Hans Rudolf Velten

Scurrilitas

Das Lachen, die Komik und der Körper in Literatur und Kultur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit
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Die interdisziplinäre Studie befasst sich mit komischen Inszenierungen des menschlichen Körpers in der Vormoderne. Sie beschreibt Ansätze zu einer Theorie des Lachens über körperliche Komik; sie zeichnet Aufgaben und Funktionen von Possenreißern (scurrae) im Übergang von der antiken zur christlich-mittelalterlichen Kultur nach; sie arbeitet verschiedene Handlungsmuster körperlicher Komik in theatralen Gattungen wie Neidhart- und Fastnachtspiel, Geistlichem Spiel, Farce und Commedia dell’arte sowie in Erzähltexten der deutschen und europäischen Schwank- und Novellenliteratur des Spätmittelalters heraus. Im Zentrum steht ein performatives Verständnis dieser historischen Komikformen, das die Wechselbeziehung des komischen Vorgangs mit dem gemeinschaftlichen Lachen der Rezipienten profiliert und die grundlegende Verkörperung komischer Semantik in Aufführungen und Texten aufzeigt. Forschungsgeschichtlich erweitert sie das bislang geltende Paradigma sprachlicher Komik auf den Körper und macht seine Bedeutung für die Literatur- und Theatergeschichte in der Epoche zwischen 1300 und 1550 greifbar.
Die interdisziplinäre Studie befasst sich mit komischen Inszenierungen des menschlichen Körpers in der Vormoderne. Sie beschreibt Ansätze zu einer Theorie des Lachens über körperliche Komik; sie zeichnet Aufgaben und Funktionen von Possenreißern (scurrae) im Übergang von der antiken zur christlich-mittelalterlichen Kultur nach; sie arbeitet verschiedene Handlungsmuster körperlicher Komik in theatralen Gattungen wie Neidhart- und Fastnachtspiel, Geistlichem Spiel, Farce und Commedia dell’arte sowie in Erzähltexten der deutschen und europäischen Schwank- und Novellenliteratur des Spätmittelalters heraus. Im Zentrum steht ein performatives Verständnis dieser historischen Komikformen, das die Wechselbeziehung des komischen Vorgangs mit dem gemeinschaftlichen Lachen der Rezipienten profiliert und die grundlegende Verkörperung komischer Semantik in Aufführungen und Texten aufzeigt. Forschungsgeschichtlich erweitert sie das bislang geltende Paradigma sprachlicher Komik auf den Körper und macht seine Bedeutung für die Literatur- und Theatergeschichte in der Epoche zwischen 1300 und 1550 greifbar.

Inhalt:
Vorwort
Einleitung

1. Der Körper als Lachanlass
1.1 Lachtheorien ohne Körper?
1.2 Lachen und Komik – Unterscheidung und Verhältnis
1.3 Körper – Leib – Verkörperung: methodische Zugänge zum Körper

2 Lachen und Körperlichkeit in Mittelalter und Früher Neuzeit: historische und kulturelle Differenzierungen
2.1 Literaturwissenschaftliche Positionen: Komik
2.2 Literaturwissenschaftliche Positionen: Lachen
2.3 Die doppelte Leerstelle
2.4 Bachtins ‚grotesker Körper‘ als Textmetapher
2.5 Rituelles Lachen
2.6 ‚Scurrilitas‘: Transgressionen des Possenreißers

3. ‚Scurra‘ und ‚scurrilitas‘: Begriffs- und diskursgeschichtliche Aspekte
3.1 Das Lachen und der Körper in der theologischen Literatur
3.2 Scurra und scurrilitas
3.3 Die Gefahr des Lachens und die Macht des Diskurses im Mittelalter

4. ‚Ioculatores‘ und Hofnarren: Professionelle Possenreißer im Mittelalter
4.1 Der ‚ioculator‘ als Unterhalter
4.2 Körperinszenierungen als Lachanlässe
4.3 Hofnarren
4.4 Schalksnarren als städtische Unterhalter: Spottturniere und Pritschmeister

5 Der komische Auftritt: Aufführungsformen des Körpers im Schauspiel
5.1 Wahrnehmung des komischen Auftritts: Semiotik und Performativität
5.2 Transgressionen des Körpers im weltlichen und geistlichen Spiel
5.3 Neidharts Rache: der Possenreißer und die Freude am Tanzen und Prügeln
5.4 Farce und Sottie: Körper, Sprache und Lachen in der ‚actio‘
5.5 Narren im Fastnachtspiel: Grotesksprünge als Grotesksprüche
5.6 Die lazzi der ‚Commedia dell’arte‘

6. Erzählung, Imagination und Lachen – Die Literarisierung des komischen Körpers
6.1 Literarische Inszenierungsformen des komischen Körpers: Performance, Imagination und Text
6.2 Der listig-hässliche Held: Markolf als hybride Lachfigur
6.3 Höfische Possenreißer bei Franco Sacchetti
6.4. Obszönität, Versehrung und Gelächter im ‚Neithart Fuchs‘
6.5. Der Schwankheld als ‚scurra‘

7 ‚Scurrilitas‘ im 16. Jahrhundert: ein Ausblick
7.1 Tendenzen der Diskursivierung und Semantisierung

Quellen- und Literaturverzeichnis
I. Quellen und Zeugnisse
II. Zitierte Literatur

Abbildungsverzeichnis


Autoreninformation:
Prof. Dr. Hans Rudolf Velten lehrt Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters an der Universität Siegen.
Mehr Informationen
ISBN 978-3-7720-8543-7
EAN 9783772085437
Seiten 538
Format gebunden
Ausgabename 38543-1
Verlag A. Francke Verlag
Autor Hans Rudolf Velten
Erscheinungsdatum 24.07.2017 00:00:01
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