Albrecht Classen, Wolfgang Brylla, Andrey Kotin

Eros und Logos

Literarische Formen des sinnlichen Begehrens in der (deutschsprachigen) Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart
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Das Problem der literarischen Bearbeitung des Erotischen scheint eine der schwierigsten künstlerischen Aufgaben zu sein, hat aber stets noch provozierend und stimulierend gewirkt. Die damit verbundenen Schwierigkeiten sind, abhängig von der Epoche, unterschiedlich bedingt.
Der vorliegende Sammelband zu den verschiedenen Sexualitätsbildern in der (deutschsprachigen) Literatur setzt sich zum Ziel, die historische Komplexität des Problemfeldes ‚Sexualität‘anhand ausgewählter Textbeispiele literaturästhetisch genauer zu beleuchten. In der Tat lässt sich ausgehend vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart ein unablässiger Strom von sehr erotischen Texten in der deutschsprachigen Literatur beobachten.
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Marcel Reich-Ranicki stellte 1991 fest, dass die deutsche Literatur seit den 1970er Jahren „unerhört unerotisch“ sei. Das Problem der literarischen Bearbeitung des Erotischen scheint eine der schwierigsten künstlerischen Aufgaben zu sein. Die damit verbundenen Schwierigkeiten sind, abhängig von der Epoche, unterschiedlich bedingt.
Im 19. Jahrhundert mussten sich die Autoren aller (un-)möglichen Metaphern bedienen, um das Verborgene zu verbildlichen. Und sogar dann brachte das Endresultat oft schwerwiegende Kontroversen mit sich, die heute fast unglaublich vorkommen. Andererseits stößt man in der mittelalterlichen Minnesang-Dichtung und dann in zahllosen Verserzählungen auf Manches, was die liberalsten aufklärerischen Verleger sogar heute noch in Verlegenheit bringen würde. Aus moderner Perspektive erweist sich aber die Frage nach den ästhetisch akzeptablen Formen der erzählten Sexualität längst als obsolet.
Der vorliegende Sammelband zu den verschiedenen Sexualitätsbildern in der (deutschsprachigen) Literatur setzt sich zum Ziel, die historische Komplexität des Problemfeldes ‚Sexualität‘anhand ausgewählter Textbeispiele literaturästhetisch genauer zu beleuchten und damit analytische Kriterien zu gewinnen, um neues Licht auf die verschiedensten literarhistorischen Epochen und kulturellen Bedingungen zu werfen.


Inhalt:
Classen/Brylla/Kotin: Die Lust an Literatur, die Literatur der Lust: Vorwort
Paul Martin Langner: „Süße Freundin, eile wie der Wind herbei ..." Sexualität und Erotik als Grenzphänomene der höfischen Gesellschaft im Mittelalter
Albrecht Classen: Erotik und Sexualität im Märe des Spätmittelalters: Sprachwitz, Intelligenz und sexuelle Erfüllung
Cezary Lipiński: Gott, der an Frauenbrüsten ruht. Zur Rolle der Erotik in der christlichen Mystik am Beispiel des Fließenden Lichts der Gottheit Mechthilds von Magdeburg
Antonius Baehr: Erotisierende Rezeptionen von Claudians Epithalamium für Palladius und Celerina im Barock
Wolfgang Brylla: „Was ist erquickender als schöne Brust-Granaten“. Barocke Gelüste und lyrische Brüste oder Zu erotischen Gedichten des Barock
Andrey Kotin: Umwege der Lust – Liebe und Sex in Friedrich Schlegels Lucinde
Anja Manneck: „Das Fleisch hat seinen eigenen Geist“ – Frank Wedekind und die Sprache der Erotik
Karolina Rapp: Lyrische Novelle oder vom „Helden, der kein Held, sondern ein Mädchen ist“ – Überschreitungen der Geschlechtergrenzen bei Annemarie Schwarzenbach
Elisa Meyer: Die Heiligen Gespräche in Der Mann ohne Eigenschaften als erotische Vereinigung zwischen Bruder und Schwester
Marlene Frenzel: Sündiges Berlin – Verortung von Sexualität und Erotik in Romanen der Weimarer Republik
Maciej Walkowiak: Gottfried Benns Briefe an Ursula Ziebarth – Versuch, eine Liebesgeschichte zu rekonstruieren
Manuel Mackasare: Potenz, Impotenz, Asexualität. Die sexuelle Motivik in Ernst Jüngers Zwille
Oxana Matiychuk: „Wir reichen uns der Liebe rote Beeren“. Rose Ausländers frühe Liebesgedichte
Rafał Biskup: „Und dann ihr Schmerz, Schrei und Küsse“. Zu Weiblichkeitsdarstellungen in Szczepan Twardochs Romanen Morphin und Drach
Verena Zankl / Irene Zanol: Der Südtiroler Autor Joseph Zoderer – Eros und Logos im interkulturellen Kontext
Justyna Kłopotowska: Die sexuellen Neurosen unserer Eltern von Lukas Bärfuss und die Frage nach der Tabuisierung von Sexualität
Eugen Wenzel: „Sie wissen, daß Eros älter als Kronos und auch mächtiger ist“. Hauptmanns Der Ketzer von Soana – ein Brennpunkt der deutschsprachigen erotischen Literatur
Maciej Jędrzejewski: Wollust, Perversion und Absurdität. Zur Funktion und Bedeutung erotischer Elemente in Die Stunde zwischen Frau und Gitarre von Clemens Setz
Marta Wimmer: Lust auf Verbotenes. Queeres Begehren anhand ausgewählter deutschsprachiger Gegenwartsprosa
Arletta Szmorhun: Frauenkörper als Tauschobjekt – Literarische Inszenierungen von Prostituiertenfiguren
Adam Sobek: Zum Sexuellen und Tödlichen in der Popliteratur anhand ausgewählter deutschsprachiger Werke
Paweł Wałowski: Erzählte Körperlichkeit in der Neuen Deutschen Popliteratur
Paweł Zimniak:

Autoreninformation:
Prof. Dr. Albrecht Classen vertritt die Mediävistik und Frühe Neuzeit an der University of Arizona, Tucson.
Dr. Wolfgang Brylla lehrt deutsche Literaturgeschichte und Regionalgeschichte (Schlesien) an der Universität Zielona Góra.
Dr. Andrey Kotin lehrt deutsche Literaturgeschichte (Romantik) an der Universität Zielona Góra.
Mehr Informationen
ISBN 978-3-8233-9123-4
EAN 9783823391234
Bibliographie 1. Auflage
Seiten 342
Format eBook PDF
Ausgabename 18123-2
Verlag Gunter Narr Verlag
Herausgeber Albrecht Classen, Wolfgang Brylla, Andrey Kotin
Erscheinungsdatum 20.04.2021