheidung

    Obwohl es auch im Buchtitel steht: „Das richtige Studium finden“ klären wir im Ratgeber gleich zu Beginn auf, dass es wohl besser wäre, eine „gute“ Entscheidung zu fällen. Was meinen wir damit?

    Erst durch eine Sammlung der eigenen Interessen, Fähigkeiten und Wünsche (ja, auch Träume!) und Wertvorstellungen, sowie konkreter Informationen (statt Vermutungen und Hörensagen) über wirkliche Inhalte der Studiengänge und Berufsaussichten, können wir eine „zum jetzigen Zeitpunkt gute Entscheidung“ fällen. Niemand kann garantieren, dass wir auch in 30 Jahren damit noch zufrieden sein werden: Wer weiß denn schon, was wirklich in 30 Jahren sein wird? Doch damals, als ich mich entschied, war alles gut überlegt und passte.

    Fehler 4: Wenn Eltern sagen: „Mach, was du denkst – wir stehen immer hinter dir!“

    Und mit dem Zusatz, man soll ja selbst damit glücklich werden, begründen vor allem Eltern, sich nicht einmischen zu wollen. Doch Unentschiedene vermissen das und empfinden die ausbleibenden Meinungen als Desinteresse! Schließlich ist unser Umfeld – und eben auch Eltern und Geschwister – tatsächlich wichtige Ideengeber und Orientierungshilfen!

    Erst solche Bemerkungen, wie „Du programmierst doch gern am PC – mach doch Informatik.“ oder „Werde bloß nicht auch noch Lehrer. Du siehst doch, wie genervt deine Eltern aus der Schule kommen.“ ermöglichen es uns, eine eigene Position zu finden, nämlich Zustimmung oder Abgrenzung. Fehlen solche Statements der anderen, ist es schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden.

    Fehler 5: Was bei anderen funktioniert, wird auch für mich gut sein

    Grundsätzlich sind wir ja offen für die Erfahrungen und Tipps der Anderen. Und bei einem guten Kinofilm oder einem tollen Reiseziel kann man ruhig überlegen, das auch mal zu machen. Weil es nicht wirklich schlimm ist, wenn es am Ende doch nicht unser Geschmack war. Das geht aber nicht bei der Studienwahl. Weil es nicht automatisch bei uns passt, nur weil andere damit gute Erfahrungen gemacht haben. Auch hier gilt: Nimm die Erfahrungen und Meinungen der anderen gern als Ideengeber. Da kann schließlich auch was Passendes dabei sein. Überprüfe das aber immer mit deinen eigenen Interessen, Fähigkeiten und Wünschen.

    Die Autoren:

    M.Sc. Sandra Stankjawitschjute und Dipl.-Psych. Holger Walther sind approbierte Psychotherapeut:innen und arbeiten gemeinsam in der Psychologischen Beratungsstelle der Humboldt-Universität zu Berlin.

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