Hermann Gätje, Sikander Singh

Identitätskonzepte in der Literatur

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Als Begriff wie als Diskurs wird Identität in der Gegenwart zunehmend einseitig ideologisch vereinnahmt und politisch instrumentalisiert. Vor diesem Hintergrund perspektivieren die Beiträge des Bandes den Terminus im Hinblick auf seinen Gehalt und seine historischen Bedeutungsdimensionen. Der Literatur ist seit dem Aufkommen national(staatlich)er Diskurse im 18. Jahrhundert eine wesentliche Rolle für die Konstitution und die Bestätigung von Identität zugefallen. Dies gilt vor allem für Literatur mit regionalem Bezug, aus der sich Stereotypen der Verengung und Trivialität, z. B. der Heimatliteratur, entwickelt haben. Die Beiträge des Bandes untersuchen die Funktion der Konstitution und Stiftung von Identität durch die Literatur. Sie schlagen einen Bogen von den Anfängen eines Identitätsdiskurses bis in die unmittelbare Gegenwart und betrachten Texte mit der Perspektive auf bestimmte Autor*innen, Regionen, Ethnien oder Themenkomplexe.
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Als Begriff wie als Diskurs wird Identität in der Gegenwart zunehmend einseitig ideologisch vereinnahmt und politisch instrumentalisiert. Vor diesem Hintergrund perspektivieren die Beiträge des Bandes den Terminus im Hinblick auf seinen Gehalt und seine historischen Bedeutungsdimensionen. Der Literatur ist seit dem Aufkommen national(staatlich)er Diskurse im 18. Jahrhundert eine wesentliche Rolle für die Konstitution und die Bestätigung von Identität zugefallen. Dies gilt vor allem für Literatur mit regionalem Bezug, aus der sich Stereotypen der Verengung und Trivialität, z. B. der Heimatliteratur, entwickelt haben. Die Beiträge des Bandes untersuchen die Funktion der Konstitution und Stiftung von Identität durch die Literatur. Sie schlagen einen Bogen von den Anfängen eines Identitätsdiskurses bis in die unmittelbare Gegenwart und betrachten Texte mit der Perspektive auf bestimmte Autor*innen, Regionen, Ethnien oder Themenkomplexe.

Inhalt:
Gertrude Cepl-Kaufmann – Zur Konstruktion einer Region am Beispiel des Rheinlands. 1. Die Rhetorik der Region. Eine Theorie
Jasmin Grande – Zur Konstruktion einer Region am Beispiel des Rheinlands. 2. Geschichten und Praktiken der Literatur-/Kulturgeschichtsschreibung
Rolf Parr – Identität oder Identitäten. Interdiskurstheoretische Überlegungen am Beispiel der Ruhrgebietsliteratur
Jörg Krappmann – Akkumulative Identitätszuschreibungen in national prekären Regionen. Die Literatur(en) der Böhmischen Länder als Paradigma
Ewa Mazurkiewicz – Identitätskonzepte in der Deutschschweizer Kultur und Literatur des 20. Jahrhunderts
Fabienne Gilbertz – Schriftstellerische Identitätsentwürfe im mehrsprachigen Luxemburger Literatursystem
Michael Peter Hehl – Subversive Heimatliteratur? Zur Konstruktion regionaler Identität im bayerischen literarischen Feld des späten 20. Jahrhunderts am Beispiel des lichtung-Verlags
Annette Kliewer – Deutsche, Französin, Elsässerin, Lothringerin – oder einfach nur Frau? Identitätskonzepte von Frauen an der Grenze zu Frankreich in Antwort auf die „Kriege der Männer“
Gerhard Sauder – Herders neue Anthropologie: Identitäts-Bildung im „Zuge der Verwirklichung der Humanität“
Nikola Keller – Aufklärerische (Anti-)Identitätsentwürfe und (trans-)nationale Gründungsmythen: Jakob Michael Reinhold Lenz’ ‚Der Neue Menoza oder Geschichte des cumbanischen Prinzen Tandi‘ (1774)
Michael Steinmetz und Dominik Zink – Von Fichte zu Faust. Die Vermittlung von Identität und Differenz Goethes Faust I
Sikander Singh – Identität und Entität. Zu Annette von Droste-Hülshoffs Novelle ‚Die Judenbuche‘
Rahel Stennes – Nation durch Emanzipation. Jüdische Identität und deutscher Nationalismus bei Berthold Auerbach
Gudrun Heidemann – Erschütterte Selbstverortungen an territorialen Rändern. Identitätskrisen in Dostojewskijs ‚Der Doppelgänger‘ (‚Dvojnik‘; 1846) und Stifters ‚Der Condor‘ (1840)
Lilli Hölzlhammer – „Kehre bald zurück in das Vaterland, Du findest doch nicht das was Du suchst in der Fremde“: Der „Romantiker“ als Rohmaterial des „deutschen Volks“ bei Raabe und Scheffel
Barbara Di Noi – Heine und die Folgen: Die gebrochene jüdische Identität im magischen Medium der Sprache. Judentum als Medium der Moderne bei Kafka und Heine
Johannes Waßmer – Im Grenzland der Identität. René Schickeles Das Erbe am Rhein
Anne-Rose Meyer – Identität und Identifizierung national – sozial – global: Ausweise und Pässe in der Literatur. Anna Seghers – Saul Friedländer – Louis Begley
Clemens Fuhrbach – Polyphone Identitätskonstruktion am Beispiel der Figur ‚Heinrich Böll‘
Nils Lehnert – Lost in (post-)modernism. Prekäre Identität(en) im Romanwerk Wilhelm Genazinos
Eva Wiegmann – „Ich ist ein Anderer.“ Identitäre Krisen im Kontext von Migrationsgeschichten
Philipp Hubmann – Bettina von Arnim goes Pop. Thomas Meineckes Gender-Roman Selbst als entangled history
Hermann Gätje – Entfremdung und Identität im „Heimat“-Roman der Gegenwart. Raphaela Edelbauer ‚Das flüssige Land‘ (2019) und Reinhard Kaiser-Mühlecker ‚Enteignung‘ (2019)


Autoreninformation:
Dr. Hermann Gätje ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass.

Prof. Dr. Sikander Singh lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes und ist Leiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass.
Mehr Informationen
ISBN 978-3-7720-8722-6
EAN 9783772087226
Seiten 280
Format kartoniert
Ausgabename 38722
Verlag A. Francke Verlag
Erscheinungsdatum 23.11.2020
Lieferzeit 1-3 Tage
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