Silvia Reuvekamp, Mark Chinca, Christopher Young

Einfachheit. Mediävistische Perspektiven auf eine kulturelle Leitidee

XXVII. Anglo-German Colloquium, Münster 2022
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Einfachheit gehört zu den wirkmächtigsten, zugleich aber theoretisch unterbestimmten Leitideen der europäischen Kultur. Ihre Faszination liegt im Spannungsfeld von Klarheit und Tiefe, Reduktion und Komplexität. Der Band Einfachheit. Mediävistische Perspektiven auf eine kulturelle Leitidee zeigt, wie im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit Modelle des Einfachen entwickelt wurden, die bis heute prägen: als ästhetisches Prinzip, metaphysisches Ideal und kulturelle Orientierung. Damit leistet er einen Beitrag zu einer lange geforderten Kulturgeschichte ästhetischer Einfachheit.
Einfachheit ist eine der großen kulturellen Leitideen Europas – sie verspricht Wahrheit, Schönheit und Klarheit, entzieht sich aber zugleich jeder eindeutigen Bestimmung. Gerade in diesem Spannungsfeld von Reduktion und Komplexität liegt ihre Kraft: Seit der Antike wirkt sie als Motor ästhetischer, religiöser und sozialer Entwicklungen. Der Band Einfachheit. Mediävistische Perspektiven auf eine kulturelle Leitidee widmet sich dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, einer Epoche, in der das Einfache als göttliche Dignität, poetisches Prinzip und anthropologische Orientierung besonders prägend war. Die Beiträge zeigen, wie Vorstellungen von Einfachheit kulturelle Ordnungen formten, wie sie Lebens- und Denkweisen strukturierten und bis heute unsere Wahrnehmung von Kunst, Literatur und Kultur beeinflussen. Damit leistet der Band einen zentralen Beitrag zu einer lange geforderten Kulturgeschichte ästhetischer Einfachheit.

Inhalt:
Mark Chinca, Silvia Reuvekamp, Christopher Young:
Einleitung: Zwischen Sehnsucht und Unverfügbarkeit. Valenzen der Einfachheit in der Literatur und Kultur des Mittelalters

Stefan Abel:
wâriu einveltikeit und valsch driveltikeit im Renner des Hugo von Trimberg

Maximilian Benz:
Einfachheit und Verbindlichkeit. Perspektiven auf die Gattungsgeschichte des höfischen Romans im frühen 13. Jahrhundert

Horst Brunner:
Komplexe und einfache Töne und Texte im Sangspruch des 13. Jahrhunderts

Gerd Dicke:
Falten der Einfalt. Beobachtungen zu ahd. / mhd. einvalt / einvaltecheit bis um 1300

Daniel Eder und Simone Kügeler-Race:
die einvaltekliche minnen und cleine bekennen, die werdent grosser dingen inne. Konzepte geistlicher Einfachheit in der deutschen und lateinischen Überlieferung des Fließenden Lichts der Gottheit und der Helftaer Mystik

Manfred Eikelmann:
Einfachheit als Formkonzept. André Jolles‘ Typologie elementarer literarischer Formen im Forschungskontext

Julia Frick:
Einfachheit als Erzählform frühneuhochdeutscher Prosa. Praktiken sprachlich-formaler Vereinfachung in medienhistorischer Perspektive (am Beispiel des Prosa-Tristrant, Augsburg 1484)

Rabea Kohnen:
Heiße Küsse und Freche Füchse. Der ‚einfache‘ Schriftsinn als Herausforderung in der Rezeption des Hoheliedes

Tanja Mattern:
Einfache Poetologie oder Poetologie der Einfachheit? Das Gattungsverständnis der Heldenepik zwischen den Paradigmen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Nine Miedema:
Einfache Exempla? Beobachtungen zu Heinrichs von Mügeln und Peter Selbets Übersetzungen der Facta et dicta memorabilia des Valerius Maximus

Linus Möllenbink:
einvaltige minne. Maria Magdalena als Modellfigur ‚einfacher‘ Lektüre (am Beispiel der Legende ihrer Bekehrung)

Stephen Mossman:
Gerard Zerbolt van Zutphen und die Schwierigkeit des ‚Eckhart’schen‘ Sprachgebrauchs

Daniel Pachurka:
Konzepte von Einfachheit in den Reimpaarreden Heinrichs des Teichners

Alexander Rudolph:
Gleichwertigkeit als Liebesideal und die Frage der ‚Einfachheit‘ der Liederbuchlyrik, am Beispiel des Augsburger Liederbuches von 1454

Monika Schausten:
Dame mit Hündchen: Einfachheit und Komplexität anschaulichen Erzählens in Eilharts von Oberg Tristrant

Almut Suerbaum:
Das Experiment der Offenheit: geistliche Lieder als einfache Formen?

Linus Ubl:
Simplicitas praedicationis. Poetologische und praxeologische Reflexionen deutschsprachiger Prediger des Mittelalters

Alexandra Urban:
Dimensionen von ‚Einfachheit'


Autor:inneninformation:
Prof. Dr. Mark Chinca ist Reader in Medieval and Early Modern German Literature an der Universität Cambridge.

Prof. Dr. Silvia Reuvekamp ist Inhaberin des Lehrstuhls für Literatur des Mittelalters am Germanistischen Institut der Universität Münster.

Prof. Dr. Christopher Young ist Professor of Modern and Medieval German Studies an der Universität Cambridge.
Mehr Informationen
ISBN 978-3-7720-8795-0
EAN 9783772087950
Bibliographie 1. Auflage
Seiten 350
Format gebunden
Ausgabename 38795-1
Auflagenname -11
Herausgeber:in Silvia Reuvekamp, Mark Chinca, Christopher Young
Erscheinungsdatum 18.05.2026
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