Hermann Gätje, Sikander Singh

Identitätskonzepte in der Literatur

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Als Begriff wie als Diskurs wird Identität in der Gegenwart zunehmend einseitig ideologisch vereinnahmt und politisch instrumentalisiert. Vor diesem Hintergrund perspektivieren die Beiträge des Bandes den Terminus im Hinblick auf seinen Gehalt und seine historischen Bedeutungsdimensionen. Der Literatur ist seit dem Aufkommen national(staatlich)er Diskurse im 18. Jahrhundert eine wesentliche Rolle für die Konstitution und die Bestätigung von Identität zugefallen. Die Beiträge verfolgen diese Diskussion bis in die Gegenwart.
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Als Begriff wie als Diskurs wird Identität in der Gegenwart zunehmend einseitig ideologisch vereinnahmt und politisch instrumentalisiert. Vor diesem Hintergrund perspektivieren die Beiträge des Bandes den Terminus im Hinblick auf seinen Gehalt und seine historischen Bedeutungsdimensionen. Der Literatur ist seit dem Aufkommen national(staatlich)er Diskurse im 18. Jahrhundert eine wesentliche Rolle für die Konstitution und die Bestätigung von Identität zugefallen. Dies gilt vor allem für Literatur mit regionalem Bezug, aus der sich Stereotypen der Verengung und Trivialität, z. B. der Heimatliteratur, entwickelt haben. Die Beiträge des Bandes untersuchen die Funktion der Konstitution und Stiftung von Identität durch die Literatur. Sie schlagen einen Bogen von den Anfängen eines Identitätsdiskurses bis in die unmittelbare Gegenwart und betrachten Texte mit der Perspektive auf bestimmte Autor*innen, Regionen, Ethnien oder Themenkomplexe.

Inhalt:
Vorwort

I

Jörg Krappmann: Akkumulative Identitätszuschreibungen in der Region: Die Literatur(en) der Böhmischen Länder als Paradigma

Fabienne Gilbertz: Schriftstellerische Identitätsentwürfe im mehrsprachigen Luxemburger Literatursystem der 1960er bis 1980er Jahre

Rolf Parr: Identität oder Identitäten? Interdiskurstheoretische Überlegungen am Beispiel von Frank Goosen und der Ruhrgebietsliteratur

Gertrude Cepl-Kaufmann: Das Institut „Moderne im Rheinland“ – Zum Forschungsprojekt und seinem identitätskritischen Ansatz einer „Rhetorik der Region“

Jasmin Grande: Literaturbegriffe und Literaturwissenschaften im Kontext von Kulturtopographien – Mit einem Fokus auf die Matrix des An-Instituts „Moderne im Rheinland“

II

Gerhard Sauder: Herders neue Anthropologie: Identitätsbildung im Zuge der Verwirklichung von Humanität

Nikola Keller: Aufklärerische (Anti-)Identitätsentwürfe und (trans-)nationale Gründungsmythen: Jakob Michael Reinhold Lenz’ Der neue Menoza oder Geschichte des cumbanischen Prinzen Tandi (1774)

Michael Steinmetz und Dominik Zink: Das Faustische Streben als Vermittlung von Identität und Differenz. Die Rolle von Johann Gottlieb Fichtes früher Wissenschaftslehre für Goethes Faust I

Sikander Singh: Identität und Entität: Zu Annette von Droste–Hülshoffs Novelle Die Judenbuche

Rahel Stennes: Nation durch Emanzipation: Jüdische Identität und deutscher Nationalismus bei Berthold Auerbach

Gudrun Heidemann: Erschütterte Selbstverortungen an territorialen Rändern: Identitätskrisen in Dostoevskijs Der Doppelgänger (Dvojnik) und Stifters Der Condor

Lilli Hölzlhammer: „Kehre bald zurück in das Vaterland, Du findest doch nicht das was Du suchst in der Fremde“ – Der „Romantiker“ als Rohmaterial des „deutschen Volkes“ bei Raabe und Scheffel

Barbara Di Noi: Heine und die Folgen: Die gebrochene jüdische Identität im magischen Medium der Sprache. Judentum als Medium der Moderne bei Kafka und Heine

Corinna Schlicht: Zur Problematik kulturbezogener Identität am Beispiel von Clara Viebigs Roman Die Wacht am Rhein

Johannes Waßmer: Im Grenzland der Identität: René Schickeles Das Erbe am Rhein

Annette Kliewer: Deutsche, Französin, Elsässerin, Lothringerin – oder einfach nur Frau? – Identitätskonzepte deutscher Frauen an der Grenze zu Frankreich in Antwort auf die „Kriege der Männer“

Anne-Rose Meyer: Identität und Identifizierung national – sozial – global: Ausweise und Pässe in Texten von Anna Seghers – Saul Friedländer – Louis Begley

Clemens Fuhrbach: Polyphone Identitätskonstruktion am Beispiel der Figur ‚Heinrich Böll‘

Nils Lehnert: Lost in (post-)modernism: Prekäre Identität(en) im Romanwerk Wilhelm Genazinos

Eva Wiegmann: „Ich ist ein Anderer.“ – Identitäre Krisen im Kontext von Migrationsgeschichten

Hermann Gätje: Entfremdung und Identität im „Heimat“-Roman der Gegenwart – Raphaela Edelbauer Das flüssige Land (2019) und Reinhard Kaiser-Mühlecker Enteignung (2019)

Autoreninformation:
Dr. Hermann Gätje ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass.

Prof. Dr. Sikander Singh lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes und ist Leiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass.
Mehr Informationen
ISBN 978-3-7720-8722-6
EAN 9783772087226
Bibliographie 1. Auflage
Seiten 330
Format kartoniert
Ausgabename 38722
Verlag A. Francke Verlag
Herausgeber Hermann Gätje, Sikander Singh
Erscheinungsdatum 08.11.2021
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